Erleuchtung aus Fernost

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Erleuchtung aus Fernost

E-Learning bietet viele Chancen, zeigt die Karlsruher Fachmesse Learntec. Zu wenige Firmen nutzen sie bisher.

DÜSSELDORF. Der Ton macht die Musik - und die richtige Farbe erst eine Präsentation, die dem Design der Unternehmensberatung Bain & Company entspricht. Auch dafür gibt es penible Vorgaben, die Christina Müller, seit einem Monat Beraterin bei Bain in München, erst noch lernen muss. Nachhilfe erhält sie aus Fernost: Per Videoclip aus dem Firmennetz gibt ein japanischer Partner der E-Lernstunde eine persönliche Note. Über die eigene virtuelle Universität kann jeder Bain-Berater weltweit online Präsentationen oder auch komplette Projekte studieren.

Seit 1998 schon bildet Bain seine Mitarbeiter per Mausklick fort. Die digitale Lernstunde am Arbeitsplatz hat viele Vorteile: Sie ist leicht verfügbar, spart Zeit und Kosten. Standardisierte Bausteine des Wissens lassen sich aus dem Web ziehen, Seminare können vor- und nachbereitet werden. Idealerweise entfällt sogar eine lange und teure Anreise zum Schulungsort.

Computer- oder web-basiertes Training, virtuelle Klassenzimmer, Videos auf Abruf - darum geht es auch auf der morgen beginnenden Fachmesse Learntec, die bis zum 8.2. in Karlsruhe stattfindet. Trotz Krise in der Web- Wirtschaft: Nach Angaben der Veranstalter wird es die bisher größte Learntec. Mehr als 8 000 Aussteller werden erwartet. Neu im Programm: digitale Anwendungen für das Handwerk.

Solche Messe-Aufklärung scheint bitter nötig zu sein. Denn entgegen vieler Prognosen setzt bislang nur knapp die Hälfte der deutschen Großunternehmen elektronisches Lernen ein. Aber: Bis 2004 sollen sich die Investitionen in E-Learning auf ein Viertel des Bildungsbudgets der Großkonzerne verdoppeln. Das besagt eine aktuelle Studie im Auftrag der Unternehmensberatung KPMG.

"In das E-Learning wurden bisher übersteigerte Erwartungen gesetzt", urteilt Medienforscher Lutz P. Michel. Sein Institut, die Düsseldorfer MMB-Beratung, befragte für die KPMG 600 Personalverantwortliche in Unternehmen mit mehr als 1 000 Mitarbeitern.

Probleme laut Studie: E-Learning werde reduziert auf Themen wie IT- Standard-Anwendungen und sei zu wenig eingebunden in die konventionelle Weiterbildung. Außerdem sei Geduld nötig - die E-Systeme brauchen viel Zeit, bis die Mitarbeiter sie einsetzen wollen und die Technik nicht mehr hakt.

Und so sind interne Seminare in miefigen Gruppenräumen nach wie vor die dominante Weiterbildungsform in Großunternehmen, obwohl sich nach Angaben aus der Branche bis zu einem Drittel der Fortbildungskosten durch E-Learning sparen ließen.

Zudem werden, laut KPMG-Studie, nicht einmal jedem fünften Mitarbeiter der befragten Unternehmen Möglichkeiten zum E-Learning angeboten. Vielleicht aus gutem Grund. So beliebt scheint das elektronische Lernen an der Basis gar nicht zu sein. Nur die Hälfte derer, die die Gelegenheit haben, wollen sie, laut KPMG, überhaupt nutzen.

Auch bei Bain ersetzt der Bildschirm nicht den Trainer aus Fleisch und Blut. Mit der virtuellen Uni von Bain können die Berater weiterhin stattfindende reale Seminare in Eigenregie zeitlich flexibel vor- und nachbereiten. Diese Kombination wird als Blended Learning gepriesen. "Es ist natürlich wichtig, die Kollegen auch persönlich kennen zu lernen", resümiert die neue Bain-Beraterin Müller. Den Laptop als tragbaren Arbeitsplatz immer unter den Arm geklemmt, konnte sie sich aber auch schnell mit dem Büffeln am Bildschirm anfreunden. "Bei uns wird digitales Lernen gut aufgenommen", findet Claudia Staar, Personalmanagerin bei Bain.

Aber nicht in allen Branchen fällt E-Learning auf fruchtbaren Boden. Dienstleister sind laut MMB Studie viel empfänglicher als das verarbeitende Gewerbe. Beispiel BMW: "In der Produktion legen wir sehr großen Wert auf praktische Übungen. Diese Praxisnähe ist durch E-Learning allenfalls unterstützend möglich", sagt Max Neumeier, Leiter Weiterbildung bei den Bayern. Die Akzeptanz für E-Learning sei bei Werksarbeitern gering. Trotzdem setzt BMW E-Learning Programme zunehmend konzernweit ein. Auch der Montage-Facharbeiter kann durch Computer-Simulation lernen, wie er das Kabel richtig verlegen muss. Im Fortbildungsangebot von BMW nennt sich der entsprechende Kurs "Bordelektronik". Medium: CD-ROM. Preis: 25 ? für den Abteilungsleiter, der seine Mitarbeiter weiterbilden will.

Mit Trainings per Computer hat der Automobil-Riese schon vor 20 Jahren Ingenieure und Entwickler im Designbereich geschult. "Das waren erst die Anfänge", erinnert sich Neumeier. Web-basiertes Training ergänzt bei BMW inzwischen das Weiterbildungsspektrum. Tutorien und freiwillige Einstufungstests gehören ebenfalls zum Programm, das die Münchener online anbieten.

Allerdings sind der Themenvielfalt beim E-Learning oft Grenzen gesetzt. Bei BMW dominieren Inhalte wie IT-Standard-Anwendungen - etwa Office 2000 oder eine Einführung in das Internet - die Lernplattform. Bei Kursen über kaufmännisches Wissen und Fremdsprachen bleibt das E nach wie vor auf der Strecke. Bevorzugte Medien laut BMW-Broschüre: Audio, Video - und Bücher.

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