Ermittler haben auch das Internet im Visier
Terroristenjagd: BKA überprüft Kundendaten des E-Mail-Anbieters GMX

Auf der Suche nach den Hintermännern der Terroranschläge in den USA haben die Ermittler auch das Internet im Visier. Sie interessieren sich dabei offenbar vor allem für Kunden des E-Mail-Anbieters GMX.

ap FRANKFURT/MAIN. Auf der Suche nach den Hintermännern der Terroranschläge in den USA haben die Ermittler auch das Internet im Visier. Als preiswertes, schnelles und grenzenloses Medium bietet es Agitatoren aller Couleur ideale Bedingungen. Das haben auch islamistische Extremisten erkannt, wie der letzte Verfassungsschutzbericht belegt: "Auch islamistische Organisationen nutzten verstärkt das Internet als Kommunikations- und Propagandamittel", heißt es dort.

20 Mitarbeiter des Bundeskriminalamts durchforsteten Tag für Tag das Internet auf der Suche nach strafbaren Inhalten, wie BKA-Sprecher Gerhard Schlemmer berichtet. Acht Mitarbeiter surften speziell für den Staatsschutz im weltweiten Netz, suchten also nach extremistischen Inhalten. Dabei werde nach Erfahrungswerten vorgegangen.

Internetsuche wird intensiviert

"Wir wissen schon, wo man etwas finden kann", sagt Schlemmer. 1999, als das BKA seine Internetsuche gestartet habe, seien acht Fälle registriert worden, die den Staatsschutz betrafen. Im vergangenen Jahr seien es bereits 243 Fälle gewesen. Auch bei den aktuellen Ermittlungen zu den Terroranschlägen haben die Ermittler das Internet fest im Blick.

Schlemmer bestätigte am Mittwoch einen Bericht der "Financial Times Deutschland", wonach die Daten der Bezieher eines Newsletters überprüft werden sollen. "Das ist eine der Spuren, denen wir nachgehen", sagte der BKA-Sprecher. Nähere Einzelheiten würden aber auf Grund des laufenden Verfahrens nicht genannt.

Die Ermittler interessieren sich dabei offenbar vor allem für Kunden des E-Mail-Anbieters GMX (Global Message Exchange). Das BKA habe um Kundendaten gebeten, und wenn es einen begründeten Anfangsverdacht gebe, sei GMX gesetzlich verpflichtet, die Behörden mit Informationen zu versorgen, wie der Sprecher des E-Mail-Anbieters, Stefan Vollmer, sagte. Zunächst seien aber nur die angeforderten Kundendaten übermittelt worden. Für weitergehende Informationen, wie etwa die Einsicht in den E-Mail-Verkehr von Kunden, sei eine richterliche oder staatsanwaltschaftliche Anordnung nötig.

Aufruf zum "Heiligen Krieg"

Die Empfängerliste des per E-Mail versandten Informationsbriefs stammt von der inzwischen gesperrten Website www.qoqaz.de, auf der islamische Extremisten zum "Heiligen Krieg" aufgerufen hatten. Die Liste mit rund 100 Namen geriet offenbar ins Visier der Ermittler, weil sich auf ihr die Adresse bahaji@tu-harburg.de befindet. Sie wird dem Harburger TU-Studenten Said Bahaji zugerechnet, der laut Presseberichten im Zusammenhang mit den Terroranschlägen in den USA gesucht wird. Ein anonymer Hacker hatte die Liste auf der Schweizer Website www.symlink.ch veröffentlicht.

Auf ihr befinden sich unter anderem auch Adressen der E-Mail-Anbieter Yahoo Deutschland, Freenet und web.de. Sprecher der Unternehmer erklärten am Mittwoch aber unisono, dass sich das BKA noch nicht gemeldet habe. Neben Bahajis Adresse befinden sich dort auch Adressen von Angehörigen der Universitäten Bielefeld, Bremen, Berlin und Tübingen. Über einen terroristischen Hintergrund der Bezieher ist damit freilich noch nichts gesagt. Dazu kommt, dass kein Anbieter von kostenlosen E-Mail-Adressen vor falschen Angaben seiner Kunden gefeit ist.

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