Ermittlungen gegen weitere 500 Klinikärzte
Computer und Luxusreisen für Mediziner

Die Staatsanwaltschaft München I ermittelt im bundesweiten Bestechungsskandal gegen weitaus mehr Klinikärzte, als bisher bekannt war. Wegen des Verdachts der Vorteilsannahme kündigte sie am Montag Ermittlungsverfahren gegen rund 500 weitere Mediziner an.

dpa MÜNCHEN. Bisher waren schon Verfahren gegen rund 3500 Klinikärzte eingeleitet worden. Davon seien inzwischen aber 2200 unter anderem wegen Geringfügigkeit eingestellt worden. Die Ermittlungen wegen der Zuwendungen im Wert von 50 bis 25 000 Euro laufen seit Oktober 1999.

Die Mediziner sollen für die Verwendung bestimmter Medikamente von dem Münchner Pharmakonzern SmithKline Beecham vor allem Unterhaltungsreisen angenommen haben - etwa zu Formel-1-Rennen oder zum Endspiel der Fußball-WM in Paris. Den Angaben zufolge übernahm der Konzern zum Teil auch die Kosten für Begleitpersonen. Allein in München seien 23 Krankenhäuser betroffen.

2200 Ermittlungsverfahren wurden eingestellt, weil Zuwendungen bis maximal 1000 DM (511 Euro) als Geringfügigkeit eingestuft wurden oder weil es sich bei Zuwendungen bis 100 DM (51 Euro) tatsächlich nur um Werbegeschenke gehandelt habe. In den verbleibenden Fällen bewegen sich die Zuwendungen den Angaben zufolge im Wesentlichen im Bereich von mehreren 1000 DM, in Einzelfällen zwischen 10 000 und 50 000 DM (5112 und 25 564 Euro).

Der Konzern bezahlte den Ermittlungen zufolge auch Veranstaltungen oder vergütete Beraterleistungen oder Anwendungsbeobachtungen, bei denen der Verdacht besteht, dass keine entsprechende Gegenleistung erfolgte. Daneben gab es Sachzuwendungen von Büchern bis hin zur PC- Ausrüstung. Rund 100 Verfahren wurden bundesweit bereits an die zuständigen Staatsanwaltschaften abgegeben. Die Münchner Behörde hat gegen rund 380 Außendienstmitarbeiter des Konzerns Ermittlungsverfahren wegen Vorteilsgewährung und anderem eingeleitet.

Die Pharmagruppe Glaxo Smith Kline, die im Dezember 2000 aus der Fusion der SmithKline Beecham Gruppe und Glaxo Wellcome hervorging, erklärte am Montag, dass sie großen Wert auf eine Aufklärung lege. Man habe der Staatsanwaltschaft bereits in der Vergangenheit Unterstützung angeboten, teilte das Unternehmen mit. Die fraglichen Vorgänge beträfen den Zeitraum vor der Fusion. Danach sei das Unternehmen neu strukturiert worden, viele Stellen seien neu besetzt worden. Ebenso hätten sich die Verantwortlichkeiten geändert.

Für den ehemaligen Präsidenten der Berliner Ärztekammer, Ellis Huber, kommt der Bestechungsskandal der Ärzte nicht überraschend. Dass sich in der Pharmaindustrie ein Bestechungsmarketing breitgemacht habe, dürfe nicht verwundern, sagte Huber im NordwestRadio. Er habe bereits früher darauf hingewiesen, dass ein großer Teil der Ärzte sich als Agenten der Pharmaindustrie einspannen ließen. Nötig sei eine völlig neue Transparenz im Gesundheitswesen.

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