Ermittlungen wegen Körperverletzung im Amt
Angeklagte Polizisten brechen Schweigen

Im Kölner Polizeiskandal um den Tod eines 31-Jährigen haben erstmals zwei der beschuldigten Beamten ihr Schweigen gebrochen. Der Funker der betroffenen Polizeiwache soll zugegeben haben, das am Boden liegende Opfer ins Gesicht geschlagen zu haben.

wiwo/AP KÖLN. Die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Regine Appenrodt, bestätigte am Donnerstag, dass der Wachdienstführer und der Funker der betroffenen Polizeiwache Aussagen über ihre Anwälte gemacht hätten. Dabei habe der Funker zugegeben, das am Boden liegende Opfer ins Gesicht geschlagen zu haben. Der Beamte habe sich auf Notwehr berufen.

Der 31-jährige Stephan N. war am 11. Mai festgenommen worden, weil er in seiner Wohnung randalierte. Zeugenaussagen zufolge soll er auf der Polizeiwache Eigelstein von fünf Beamten schwer misshandelt worden sein. Ein sechster Polizisten habe einfach nur zugesehen. Stephan N. wurde im Anschluss ins Krankenhaus gebracht, wo er ins Koma fiel. 13 Tage später starb er an einem Blutschwamm im Gehirn (Hirnödem). Ärzte stellten an seinem Kopf einen Bluterguss in Form einer Schuhsohlenabdruckes fest. Die sechs an dem Vorfall beteiligten Beamten wurden daraufhin vom Dienst suspendiert, zwei von ihnen wurden vorübergehend verhaftet.

Appenrodt zufolge sagte der Funker aus, er habe dem Opfer aus Notwehr mit der Hand auf das Jochbein geschlagen. Stephan N. habe mit angezogenen Beinen am Boden gelegen und habe bereits einmal einem Polizisten einen Tritt versetzt. Auf das unter dem Auge gelegene Jochbein habe er gezielt, weil hier ein Schlag besonders schmerzhaft, aber ungefährlich sei. Der Wachdienstleiter sagte demnach aus, er sei an keiner Misshandlung beteiligt gewesen und habe auch nichts gesehen.

Gegen die sechs wird derzeit wegen Körperverletzung im Amt ermittelt. Appenrodt betonte, dass erst ein gerichtsmedizinisches Gutachten klären soll, ob die Verletzungen des 31-Jährigen zu dessen Tod geführt hätten. Mit einem Ergebnis werde erst in mehreren Wochen gerechnet.

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