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Ermittler suchen Beweise für Anschlagsplan gegen Allawi

Nach Haftbefehlen gegen drei Iraker sucht die Bundesanwaltschaft nach Beweisen für ein geplantes Attentat auf den irakischen Regierungschef in Berlin.

dpa BERLIN. Nach Haftbefehlen gegen drei Iraker sucht die Bundesanwaltschaft nach Beweisen für ein geplantes Attentat auf den irakischen Regierungschef in Berlin. Die Terrorverdächtigen waren am Samstag wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung in Untersuchungshaft genommen worden.

Ein Libanese - er soll den Anschlagsplan auf Ministerpräsident Ijad Allawi während dessen Staatsbesuchs am Freitag unterstützt haben - ist wieder auf freiem Fuß. Gegen ihn bestehe kein dringender Tatverdacht mehr, teilte die Bundesanwaltschaft am Sonntag in Karlsruhe mit.

Die Iraker - sie waren am Freitag festgenommen worden - sollen der islamistischen Terrorgruppe Ansar el Islam angehören. Im Einzelnen erließ der Bundesgerichtshof Haftbefehl gegen den in Berlin festgenommenen 30-jährigen Rafek Y. sowie gegen den in Stuttgart aufgegriffenen 31 Jahre alten Ata R.. Auch ein 22-jähriger Iraker, der in Augsburg festgenommen worden war, muss in Haft. Der am Samstag in Berlin festgenommene Libanese sei dagegen nach einer mehrstündigen Vernehmung in der Nacht zum Sonntag wieder freigelassen worden, teilte die Bundesanwaltschaft mit.

Der Anwalt von Ata R. wies die Anschuldigungen der Karlsruher Ermittler zurück: "Mein Mandant war an keiner Vorbereitung eines Anschlages auf den irakischen Ministerpräsidenten während dessen Berlin-Aufenthalts beteiligt", sagte Roland Kugler am Sonntag in Stuttgart. Die Bundesanwaltschaft habe im übrigen bislang weder mitgeteilt, "auf welche Erkenntnisse die Vorwürfe im Einzelnen beruhen, noch welche Beweismittel für die Beantragung eines Haftbefehls ausschlaggebend waren".

Kugler betonte, soweit der Verteidigung "bekannt ist, wurde der Haftbefehlsantrag der Bundesanwaltschaft nicht auf die Vorbereitung eines Anschlags, sondern nur auf den Verdacht der Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung gestützt".

Der geistliche Führer der Terrorgruppe Ansar el Islam, Mullah Krekar, ist unterdessen norwegischen Medienberichten zufolge in Oslo von deutschen Polizisten vernommen worden. Ansar-Gründer Krekar, der Ata R. laut einem "Spiegel"-Bericht kennt, habe vergangene Woche in Oslo vor Gericht ausgesagt, berichtete der norwegische Rundfunk NRK am Sonntag unter Berufung auf dessen Anwalt. Einzelheiten dürften nicht bekannt gegeben werden, sagte Anwalt Brynjar Meling dem Sender. Er betonte, die deutschen Behörden interessierten sich für allgemeine Informationen über Ansar el Islam und Krekar.

Laut einem "Spiegel"-Bericht fand die Polizei bei Krekars Festnahme in Oslo 2003 die Telefonnummer von Ata R., gegen den bereits seit 2003 ermittelt werde. Das Landeskriminalamt in Stuttgart verdächtige den 31-Jährigen unter anderem der Schleusung. Er soll auch Ansar-Chef von Baden-Württemberg sein. Laut "Focus" steht er zudem in Kontakt zu dem in Italien verhafteten mutmaßlichen Ansar- Mitglied Mohamed Tahir Hamid. Hamid, der nach eigenen Angaben Rekruten für Selbstmordattentate im Irak geworben hatte, habe Ata R. in einem Telefonat als Adressat eines Geldtransfers genannt.

Der Sprecher von Generalbundesanwalt Kay Nehm sagte, bei den Razzien sei nichts gefunden worden, was Rückschlüsse auf eine bestimmte Anschlagsart zuließe. Die "Berliner Morgenpost" hatte berichtet, das Attentat sollte mit einem Molotow-Cocktail verübt werden. Nach dpa-Informationen halten Sicherheitskreise dies für sehr unwahrscheinlich.

Nach "Spiegel"-Informationen haben die Iraker in ersten Vernehmungen in Karlsruhe alle Vorwürfe abgestritten. Die Männer haben laut "Focus" die geplante Route Allawis bei seinem Staatsbesuch in Berlin ausgekundschaftet. Die Polizei habe den in Berlin-Neukölln lebenden Rafek Y. observiert, als dieser Besuchsstationen ausspähte. Dabei sei er auch nahe des Kanzleramts gesehen worden.

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