Ermittlungen gegen Balli
WestLB übernimmt Mehrheit bei Klöckner & Co.

Der Duisburger Stahlhändler Klöckner & Co AG (Klöco) bekommt den dritten Eigentümer in eineinhalb Jahren: Die WestLB AG hat gestern das Aktienpaket der britisch-iranischen Balli-Gruppe übernommen. Balli hatte im Oktober 2001 die Klöco-Anteile vom Düsseldorfer Eon-Konzern gekauft. Klöcos Zukunft bleibt aber auch dem Einstieg der Bank ungewiss. Die WestLB wird auf Dauer nicht an ihrem Engagement festhalten.

jh DÜSSELDORF. Zwischen der WestLB und der in der London ansässigen Stahlhandelsgruppe Balli herrscht schon lange Streit. Im Herbst 2001 hatte sich Balli bei der Bank 200 Mill. Euro geborgt, um den Kauf der Klöco-Anteile von Eon zu finanzieren. 286 Mill. Euro in bar musste Balli damals berappen, zusätzlich übernahm der neue Eigentümer Bankschulden und Pensionsverpflichtungen von rund 800 Mill. Euro. Doch schon bald kam Balli seinen finanziellen Verpflichtungen nicht mehr nach. Mit dem Kauf der fast doppelt so großen Klöco (Umsatz 4 Mrd. Euro, 10 500 Mitarbeiter) hatte sich Balli offenbar übernommen. Die hinter Balli stehende iranische Familie Alaghband soll dem Klöco-Vermögen 120 Mill. Euro entzogen haben, um den Kauf überhaupt finanzieren zu können. Die Staatsanwälte ermitteln seit einem Jahr wegen schweren Betrugs und schwerer Untreue gegen Mitglieder der Familie Alaghband und ehemalige Klöco-Vorstände.

Anfang 2002 übertrug die WestLB, die das Aktienpaket Ballis (94,5 %) als Sicherheit für ihren Kredit verpfändet hatte, die Klöco-Aktien an einen einen Treuhänder. In diesem Januar drohte sie dann mit einer Zwangsversteigerung der Anteile. Nach einigen juristischen Scharmützeln räumte die WestLB Balli schließlich eine letzte Frist ein, einen Kaufinteressenten für die Klöco-Anteile zu finden. Diese Frist ist gestern abgelaufen. Die WestLB, bereits mit 5,5 an Klöco beteiligt, stockt ihren Anteil auf 94,9 % auf. 5,1 % der Aktien reichen die Düsseldorfer an die Hamburgische Landesbank weiter, den Juniorpartner bei der Kreditvergabe an Balli.

Ein Sprecher der WestLB sagte, die Bank werde Klöco als Finanzinvestor so lange begleiten, bis ein strategischer Partner gefunden sei. Derzeit zeigt aber kein Stahlhersteller Interesse an einem Einstieg, heißt es in Branchenkreisen. Vor allem der hohe Schuldenberg Klöcos erschwere die Verkaufsverhandlungen, mutmaßt ein Insider. So lange der frühere Eigentümer Eon mit seiner untadeligen Bonität für die Verbindlichkeiten Klöcos gerade stand, war das kein Problem, heißt es. Dem Düsseldorfer Unternehmensberater Walter Droege kann dies nur recht sein. Seine Beteiligungsfirma DIC fungierte bislang als Treuhänder für Ballis Klöco-Aktien, Droege ist Aufsichtsratschef des Stahlhändlers, zwei seiner Kollegen sitzen im Vorstand und etliche seiner Berater sanieren das Unternehmen. Schon mehrfach hat Walter Droege signalisiert, Klöco übernehme zu wollen.

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