Ermittlungen der US-Aufsichtsbehörden wegen Vorteilnahme
Frank Quattrone: Topbanker im Zwielicht

Als Starinvestmentbanker bei Credit Suisse hat Frank Quattrone ein Vermögen verdient. Aber er wollte mehr - und kassierte ab, indem er sich und seinen Leuten vor Börsengängen fette Aktienpakete sicherte.

NEW YORK. Frank Quattrone liebt Luxus. Wenn der Investmentbanker zum jährlichen Arbeitstreffen seiner Abteilung nach Phoenix lud, kredenzte er seinen Lieblingswein Chateau d'Yquem, die Flasche zu 400 Dollar. Seine Klienten, Risikokapitalgeber und Firmengründer, verwöhnte er mit regelmäßigen Ski-Wochenenden im noblen Aspen - alles auf Kosten der Firma. Derlei Vergnügungen seien in dem Geschäft üblich, heißt es dazu lakonisch bei seinem Arbeitgeber, der Investmentbank Credit Suisse First Boston (CSFB).

Während des High-Tech-Fiebers hat Star-Banker Frank Quattrone in der Akquisition von Kunden neue Maßstäbe gesetzt und CSFB zu einer der führenden Adressen im internationalen Investmentbanking gemacht. Dafür ließ er sich auch fürstlich honorieren. Ehemalige Kollegen schätzen, dass der 45-Jährige bis zu 100 Millionen Dollar Gehalt pro Jahr kassiert hat.

US-Aufsichtsbehörden ermitteln wegen Vorteilnahme

Derzeit aber redet die Bank nicht mehr gerne über ihren Vorzeigemitarbeiter. Die US-Aufsichtsbehörden ermitteln nämlich gegen mehrere Mitarbeiter seiner Truppe wegen rechtswidriger Vorteilnahme bei der Betreuung von Börsengängen. Den Bankern wird vorgeworfen, im Vorfeld von Börsengängen Fondsmanagern größere Mengen der neuen Aktien zum Ausgabekurs zugeschanzt zu haben und dafür Sonder-Provisionen kassiert zu haben. Den betreuten Firmen sollen die Banker im Gegenzug versprochen haben, später größere Mengen Aktien zu einem höheren Preis nachzukaufen. Die Börsengänge waren zu der Zeit eine sichere Geldmaschine. Die Kungeleien der Banker ließen Privat-Investoren bei der Zuteilung der neuen Aktien zum Ausgabepreis leer ausgehen.

Aber jetzt hat der Wertpapierhändler-Verband NASD empfohlen, gegen mehrere Spitzenmanager aus Quattrones Abteilung zu ermitteln. Nach Informationen des Wall Street Journal sind es Chefhändler George Coleman, der für institutionelle Kunden zuständige Händler Thomas Fusco und der Chef des Privatkunden-Geschäfts, Andrew Benjamin. Zuvor hatte die Investmentbank bereits den Chefbroker für High-Tech-Aktien, John Schmidt und zwei seiner Mitarbeiter beurlaubt. Ähnliche Ermittlungen laufen auch gegen andere Wall-Street-Firmen. So haben sich die Wertpapier-Aufsichtsbehörde SEC und das Washingtoner Justizministerium auch Aufzeichnungen der Investmentbanken Morgan Stanley Dean Witter, J.P. Morgan Chase und Goldman Sachs vorlegen lassen.

Gegen Quattrone selbst wird bislang nicht ermittelt

CSFB-Star Frank Quattrone selbst ist bisher nicht im Schussfeuer der Behörden. Doch es ist bekannt, dass er seine Abteilung fest im Griff hatte. Quattrone, der von 1996 bis 1998 auch bei der Deutschen Bank ein Gastspiel gegeben hatte, besitzt sämtliche Eigenschaften, die von einem Topmann der Wall Street verlangt werden: Er ist aggressiv, profitorientiert, hochintelligent und besitzt intensive Kontakte zu jungen High-Tech-Unternehmern und ihren Geldgebern.

Quattrones Beziehungsnetz scheint in der Branche einmalig zu sein. Während der Studienzeit an der Elite-Universität Stanford besuchte er einen Kurs des Apple Computer Mitgründers Steven Jobs. Er schloss Freundschaft mit Klassenkameraden wie Steven Ballmer, dem heutigen Vorstandschef von Microsoft, oder heutigen Risikokapitalgebern wie William Elmore von Foundation Capital und Michael Levinthal von Mayfield Capital.

Als junger Banker bei der Investmentbank Morgan Stanley setzte er schnell auf das Kapital seines an der Universität geschaffenen Netzes. Er gründete einen Firmenableger im Silicon Valley, das damals von den großen Wall - Street-Firmen noch weitgehend ignoriert wurde. In seinen kitschigen Golf- und Ski-Pullovern setzte er sich auch sonst von der New Yorker Nadelstreifen-Gesellschaft ab.

Quattrone forderte mehr Unabhängigkeit

Obwohl Quattrone in seiner Nische weitgehend freie Hand hatte, forderte er von seinem damaligen Arbeitgeber Morgan Stanley mehr Unabhängigkeit. Er verlangte beispielsweise direkten Einfluss auf die Arbeit der Wertpapieranalysten. Obwohl er ihnen bei Morgan Stanley nicht in die Notenvergabe diktieren durfte, schaffte er es immerhin gelegentlich, Analysten zur Neubewertung eines von Quattrone betreuten Unternehmens zu bewegen.

Erst mit dem Wechsel zur Deutschen Bank im Jahr bekam er völlig freie Hand über seine Truppe. Die Gehälter von rund zehn Millionen Dollar pro Jahr sorgten damals bei der Zentrale in Frankfurt für Wirbel, nach zwei Jahren wurden der Deutschen Bank die neuen Stars zu teuer. Quattrone wechselte mit seinen Leuten zu Credit Suisse First Boston, pünktlich zum Start des kometenhaften Booms junger High-Tech-Aktien. Im Spekulationsfieber zog Quattrones Truppe im kalifornischen Palo Alto für sich und die Bank alle Register. Freizügig vermittelten die CSFB-Banker zum Beispiel frühzeitig Aktien an Wagniskapital-Firmen, die ihnen im Gegenzug neue Klienten für das Konsortialgeschäft vermittelten.

Die Grenzen zwischen Dienst am Klienten und persönlichem Profit verwischten schnell. Gemauschelt wurde offenbar nicht nur bei der Vergabe neuer Aktien. Quattrone und seine beiden Mitarbeiter George Boutros und William Brady bewegten sich auch mit ihrem eigenen Venture-Capital-Fonds QBB in einer Grauzone. Über diesen Fonds kauften die Banker Anteile junger Firmen, die sie später für CSFB an die Börse brachten. Offenbar nur ein Fall unter vielen ist der Börsengang des Hightech-Unternehmens Interwoven: Im Frühjahr 1999 erwarb der Fonds Anteile der Firma zum Preis von 5,66 Dollar je Aktie. Vier Monate später brachte Quattrones Team das Unternehmen zum Kurs von 17 Dollar pro Aktie an die Börse. Im Oktober 2000 verkauften die Banker ihre Anteile - kurz bevor das Papier seinen Höchststand erreichte. Aus 126 000 Anfangsinvestition wurden so zwei Millionen Dollar.

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