Ermittlungen nach Ostseeunglück
Verletzte Soldaten auf dem Weg nach Köln

Die bei der Entschärfung von Flugabwehr- Raketen in Kabul teilweise schwer verletzten deutschen und dänischen Soldaten waren am Donnerstagvormittag auf dem Luftweg nach Köln.

dpa KABUL/BERLIN. Die nach der folgenschweren Explosion von zwei Flugabwehrraketen in Kabul teilweise schwer verletzten deutschen und dänischen Soldaten sind außer Lebensgefahr. Sie wurden am Donnerstagabend auf dem Flughafen Köln-Wahn erwartet. Von dort sollen die deutschen Soldaten mit Helikoptern in das Bundeswehr-Krankenhaus nach Koblenz und andere Krankenhäuser verlegt werden. Die dänischen Soldaten werden mit einem Bundeswehrflugzeug in ihre Heimat gebracht.

Unterdessen gingen in Kabul, Berlin und Kopenhagen die Ermittlungen nach der Explosion von zwei mehr als 30 Jahre alten russischen Flugabwehr-Raketen weiter, bei der am Mittwoch zwei deutsche und drei dänischen Soldaten der internationalen Schutztruppe (ISAF) getötet worden waren. Eine deutsch-dänische Untersuchungskommission wird an diesem Freitag in Kabul ihre Arbeit aufnehmen. Die Bundeswehrspitze hatte am Donnerstag zunächst nur bruchstückhafte Erkenntnisse über die genaue Unglücksursache.

Mit der Anhörung von Augenzeugen versucht die Bundeswehr ferner den tödlichen Unfall während des NATO-Manövers «Strong Resolve 2002» aufzuklären, bei dem ebenfalls am Mittwoch zwei Marinesoldaten in der Ostsee vor Polen an Unterkühlung starben. Sie waren nach dem Kentern eines Beibootes, das sie von einer britischen zu einer deutschen Fregatte bringen sollte, in die drei Grad kalte Ostsee gefallen.

Wie Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) und Bundeswehr - Generalinspekteur Harald Kujat in Berlin mitteilten, sind keine Umstände bekannt, warum die Explosion erfolgte. Der Unfall habe aber «auf entsetzliche Weise die Risiken eines jeden militärischen Einsatzes» bestätigt. Kujat hob hervor, dass das Unglück nichts mit mangelnder Fachkompetenz der Soldaten zu tun gehabt habe. Nach den bisherigen Erkenntnissen ereignete sich das Unglück, als die beiden Raketen zur Sprengung vorbereitet wurden und sich die daran beteiligten Soldaten in unmittelbarer Nähe befanden.

«Es ist sauber, ordentlich und professionell gearbeitet worden», wiederholte Kujat mehrfach. Es habe sich um ein «technisches Problem» gehandelt. Der bisherige Wissensstand beruhe aber ausschließlich auf Zeugenaussagen. Die bei dem Unfall verletzten Soldaten seien allerdings noch nicht befragt worden. Es sei auch nicht das erste Mal gewesen, dass die Bundeswehr mit russischen SA 3-Boden-Luft-Raketen zu tun gehabt habe. Wie Luftwaffengeneral Kujat erläuterte, werde üblicherweise bei den Raketen zunächst der Sprengkopf entfernt, danach der Sprengstoff entnommen und als letzter Arbeitsgang würden die Triebwerke gesprengt.

Scharping sagte, die Bundeswehrsoldaten würden in Krankenhäuser verlegt, die von Ärzten für sinnvoll gehalten würden. Die betroffenen Soldaten haben teilweise erhebliche Splitterverletzungen. Alle, auch die Schwerverletzten, befänden sich inzwischen aber in einem «stabilen, jetzt nicht mehr lebensgefährdeten Zustand», sagte Scharping. Voraussichtlich an diesem Freitag sollen die beiden toten Soldaten nach Deutschland gebracht werden. Der Minister teilte mit, dass die Kollegen der in Kabul getöteten Soldaten zu Beisetzung nach Deutschland reisen dürften.

Wie der niedersächsische Innenminister Heiner Bartling (SPD) in Hannover bestätigte, gehörten die beiden toten Soldaten - beide im Rang eines Oberfeldwebel - aus der Kampfmittelbeseitigungskompanie in Munster (Niedersachsen). Nach dpa-Informationen wurden sie 1972 und 1974 geboren. Beide seien unverheiratet und kinderlos, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur in Hannover. Ihre Heimatstandorte seien Delbrück-Bentfeld bei Paderborn in Nordrhein-Westfalen und Eckernförde in Schleswig-Holstein, hieß es.

An Bord der Maschine befanden sich insgesamt fünf deutsche und drei dänische Soldaten. Zunächst war von sechs Bundeswehr-Angehörigen berichtet worden. Die deutschen Soldaten waren zuletzt in Varel und Oldenburg stationiert, sagte Bartling.

In Kopenhagen haben führende Medien scharfe Kritik an der Informationspolitik der eigenen Militärdienststellen geübt. In einem Leitartikel der Zeitung «Politiken» hieß es am Donnerstag: «Bezeichnend für die unzeitgemäße Information der Öffentlichkeit durch das Oberkommando der Streitkräfte war, dass die Angaben über dänische Verluste vom deutschen Verteidigungsministerium und erst viel später von eigenen Quellen kamen.»

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