Erlöse sollen den Schuldenberg von 1,2 Milliarden Euro abbauen
Prada will im Sommer an die Börse

Die Hausbanken haben ihren Druck auf Prada-Chef Patrizio Bertelli erhöht, endlich den Gang an die Börse zu wagen. Die aggressive Expansionspolitik des Luxuskonzerns hat Spuren in der Bilanz hinterlassen.

MAILAND. Nach langem hin und her wird der italienische Modekonzern Prada in diesem Sommer endlich an die Börse gehen. Unternehmenschef Patrizio Bertelli bestätigte am Donnerstag entsprechende Pläne. Details über den Börsengang gab er zwar nicht, doch rechnen Finanzkreise mit der Platzierung von 30 bis 40 % des Kapitals. Dadurch könnten dem hoch verschuldeten Luxusgüterhersteller bis zu 2,2 Mrd. Euro in die Kasse fließen.

Analysten bewerten Prada - den nach Gucci zweitgrößten italienischen Luxusgüterkonzern - mit 5 bis 5,5 Mrd. Euro. Den voraussichtlich größten IPO (Initial Public Offering) dieses Jahres in Italien wird die Deutsche Bank neben BNP Paribas und Intesa Bci begleiten.

Bereits vor Monaten hatte das Unternehmen seinen Börsengang angekündigt - und immer wieder verschoben. Bertelli - Ehemann und Geschäftspartner von Miuccia Prada, Enkelin des Unternehmensgründers Mario - musste jedoch immer wieder zurückrudern, da die Ergebnisse unbefriedigend und die Marktbedingungen schwierig waren. Doch in den vergangenen Wochen sollen die Hausbanken ihren Druck auf Bertelli, den Gang an die Börse rasch anzugehen, erhöht haben - angesichts eines Schuldenberges von schätzungsweise 1,2 Mrd. Euro und der Platzierung einer Wandelschuldverschreibung im Wert von 700 Mill. Euro. Außerdem benötigt der Konzern frisches Geld für die Eröffnung neuer Marken-Boutiquen. Bislang hat Prada 450 Shops.

Die hohen Verbindlichkeiten (das achtfache des operativen Ergebnisses) sind das Ergebnis einer Wachstumsstrategie, die in der Branche ohne Beispiel ist. In den 90-er Jahren hat sich Prada von einem kleinen Modehaus, das in erster Linie das Mailänder Großbürgertum mit edlen Lederwaren belieferte, zu einem Multimarkenkonzern globalen Zuschnitts entwickelt. Prada ist in der Branche bekannt für die hohe Qualität seiner Lederwaren und den minimalistischen Stil seiner Mode. Klassiker ist seit über zwanzig Jahren ein kleiner, schwarzen Rucksack für 300 Euro. In der Expansionsphase hat sich der Umsatz vervierzigfacht. Anders als Konkurrenten wie Armani, Ferragamo oder Gianni Versace hat sich Bertelli nicht auf eine Marke konzentriert. Wie Gucci und der französische Marktführer LVMH (Louis Vuitton Moët Hennessy) glaubt auch Prada-Chef Bertelli an die Überlegenheit der Multimarkenkonzerne.

Deshalb ist Prada durch eine Vielzahl von Akquisitionen - schwerpunktmäßig in den Jahren 1999 und 2000 - gewachsen. So hat Bertelli vor drei Jahren für 100 Mill. Euro das Unternehmen der Hamburger Modeschöpferin Jil Sander gekauft. Sie schied später im Streit mit dem als cholerisch geltenden Bertelli aus dem Unternehmen aus.

Zuvor hatten sich die Italiener bereits die Mehrheit des österreichischen Edelschneiders Helmut Lang gesichert. Es folgten Fendi aus Rom (gemeinsam mit LVMH), die britische Schuhfirma Church?s und andere. Inzwischen musste sich Prada aber der Krise in der Luxusgüterbranche beugen und seine 25,5-prozentige Fendi-Beteiligung an LVMH und die sportive Marke Byblos an Swinger abgeben. Prada wird von Experten oft als Beispiel für eine allzu aggressive Expansionspolitik genannt. Anders als Gucci-Chef Domenico De Sole wird Bertelli nachgesagt, bei seinen Akquisitionen oft überhöhte Preise bezahlt zu haben. Im Fall Fendi hat er seine Kritiker allerdings Lügen gestraft, denn Prada konnte diesen Deal mit einem Nettogewinn von 20 Mill. Euro abschließen.

Dennoch ist klar, dass die aggressive Expansion für die Bilanz des Unternehmens eine schwere Hypothek darstellt. Abzulesen ist das an den Ergebnissen des vergangenen Jahres : Nicht zuletzt auf Grund hoher Abschreibungen und Zinszahlungen ist der konsolidierte Nettogewinn um 51 % auf 46 Mill. Euro eingebrochen. Das operative Ergebnis schrumpfte um 32 % auf 80 Mill. Euro. Der Umsatz wuchs lediglich um 5,4 %, nachdem es im ersten Halbjahr noch um 25 % gestiegen war. Erstaunlich ist auch, dass die Quartalszahlen per 31. März gestern überraschend nicht vorgelegt wurden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%