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Ermittlungen nach Misshandlung bei Bundeswehr

Folter-Vorwürfe gegen Bundeswehr- Soldaten haben die Staatsanwaltschaft auf den Plan gerufen. Die Anklagebehörde in Münster ermittelt gegen 18 Soldaten einer in westfälischen Coesfeld stationierten Kompanie wegen Misshandlung und der entwürdigenden Behandlung von Untergebenen.

dpa MÜNSTER. Folter-Vorwürfe gegen Bundeswehr - Soldaten haben die Staatsanwaltschaft auf den Plan gerufen. Die Anklagebehörde in Münster ermittelt gegen 18 Soldaten einer in westfälischen Coesfeld stationierten Kompanie wegen Misshandlung und der entwürdigenden Behandlung von Untergebenen.

Der Hauptmann und die 17 Unteroffiziere seien umgehend suspendiert worden und dürften keine Uniformen mehr tragen, sagte ein Sprecher des Heeresführungskommandos in Koblenz der dpa. Die Vorfälle wurden bereits am 11. November bekannt gemacht. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Münster vom Sonntag sollen 70 bis 80 Soldaten betroffen sein.

Laut Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" sollen die Ausbilder zwischen Juni und September dieses Jahres vier mal mit Rekruten zum Abschluss der Grundausbildung ein grausames Spiel gespielt haben - eine so genannte Geiselbefragung.

"Wir haben sofort gehandelt, weil es so etwas in der Bundeswehr nicht geben darf", sagte der Bundeswehr-Sprecher. Die Soldaten selbst hätten sich nicht beschwert, vielmehr habe ein Vorgesetzter davon erfahren und die Vorfälle angezeigt. Parallel zu den Ermittlungen gebe es ein Disziplinarverfahren bei der Bundeswehr gegen die Beschuldigten.

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Münster seien noch "ganz am Anfang", sagte Staatsanwalt Wolfgang Schweer der dpa in Münster. Mit einem Abschluss sei in diesem Jahr nicht mehr zu rechnen. Viele der von den Vorfällen betroffenen Soldaten seien mittlerweile auf Bundeswehr-Standorte in ganz Deutschland verstreut. Andauernde körperliche Schäden habe jedoch nach den derzeitigen Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft keines der Opfer davongetragen.

Den Beschuldigten werde vorgeworfen, während Nachtmärschen ihnen unterstellte Soldaten überfallen und gegen ihren Willen in Geiselhaft genommen zu haben, teilte das Heereskommando mit. Die Ausbilder sollen Anfang Juni und Ende August die zwei Überfälle verübt haben. Mit den Überfällen und der anschließenden Vernehmung habe angeblich das Verhalten im Fall von Geiselhaft trainiert werden sollen. Die fingierte Geiselhaft sei jedoch im Ausbildungsplan nicht vorgesehen und somit vorschriftswidrig. Details des "Spiegel-Berichts" bestätigte der Bundeswehr-Sprecher nicht.

Die jungen Soldaten wurden laut "Spiegel" in einen Hinterhalt gelockt, überfallen, mit Kabelbinder gefesselt und auf einem Lastwagen - über die Köpfe graue Stiefelbeutel gestülpt - in die Kaserne gekarrt. Dort hätten sie kniend vor einer Wand verharren müssen und seien mit Wasser bespritzt worden. Zwei Soldaten sollen mit Stromstößen "im Hals-, Leisten- und Bauchbereich" gequält worden sein. Die Ermittler haben auch Hinweise darauf, dass die Exzesse gefilmt und fotografiert wurden. Computer und andere Datenträger wurden beschlagnahmt, die Auswertung läuft. Das Wehrstrafgesetz sieht für die Delikte Haftstrafen bis zu fünf Jahren vor.

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