Ermittlungen beim US-Telekomkonzern Qwest
Neue Sorgen belasten die Wall Street

Die Ermittlungen beim US-Telekomkonzern Qwest haben am Mittwoch Sorgen der Anleger um Bilanzierungspraktiken von US-Unternehmen verstärkt und die Kurse an den Aktienmärkten deutlich ins Minus gedrückt. Die Anleger müssten sich außerdem auf eine veränderte Zusammensetzung des S&P-500-Index einstellen, sagten Händler.

Reuters NEW YORK. Der Dow-Jones-Index beendete den Handel 3,11 Prozent schwächer mit 8813,50 Punkten. Der Nasdaq-Index verlor 2,54 Prozent auf 1346,02 Zähler und schloss damit auf dem tiefsten Stand seit Mai 1997. Der breiter gefasste S&P-Index büßte 3,40 Prozent auf 920,47 Punkte ein, dem niedrigsten Stand seit Oktober 1997.

Das finanziell angeschlagene US-Telekomunternehmen Qwest Communications International hatte mitgeteilt, die US-Staatsanwaltschaft in Denver habe strafrechtliche Ermittlungen gegen Qwest aufgenommen. Den Gegenstand der Ermittlungen habe die Staatsanwaltschaft aber nicht präzisiert. Die Aktien brachen in der Spitze um rund 41 Prozent ein und schlossen rund 32 Prozent schwächer auf 1,77 Dollar.

Deutlicher Vertrauensverlust

"Es gibt keine Käufer, und das steht für einen deutlichen Vertrauensverlust in die US-Unternehmen", sagte Gary Wedbush, Leiter Handel bei Wedbush Morgan in Los Angeles. "Die Qwest-Nachrichten sind nur eine weitere Mahnung in einer ganzen Reihe von Mahnungen." Paul Cherney, Marktanalyst bei S&P Marketscope fügte hinzu: "Die Leute machen sich Sorgen, dass immer noch mehr kommt. Sie setzen auf fundamentale Daten, um herauszufinden, wo sie ihr Geld anlegen sollen, aber niemand kann sich mehr auf etwas verlassen."

Belastend war nach Händlerangaben auch die Nachricht, dass eine Anti-Korruptions-Initiative US-Vizepräsident Dick Cheney sowie das früher von ihm geleitete Maschinenbau-Unternehmen Halliburton wegen angeblicher Bilanzfälschung auf Schadenersatz in Millionenhöhe verklagt habe. Die Stiftung "Judicial Watch" reichte nach eigenen Angaben eine entsprechende Klage gegen Cheney, den Konzern und den Halliburton-Bilanzprüfer Andersen ein. Halliburton-Aktien verloren rund vier Prozent auf 13,55 Dollar.

Börsen reagieren auf Neuordnung des S&P-500-Index

Neben einigen uneinheitlichen Unternehmensprognosen wirke sich für einzelne Werte auch die veränderte Zusammensetzung des S&P-500-Index aus, sagten Börsianer. Die Aktien, die neu in einen Index aufgenommen werden, legen erfahrungsgemäß zu, da sich die Manager der Index-Fonds mit diesen Titeln eindecken. Die Veränderungen werden jedoch erst später in diesem Monat wirksam. Gleichzeitig belasten die Kursverluste der Aktien den Markt, die den Index verlassen, wie unter anderem Royal Dutch Petroleum, die rund 9,2 Prozent auf 50,73 Dollar nachgaben.

Standard & Poor's hatte nach US-Börsenschluss am Dienstag mitgeteilt, sieben ausländische Unternehmen würden aus dem Index entfernt. Dafür sollten Unternehmen wie unter anderem Goldman Sachs, Prudential Finance und die Aktie des Internet-Auktionshauses Ebay, in den Index aufgenommen werden, um die Gewichtung der US-Werte zu erhöhen. Die Änderungen sollten ab Handelsschluss am 19. Juli gelten. Ebay-Aktien verteuerten sich um rund 3,1 Prozent auf 58,83 Dollar. Die Titel von Goldman Sachs stiegen um 0,9 Prozent auf 71,55 Dollar, und der Aktienkurs von Prudential Finance kletterte um 0,9 Prozent auf 30,59 Dollar. UPS-Aktien legten um rund 4,1 Prozent auf 63,25 Dollar zu, nachdem der Paketdienst seine Ertragsprognosen bekräftigt hatte und ebenfalls in den S&P-500 aufrücken soll.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 1,79 Milliarden Aktien den Besitzer. 798 Werte legten zu, 2427 gaben nach und 160 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 1,82 Milliarden Aktien 1106 im Plus, 2329 im Minus und 269 unverändert.

An den US-Kreditmärkten stiegen die zehnjährigen Staatsanleihen um 26/32 auf 101-3/32. Sie rentierten mit 4,622 Prozent. Die 30-jährigen Bonds kletterten 35/32 auf 100-16/32 und hatten eine Rendite von 5,34 Prozent.

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