Erleichterung bei dem finanziell angeschlagenen Konzern: Kirch-Gruppe: Murdoch hat das letzte Wort

Erleichterung bei dem finanziell angeschlagenen Konzern
Kirch-Gruppe: Murdoch hat das letzte Wort

Mit Erleichterung hat die Kirch-Gruppe auf die Ankündigung von Rupert Murdoch reagiert, Leo Kirch und seinem angeschlagenen Bezahl-Fernsehen Premiere möglicherweise zur Hilfe kommen zu wollen. Zwar gibt es keine offizielle Stellungnahme, doch hinter den Kulissen heißt es: "Das sorgt wieder für Sicherheit und Zuversicht."

cbu MÜNCHEN. Das ist auch nötig. Denn die Kirch-Gruppe fürchtete noch im vergangenen Dezember eine feindliche Übernahme durch die beiden Widersacher Rupert Murdoch (News Corp.) und John Malone (Liberty Media). Jetzt schlägt das Pendel wieder in die andere Richtung. Die Lage für Leo Kirch hat sich damit überraschend schnell wieder entspannt.

Äußerungen Murdochs sind offenbar abgesprochen

Murdoch versprach nicht nur Hilfe, Er kritisierte auch in ungewohnter Deutlichkeit seinen Partner Malone und distanzierte sich, zumindest mit Blick auf das Deutschland-Engagement, von ihm. In der vergangenen Woche waren zuvor Murdoch und Kirch zu einem Spitzentreffen zusammen gekommen. Die Äußerungen Murdochs sind also offenbar abgesprochen. Auch wenn Murdochs Verhalten auch einen taktischen Hintergrund haben dürfte, entspannt sich die Lage bei der Kirch-Gruppe.

Denn gleichzeitig konnte Kirch in der vergangenen Woche bekannt geben, dass die Dresdner Bank einen Kredit über etwa 450 Mill. Euro bis April verlängert hat. Damit erhält der finanziell in Bedrängnis stehende Münchener Konzern neuen Spielraum. Und mit der Berufung des früheren Pro-Sieben-Vorstandsvorsitzenden Georg Kofler zum neuen Premiere-Chef erhofft sich Kirch die letzte Chance für das Bezahlfernsehen. Kirch-Geschäftsführer und Premiere-Aufsichtsratchef Peter Mihatsch sieht sogar schon das baldige Erreichen der Gewinnschwelle. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg. Die Abonnentenzahlen bei Premiere liegen bei gut 2,4 Millionen und kommen kaum vom Fleck, die Verluste sind nach wie vor hoch.

Das letzte Wort hat Rupert Murdoch

Die Lage ist schwierig, denn das letzte Wort hat nach wie vor Rupert Murdoch. "Murdoch kann viel Druck auf die Kirch-Gruppe ausüben", stellen Medienanalysten fest. Der australische Medienunternehmer hält über seine Deutschland-Tochter BSkyB Germany bereits 22 % an Premiere. Er verfügt auch über eine Option, dieses Paket im Oktober 2002 an Leo Kirch für etwa 1,7 Mrd. Euro zu verkaufen, sollte sich das Geschäft nicht positiv entwickeln. Was Kirch dem entgegen zu setzen hat, ist offen. Die Finanzierung dieser Summe dürfte dem finanzschwachen Kirch jedoch große Probleme bereiten.

Bisher hatte Murdoch stets mitgeteilt, er sei nicht an einem Ausbau des Premiere-Engagements interessiert und wolle gegebenenfalls die Verkaufs-Option ausüben. Jetzt plant Murdoch doch eine Aufstockung der Anteile, will dann aber auch das Management übernehmen. Dabei wolle er sich mit Partnern wie Banken, Pensionsfonds und Verlagshäusern zusammen tun, teilte er mit.

Wie sich Murdoch letztlich entscheiden wird, ist trotzdem offen. Fraglich ist auch, ob sich Kirch von der Mehrheit bei Premiere trennen wird. Denn das Bezahl-Fernsehen ist ein wichtiger Bestandteil der Kirch-Strategie und nicht zuletzt einer der größten Kunden für die große Kirch-Filmbibliothek. Zudem hat er bereits Milliarden in Premiere investiert.

Der Sinneswandel Murdochs dürfte auch mit dem Scheitern der Pläne von John Malone zusammen hängen. Malone ist mit einem Kapitalanteil von 18 % größter Aktionär von Murdochs News-Konzern. Der US-Investor will derzeit von der Telekom einen Großteil des deutschen Kabelnetzes kaufen. Ende vergangenen Jahres hatte sich Malone plötzlich für Premiere interessiert. Das Kirch-Bezahlfernsehen hätte eine gute Ergänzung bedeutet. Doch Malone musste die Pläne begraben.

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