Erleichterung nach dem friedlichen Machtwechsel
Megawatis Wirtschaftsteam braucht Hilfe vom IWF

Die Finanzmärkte in Jakarta haben auf den friedlichen Machtwechsel positiv reagiert. Die indonesische Rupiah legte gegenüber dem US-Dollar kräftig zu.

SINGAPUR. Am Dienstag durchbrach sie die "magische Marke" von 10 000 Rupiah pro Dollar und verbesserte sich auf 9 900 - erstmals wieder seit dem 16. März. "Mit der neuen Führung unter der Präsidentin Megawati Sukarnoputri hoffen wir, dass das Vertrauen in unsere Wirtschaft wieder wächst und die Rupiah nicht länger unter Druck steht", sagte der stellvertretende Gouverneur der Zentralbank, Achjar Iljas.

Inzwischen wartet die einheimische und ausländische Geschäftswelt in Jakarta mit Spannung auf das Wirtschaftsteam, das Megawati zusammenstellen wird. Dessen Fachkompetenz und Glaubwürdigkeit würden mit darüber entscheiden, ob langsam "nicht nur das Vertrauen in das Land, sondern auch in die Glaubwürdigkeit der Regierung" wieder aufgebaut werden könne, sagte Megawatis Chef-Wirtschaftsberater Frans Seda. Zunächst muss die neue Präsidentin im Parlament eine stabile Koalition bilden. Sie kontrolliert zwar die größte Fraktion im Unterhaus, hat aber keine Mehrheit.

Der frühere Super Kwik Kian Gie-Wirtschaftsminister erklärte am ersten Arbeitstag Megawatis, die Präsidentin wolle mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) zusammenarbeiten. Kwik, ein Vertrauter Megawatis, war vor wenigen Monaten von Wahid entlassen worden. Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem IWF gilt als wichtiges Signal für ausländische Investoren. Als ersten Schritt muss er eine seit Dezember 2000 gesperrte Kredittranche von 400 Mill. $ auszahlen. Der IWF hatte die Überweisung wegen der als zu lasch empfundenen Reformpolitik Wahids verhängt.

Bevor der IWF seine Kreditsperre nicht aufhebt, kann Indonesien nicht in die zweite Verhandlungsphase mit ausländischen Staatsgläubigern über die Umschuldung von 5,8 Mrd. $ im Pariser Club eintreten. Indonesiens gesamte Auslandsverschuldung beläuft sich auf 140 Mrd. $, fast die Größe des Bruttoinlandsproduktes. Ferner sitzt die Regierung auf rund 60 Mrd. $ Inlandsschulden, entstanden durch die Rettung des inländischen Bankensystems vor dem Zusammenbruch in der Finanzkrise 1997/98.

Wie die Wirtschaftspolitik der Präsidentin aussehen könnte, darüber gibt es bislang nur vereinzelte Hinweise aus dem Kreis ihrer Berater. Sie strebe einen neuen Stil in der Kommunikation mit den multilateralen Institutionen und den internationalen Gebern an, sagte Seda kürzlich in Singapur. Die eher nationalistisch denkende Megawati wolle eine gesetzliche Neuordnung der Verkaufspolitik der staatlichen Treuhandverwaltung Ibra (Indonesische Banken-Restrukturierungs-Agentur). Die Ibra verwaltet ein Milliardenvermögen an Industrie- und Bankenbeteiligungen. Sie stammen von den großen Familienkonglomeraten, die diese als Gegenwert für staatliche Rettungskredite abtreten mussten.

Die Ibra ist fest im Griff der Politik und in ihrer Verkaufspolitik faktisch gelähmt. Sie gilt als Symbol der Reformunfähigkeit der Regierung. Megawati will durch neu Gesetze die Verkaufspolitik der Ibra so lenken, dass zwar den alten Eigentümern der Wiedererwerb versperrt bleibt, aber das "nationale Tafelsilber" möglichst an indonesische Investoren geht und nicht nur an ausländische. "Ihr Ziel ist", so Sade, "ein Mix nationaler Ideale und den Erfordernissen globaler Märkte."

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