Erlös wird in ausländische Bonds umgeschichtet
Japans Lebensversicherer stoßen ihre Aktien ab

TOKIO. Auf der Suche nach höheren Renditen schichten Japans Lebensversicherer ihre Depots zu Gunsten ausländischer Wertpapiere um. In den vergangenen Tagen kündigten gleich mehrere der großen Versicherungen an, sie wollten im gerade begonnenen Geschäftsjahr 2003/2004 (Ende 31. März) japanische Aktien verkaufen und hauptsächlich in ausländische Anleihen investieren. Diese Umschichtung lässt sich seit mehreren Jahren verfolgen, doch im gerade zu Ende gegangenen und im laufenden Geschäftsjahr habe der Trend klar an Dynamik gewonnen, meint Brett Hemsley, Versicherungsexperte bei Fitch Ratings in Tokio. Auf den japanischen Aktienmarkt üben die Umschichtungen weiteren Druck aus.

Japans Lebensversicherer stecken in dem Dilemma. Während der Spekulationsphase in den 80er Jahren haben sie ihren Kunden Renditen zwischen 3 % und 4 % garantiert. Diese können sie heute nicht mehr erwirtschaften. Japanische Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit rentieren derzeit weit unter 1 %. Das führt zu Verlusten und zehrt an den Reserven. Dazu kommen Kursverluste an den Aktienmärkten.

Um die Schere zwischen garantiertem und erwirtschaftetem Zins zu schließen, suchen die Versicherungen Anlagen, die ihnen für ihre Milliarden eine bessere Rendite einbringen. Allein Japans Branchenführer Nippon Life will in diesem Jahr rund 500 Mrd. Yen (3,9 Mrd. Euro) neu anlegen, davon das meiste in ausländischen Bonds, sagten Manager des Unternehmens in Interviews. Japanische Staatsanleihen werde man dagegen erst wieder kaufen, wenn die Renditen steigen.

Von einer generellen Abkehr von japanischen Staatsanleihen wollen Beobachter zwar noch nicht sprechen, zumal das Angebot an Firmenanleihen mit höherer Rendite ist in Japan begrenzt ist.

Die Umschichtung in ausländische Werte wird jedoch weitergehen. Selbst mit den Kosten für die Absicherung des Wechselkursrisikos liegen die Renditen dort höher als bei japanischen Staatsanleihen. Dai-Ichi Mutual Life, Meiji Life und Yasuda Mutual, die Nummer zwei, vier und fünf des Marktes, bestätigen diesen Trend. Yasuda will bis September zwischen 100 und 200 Mrd. Yen von inländischen und ausländischen Aktien in japanische Anleihen umschichten.

Eine ähnliche Strategie kündigten auch Asahi Mutual Life und Mitsui Mutual Life, die Nummer sechs und sieben auf dem japanischen Markt, an.

Nicole Bastian
Nicole Bastian
Handelsblatt / Ressortleiterin Ausland
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