Erleichterung nach der Einnahme Bagdads: Konjunkturaussichten haben sich leicht aufgehellt

Erleichterung nach der Einnahme Bagdads
Konjunkturaussichten haben sich leicht aufgehellt

Die Konjunkturaussichten für Deutschland haben sich einer Umfrage unter Finanzmarktexperten zufolge im April dritten Monat in Folge etwas aufgehellt.

Reuters MANNHEIM. Der vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) ermittelte Saldo der Konjunkturerwartungen der befragten Analysten und institutionellen Anleger sei auf 18,4 von 17,7 Punkten im März gestiegen, teilte das ZEW am Dienstag in Mannheim mit. Dabei spielte jedoch nach ZEW-Angaben der Verlauf des Irak-Krieges im Umfragezeitraum eine zentrale Rolle. Nach der Einnahme Bagdads durch die US-Armee seien die Prognosen deutlich positiver gewesen.

Von Reuters befragte Volkswirte hatten im Schnitt mit einem Anstieg auf 19,5 Punkte gerechnet. Die Finanzmärkte reagierten kaum auf die Veröffentlichung des Indikators. Der Deutsche Aktienindex (DAX) wies weiterhin ein Plus von mehr als zwei Prozent auf über 2840 Punkte auf. Der Euro notierte weiterhin zwischen 10740 und 1,0750 Dollar.

Einnahme Bagdads sorgte für grosse Erleicheterung

Analysten werteten den Anstieg des ZEW-Konjunkturbarometers als Stabilisierung. "Das Thema Irak und die Nachwirkungen sind damit aber noch nicht ausgestanden", warnte Harald Jörg von der Dresdner Bank. ZEW-Chef Wolfgang Franz erklärte, ein getrennte Auswertung der Antworten über den Umfragezeitraum zeige deutliche Auswirkungen des Kriegsverlaufes im Irak. Bei den vor der Einnahme Bagdads durch die US-Armee eingegangenen Antworten ergebe sich ein Indikatorwert von 9,8 Punkten, bei Antworten, die nach dem 10. April eingingen, indessen von 27,8 Punkten.

"Die Finanzanalysten erwarten mit dem Ende der Unsicherheit im Zusammenhang mit dem Irak-Krieg einen positiven Schub für die deutsche Konjunktur", erklärte Franz. "Es bleibt jedoch angesichts unserer hausgemachten Probleme abzuwarten, wie nachhaltig dieser sein wird." Das ZEW-Stimmungsbarometer für die Euro-Zone fiel auf 29,5 nach 29,6 Zählern im März.

Analysten: Wachstum noch weit unter den Möglichkeiten

Andreas Rees von der Hypovereinsbank sagte, der Durchschnittswert des ZEW-Indikators für die vergangenen zehn Jahre liegt bei etwa 33 Punkten: "Davon sind wir also noch weit entfernt." Der Kriegseffekt spiegele nur die erste Erleichterung nach der Einnahme Bagdads wider und sollte nicht überbewertet werden. Jörg sagte, er erwarte für das erste Quartal 2003 einen Anstieg des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 0,2 Prozent zum Schlussquartal 2002. "Fraglich ist aber, ob sich das auch im Jahresverlauf fortschreiben lässt, vor allem wenn man an die Folgen des Irak-Kriegs denkt."

Das ZEW befragt monatlich gut 300 Analysten und institutionelle Anleger zu ihren mittelfristigen Erwartungen hinsichtlich Konjunktur, Zinsen, Aktien- und Wechselkursen. Der Saldo der Konjunkturerwartungen gibt die Differenz der positiven und der negativen Einschätzungen für die Wirtschaftsentwicklung auf Sicht von sechs Monaten wieder.

Anders als der ZEW-Index hatte sich nach zwei positiveren Monaten der Ifo-Geschäftsklimaindex des Münchner Instituts für Wirtschaftsforschung (Ifo) zuletzt wieder etwas eingetrübt. Überraschend positive Zahlen zur deutschen Industrieproduktion und zum Auftragseingang des verarbeitenden Gewerbes im Februar hatten unter Volkswirten aber wieder Hoffnungen aufkeimen lassen, dass das Wirtschaftswachstum im zweiten Halbjahr wieder etwas anziehen könnte. Der Ifo-Index für April wird am 28. April veröffentlicht.

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