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Erlebte Wissenschaft: Science-Center boomenDPA-Datum: 2004-07-13 12:33:10

Karlsruhe (dpa) - Ein walartiger Baukörper scheint sich glitzernd aus einem See zu erheben. Wer den Eingang passiert, kann drinnen ein Erdbeben erleben, Expeditionen unternehmen oder den Kosmos erforschen.

Karlsruhe (dpa) - Ein walartiger Baukörper scheint sich glitzernd aus einem See zu erheben. Wer den Eingang passiert, kann drinnen ein Erdbeben erleben, Expeditionen unternehmen oder den Kosmos erforschen.

Mit dem Universum Science-Center in Bremen entstand im Jahr 2000 einer der ersten modernen Wissenschaftsparks in Deutschland. Es spiegelt einen Trend wider, der bundesweit um sich greift.

Auch auf dem Gelände des Regionalflughafens Karlsruhe/Baden-Baden sollen Besucher künftig wissenschaftliche Fragestellungen erleben und erforschen können. Ein arabischer Scheich will dort einen Themenpark zur Luft- und Raumfahrttechnik bauen.

Bereits seit zwei Jahren gebe es Gespräche mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt und der Aerospace Plaza Gmbh, sagt der Geschäftsführer des Baden-Airparks, Manfred Jung: «Wir können hier aber lediglich das Gelände reservieren. Das Risiko können wir dem Investor nicht abnehmen.» Bis zu 30 Millionen Euro will sich der Scheich angeblich das Projekt kosten lassen. Zwischen 200 000 und 300 000 Besucher erwartet er im Jahr. Ein Flugsimulator soll den Besuchern das Gefühl geben, in einer Raumkapsel ins Weltall zu fliegen.

Andere Städte haben den Trend schon früher entdeckt. In Bremen haben mehr als eine halbe Million Menschen im ersten Betriebsjahr die Erlebniswelten besucht. In der Hansestadt gibt es jedoch auch ein warnendes Beispiel: den Space Park. Das mehr als 500 Millionen Euro teure Prestige-Objekt rund um die Themen Raumfahrt und Sciencefiction kämpft ums Überleben, weil die Besucher fehlen.

In Wolfsburg soll 2005 das «Phaeno» eröffnet werden, ein Wissenschaftszentrum, das sich mit rund 250 interaktiven Exponaten als Erlebnislandschaft für Naturwissenschaften und Technik präsentieren will. Der Bau der Architektin Zaha Hadid soll nach Angaben der phaenoggmbh jährlich rund 260 000 Gästen Platz bieten. Ein Wissenschaftstheater steht für Experimentalvorträge und Science- Shows zur Verfügung.

Die Stadt Darmstadt plant ein Cybernarium: Ein «Edutainment- Center» soll wissenschaftsinteressierten Besuchern einen einfachen Zugang zu virtuellen Welten verschaffen. Wer eine Reise nach Italien scheut, kann zum Beispiel den Dom von Siena virtuell besuchen und erhält bei seinem Rundgang aus verschiedensten Perspektiven Einblicke in das Bauwerk.

Experten wie der Geschäftsführer der Karlsruher Symbios Beratungsgesellschaft für Spezialimmobilien, Thomas May, warnen: Fraglich erscheine neben der konkreten Finanzierbarkeit der jeweiligen Science-Center-Projekte die Langlebigkeit. Die Verbindung von spielerischen Lernerlebnissen und spektakulärer Architektur sei zwar ein erfolgreicher alternativer Weg der Wissensvermittlung, der Trend beinhalte jedoch das deutliche Risiko eines Überangebots.

May vergleicht die Pläne von immer mehr Städten zur Errichtung von Wissenschaftszentren mit den früheren Modetrends zum Bau von Multiplex-Kinos oder Erlebnisbädern. Plötzlich stehe bei vielen Städten eben das Thema Wissenschaft auf der Agenda ganz vorne. Dies zeige etwa der Wettbewerb der Städte um Titel wie «Wissenschaftsstadt Deutschlands». «Es besteht die Gefahr einer Übersättigung, wenn zu viele Kommunen den Trend aufgreifen», sagt May. Ob sich mit Science- Centern im Betrieb langfristig wirklich Geld verdienen lasse, sei derzeit nur schwer abzuschätzen.

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