Ermittler beschlagnahmen Unterlagen
Staatsanwalt besucht Zentrale von EM-TV

Die Münchener Staatsanwaltschaft hat im Zuge ihrer Ermittlungen wegen Insiderhandels das angeschlagene Entertainment-Unternehmen EM.TV & Merchandising AG am Firmensitz in Unterföhring durchsucht und Unterlagen beschlagnahmt.

hps/vwd DÜSSELDORF. Der Filmrechtehändler, bei dem der Kirch-Konzern einsteigen wird, übergab dem ermittelnden Staatsanwalt Unterlagen wie Aufsichtsrats- und Vorstandsprotokolle, wie aus Branchenkreisen dem Handelsblatt bekannt wurde. Auch soll ein Gespräch des Staatsanwaltes mit dem Vorstandsvorsitzenden Thomas Haffa stattgefunden haben. Wann die Untersuchungen abgeschlossen sind, ist wegen der komplizierten Unternehmensstrukturen noch völlig offen. Staatsanwalt Manfred Wick bestätigte am Mittwoch auf Anfrage einen entsprechenden Bericht des "Handelsblatt". Bis wann die Unterlagen, die "für das Verfahren interessant sind", ausgewertet sein werden, darüber lasse sich im Augenblick nichts sagen. Über den Kreis der Zeugen, die im Unternehmen parallel dazu vernommen wurden, wollte Wick keine näheren Angaben machen.

Gleichzeitig wurde bekannt, dass EM.TV-Vorstand Ulrich Goebel , bisher zuständig für Business Affairs, das Unternehmen zum 31. Dezember 2000 verlassen wird. Goebel scheide im Hinblick auf "grundsätzliche Unterschiede in der Einschätzung der zukünftigen strategischen Ausrichtung der EM.TV" aus, heißt es in einer Ad-hoc-Mitteilung.

Unterdessen hat das Bundesaufsichtsamt für Wertpapierhandel (BAWe) die Analyse möglicher Insider-Geschäfte im Vorfeld der Gewinnwarnung von EM.TV abgeschlossen. Es lägen Anhaltspunkte für "auffällige Kursbewegungen" vor, sagte BAWe-Sprecher Christian Pawlik dem Handelsblatt. Aller Voraussicht nach wird eine Untersuchung bis spätestens Anfang Januar eingeleitet. Das Verfahren werde auf Grund des regen Handels mit EM-TV-Aktien "mehrere Monate" dauern.

Die Staatsanwaltschaft München ermittelt gegen EM.TV-Chef und Großaktionär Thomas Haffa, seinen Bruder und Ex-Finanzvorstand Florian Haffa und andere Beteiligte. Der einstige Börsenliebling EM.TV hatte Anfang Dezember seine Gewinnprognosen drastisch nach unten korrigiert. Jedoch hatten Spekulationen um ein finanzielles Chaos den Aktienkurs schon zuvor auf Jahrestiefststände fallen lassen.

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