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'Ermüdungseffekt' beim Prozessauftakt gegen Initiator des Dreiländerfonds Fink

Der Prozess gegen den Initiator des Dreiländerfonds, Walter Fink, wegen Untreue in Millionenhöhe ist durch die Abarbeitung von Formalien am Mittwoch schleppend gestartet. Die Staatsanwälte verlasen neben der Anklageschrift die Namen von mehr als 2000 geschädigten Fondsanlegern.

dpa-afx STUTTGART. Der Prozess gegen den Initiator des Dreiländerfonds, Walter Fink, wegen Untreue in Millionenhöhe ist durch die Abarbeitung von Formalien am Mittwoch schleppend gestartet. Die Staatsanwälte verlasen neben der Anklageschrift die Namen von mehr als 2000 geschädigten Fondsanlegern. Die Vorsitzende Richterin des Stuttgarter Landgerichts sprach nach mehreren Stunden von einem "Ermüdungseffekt".

Fink wird vorgeworfen, er habe sich als Geschäftsführer der Kapital Consult (KC Holding Gmbh) im Jahr 1996 in 33 Fällen für die Vermittlung von Bankkrediten unberechtigt Gebühren auszahlen lassen. Die Banken hätten die Gelder für die Kredite nämlich zum Zeitpunkt der Auszahlung noch gar nicht zur Verfügung gestellt. Der Schaden soll rund 1,7 Mill. Euro betragen. Mitangeklagt ist ein Steuerberater aus München. Der 58-Jährige soll die Auszahlung der streitigen Kreditbeschaffungsgebühren veranlasst haben.

Fink hatte im Vorfeld der Verhandlung die Vorwürfe gegen ihn stets bestritten. Den "Stuttgarter Nachrichten" sagte er deshalb, er rechne mit einem Freispruch. Am ersten Prozesstag hielt sich der 51-Jährige mit Prognosen zurück: "Wir werden sehen", sagte er. Absprachen zwischen ihm und der Kammer habe es nicht gegeben. "Wir haben unsere Sicht der Dinge schriftlich dargelegt", sagte sein Verteidiger. Fink kündigte an, vor Gericht Angaben zu den Vorwürfen machen zu wollen.

Urteil Soll AM 1. Dezember Verkündet Werden

Der Dreiländerfonds 94/17 ist ein so genannter geschlossener Immobilienfonds, dessen Gelder unter anderem in deutsche und amerikanische Immobilien investiert wurden. Kernstück des Dreiländerfonds ist das Stuttgarter SI-Zentrum mit seinen zwei Musicalbühnen. Als allerdings der Musicalbetreiber Stella AG Ende der 90er Jahre Pleite ging, blieben die erwarteten Mietzahlungen teilweise ganz aus oder waren geringer als erwartet. Die Kapital Consult gilt als einer der größten Initiatoren von geschlossenen Immobilienfonds. Das Volumen des Fonds betrug über eine Milliarde Euro. Etwa 60 Prozent wurde von rund 20 000 Anlegern aufgebracht, der Rest durch Bankkredite.

Der von der Staatsanwaltschaft ebenfalls erhobene Vorwurf des Kapitalanlagebetrugs wurde fallen gelassen. Die Staatsanwaltschaft war davon ausgegangen, dass Fink in Verkaufsprospekten des Dreiländerfonds relevante Angaben verschwiegen habe. Das Landgericht Stuttgart sah das anders und ließ die Anklage in diesem Punkt nicht zu. Das Urteil soll am 1. Dezember verkündet werden.

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