Ermittlungen des Bundeskriminalamtes
Hamburg: Komplize eines Todespiloten verhaftet

Erstmals nach den Terroranschlägen in den USA ist den Fahndern in Hamburg ein mutmaßlicher Komplize der Todespiloten ins Netz gegangen. Der 27 Jahre alte marokkanische Student Mounir El Motassadek wurde unter dem dringenden Verdacht verhaftet, die Attentäter direkt unterstützt zu haben.

dpa KARLSRUHE. Nach den bisherigen Ermittlungen der Bundesanwaltschaft hatte er mehrere Jahre lang intensive Kontakte zu den Selbstmordattentätern Mohammed Atta, Marwan Alshehhi und Siad Jarrah sowie zu drei anderen Helfern, die per Haftbefehl gesucht werden. Motassadek werde vorgeworfen, eine terroristische Vereinigung unterstützt zu haben, teilte Generalbundesanwalt Kay Nehm am Mittwoch in Karlsruhe mit.

Atta, Alshehhi und Jarrah sollen die ins World Trade Center und auf ein Feld bei Pittsburg gestürzten Maschinen gesteuert haben. Die Terrorgruppe hatte längere Zeit in Hamburg gelebt. Mit Atta, dem mutmaßlichen Kopf der "Hamburger Gruppe", soll Motassadek eng befreundet gewesen sein. Nach einem Bericht des Hamburger Magazins "Stern" unterschrieb Motassadek 1996 als Zeuge Attas Testament.

Der Marokkaner hat nach Erkenntnissen der Ermittler bei einer Bank in Hamburg ein Girokonto von Alshehhi verwaltet, auf das von Mai bis November 2000 regelmäßig größere Geldbeträge eingegangen seien. Nach bisherigen Erkenntnissen seien damit die Mitglieder der Terrorgruppe finanziell ausgestattet worden. Unter anderem seien Alshehhis USA- Aufenthalt und sein dortiger Flugunterricht von diesem Konto bezahlt worden. Laut "Stern" soll der Marokkaner zudem im Mai des vergangenen Jahres 2100 DM an Atta überwiesen und vier Monate später 5000 DM auf das Konto des flüchtigen Jemeniten Ramzi Binalshibh eingezahlt haben.

Wegen dieser engen persönlichen und finanziellen Verflechtungen stehe der 27-jährige Marokkaner in dem dringenden Verdacht, die Terrorgruppe durch logistische Maßnahmen unterstützt zu haben. Der Ermittlungsrichter beim Bundesgerichtshof hat am Dienstag einen Haftbefehl erlassen, am Donnerstag soll der 27-Jährige in Karlsruhe vernommen werden.

Die Bundesanwaltschaft fahndet seit Wochen nach dem 29 Jahre alten Binalshibh, dem 26 Jahre alten Deutschen marokkanischer Herkunft Said Bahaji und dem 24 Jahre alten Marokkaner Zakariya Essabar. Gegen sie war Haftbefehl unter anderem wegen mehrtausendfachen Mordes und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung erlassen worden. Sie sollen zusammen mit den identifizierten Attentätern der "Hamburger Gruppe" die Anschläge mitgeplant und vorbereitet haben.

Motassadek, der seit Jahren in Hamburg gelebt habe, stand nach Erkenntnissen der Ermittler mit allen sechs in engem Kontakt und hielt sich häufig in der Wohnung in der Marienstraße 54 in Hamburg- Harburg auf, in der Atta, Bahaji, Binalshibh und Essabar gemeldet waren. Motassadek hatte unbestätigten Berichten zufolge zeitweise eine Wohnung in der Nähe der Marienstraße.

Der verheiratete Motassadek, der erst vor kurzem Vater geworden ist, lebt seit etwa sechs Jahren in Hamburg-Harburg und studierte Elektrotechnik. Die Bundesanwaltschaft bestätigte zudem, dass der 27- Jährige am 15. Mai mit einer Studiengruppe der Technischen Universität Hamburg-Harburg das Atomkraftwerk Stade besucht habe. Die Studenten sahen dabei einen Informationsfilm, sprachen mit Mitarbeitern und besichtigten die Schaltzentrale des Meilers.

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