Erlöse aus kostenpflichtigem Artikelabruf sollen neues Standbein bilden
Stiftung Warentest will im Internet Geld verdienen

Bis zu eine Million Mark im Jahr will die Verbraucherschutzorganisation mit Testberichten im Internet umsetzen. Die Neutralität und Solidität der Arbeit soll neues Stiftungsvermögen sichern. Probleme bereitet der Absatz des Flaggschiffes, der Zeitschrift "Test".

afp/dpa/jgo BERLIN. Die Stiftung Warentest will künftig auch im Internet Geld verdienen und setzt daher zunehmend auf ein kostenpflichtiges Online-Angebot. Bereits im laufenden Jahr erwarte die Stiftung durch bezahlte Artikel-Abrufe von den Websites von "Test" und "Finanztest" Zusatzeinnahmen von 200 000 bis eine Million Mark (gut 102 000 bis 511 000 ?), sagte Warentest-Vorstand Werner Brinkmann am Donnerstag in Berlin. Im kommenden Jahr werde dann das Doppelte herauskommen. "Wir unterstellen, dass das Interesse der Verbraucher groß genug ist." Ein wachsendes Interesse verzeichnet die Stiftung derzeit an Finanzthemen etwa rund um den Euro oder um die private Zusatzrente nach dem Modell von Bundesarbeitsminister Walter Riester (SPD).

Neben dem weiter bestehenden kostenlosen Online-Angebot verlangt Warentest nach Angaben Brinkmanns je nach Länge und Aktualität zwischen einer und vier DM (51 Cent bis 2,05 ?) pro abgerufenem Artikel. Abgerechnet werde über sichere und von Warentest geprüfte Systeme, sagte Brinkmann. So könnten die Nutzer entweder per Bankeinzug oder per Telefonrechnung zahlen. Auch das entgeltliche Faxangebot der Stiftung werde bereits seit Monaten erfolgreich parallel im Netz verbreitet. Zumindest heute Mittag ließ sich das Internetangebot der Warentester allerdings "aufgrund aktuter technischer Probleme" nicht aufrufen.

Medikamenten-Handbuch beschert kräftige Gewinne

Im vergangenen Jahr hat die Stiftung ihren Gewinn dank der Veröffentlichung ihres Medikamenten-Handbuches kräftig gesteigert. Wie Brinkmann mitteilte, legte der Jahresüberschuss 2000 vor allem wegen der Sonderpublikationen um 18 % auf 5,4 Mill. DM zu. Das Hauptprodukt, die Zeitschrift "Test", verlor dagegen weiter Leser und trotz einer Preiserhöhung auch Umsatz. Die Auflage sank um 30 000 Exemplare auf 671 000. Das auf Finanzprodukte spezialisierte Magazin "Finanztest" steigerte seine Leserzahlen dagegen leicht (340 000).

Die Stiftung Warentest finanziert sich zum größten Teil aus dem Verkauf von Publikationen. Rund 12 % machen die Zuwendungen des Bundes aus. Im kommenden Jahr erhält die Stiftung statt 13 Mill. DM nur noch elf Mill. DM. Ursprünglich sollten die Zuwendungen auf acht Mill. DM gekürzt werden.

Um von politischen Entscheidungen unabhängiger zu sein, forderte Brinkmann 160 bis 170 Mill. DM als Stiftungskapital. Davon könnten dann rund zehn Mill. DM als jährlicher Zinsertrag die Geschäfte unterstützen. Mit einer Satzungsänderung Anfang des Jahres wurden 18,4 Mill. DM aus Rücklagen als Stiftungskapital ausgewiesen. Er setze große Hoffnung auf Verbraucherschutzministerin Renate Künast, sagte Brinkmann. Diese unterstützt zusammen mit den Grünen den Aufbau eines solchen Vermögens.

Insgesamt untersuchte die Stiftung Warentest im vergangenen Jahr rund 1700 Produkte - mehr als 500 weniger als 1999. Da weniger aufwendige Produktvergleiche gemacht und mehr neue Einzelprodukte getestet wurden, sanken die Untersuchungskosten. Spitzenreiter bei den Warentests waren Produkte aus der Unterhaltungselektronik und Informationstechnik. Weitere Schwerpunkte sollen in Zukunft Arznei- und Lebensmittel sein.

Wegen einiger Tests gab es Abmahnungen und gerichtliche Auseinandersetzungen. Den Rekord hält dabei das lukrative Medikamenten-Handbuch mit 67 Abmahnungen und sechs Gerichtsstreits. Nachdem im Internet gegen Einzelzahlung einzelne Tests vollständig abrufbar sind, hofft Stiftung Warentest darauf, dass sich dieser Bereich zu einem weiteren Standbein entwickelt.

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