Erleichterung des Aktienhandels
Die zentrale Gegenpartei kommt erst 2003

Die Modernisierung des deutschen Aktienhandels durch die Einführung eines so genannten "zentralen Kontrahenten" (central counterparty - CCP) wird später erfolgen als erwartet.

FRANKFURT. Entgegen ursprünglichen Plänen wird der CCP erst im ersten Quartal 2003 eingeführt. Das sieht jedenfalls das von der Deutschen Börse AG ausgearbeitete Konzept vor, das heute der Börsenrat in Frankfurt absegnen soll.

Eine zentrale Gegenpartei erleichtert den Aktienhandel, indem sie bei allen Geschäften zwischen die beiden Parteien tritt . Dadurch sinkt das Ausfallrisiko. Außerdem verrechnet der CCP die Transaktionen im so genannten "Netting". Dank der Saldierung sinkt der Abwicklungsaufwand. In den USA beispielsweise, wo es seit langem eine zentrale Gegenpartei gibt, schrumpfte das Transaktionsvolumen, das den kostspieligen Abwicklungsprozess durchlaufen muss, "um über 90 %", sagt Christian Steinert von der Unternehmensberatung Capco. Noch wichtiger ist es aus Sicht der Banken aber, dass sie weniger Kapital als Sicherheit bereithalten müssen. Als dritter Vorteil des CCP gilt, dass er anonymen Handel ermöglicht.

Deutschland hinkt beim CCP hinter einigen Börsen in Europa hinterher. Erst vor wenigen Tagen führte die Nasdaq Europe eine zentrale Gegenpartei ein. In London startete der CCP bereits im Februar. Allerdings wird die Netting-Funktion erst im nächsten Jahr eingeführt. Ursprünglich sollte auch der deutsche CCP im dritten Quartal dieses Jahres anlaufen. Dieser Termin konnte allerdings wegen Differenzen zwischen den Banken und der Börse über die genaue Ausgestaltung nicht eingehalten werden. Vor einigen Monaten nannte Börsenvorstand Volker Potthoff dann das kommende Jahr als Startzeitpunkt. Aber auch dieser Terminplan erwies sich offenbar als zu eng. Immerhin haben Banken und Börse jetzt die letzte Streitfrage geklärt. Der CCP wird das "Brutto-Liefermanagement" anbieten. Dadurch können trotz der Saldierung die einzelnen Transaktionen verfolgt werden. Dies ist für die Banken unter anderem deshalb wichtig, weil sie die einzelnen Aufträge den jeweiligen Kunden zuordnen müssen.

In Bankkreisen wird der CCP grundsätzlich gewünscht. Allerdings wird gelegentlich darauf verwiesen, dass Investitionen in zweistelliger Millionenhöhe, wie sie der CCP bei größeren Instituten nach Ansicht von Experten erfordern dürfte, angesichts der schlechten Ertragslage der Branche derzeit ungelegen kämen. Eine Verschiebung der Einführung könnte auch zur Weitentwicklung des Modells genutzt werden, heißt es. Für wünschenswert halten es Bankexperten etwa, dass neben dem deutschen Aktiengeschäft auch ausländische Aktien und der außerbörsliche Bondhandel mit einbezogen werden. Nach den gegenwärtigen Plänen wird der CCP zunächst aber nur für die rund 1 000 deutschen Aktien in Girosammelverwahrung eingeführt. Auch die Verrechnung von Sicherheiten im Aktienhandel mit denen an der Terminbörse Eurex ist anfangs nicht vorgesehen. Unklar ist ferner, ob die Regionalbörsen mitmachen. Diese offenen Fragen sollten schnell gelöst werden. Denn nach Ansicht von Experten wie Susanne Klöß von der Unternehmensberatung Accenture macht "das Modell nur Sinn, wenn mittelfristig alle Arten von Geschäften über den CCP laufen".

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