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Ernährungsbericht: Deutsche essen zu viel, zu süß und zu fett

Die Deutschen essen zu viel, zu süß und zu fett. Obendrein sitzen sie zu lange vor dem Fernseher und treiben zu wenig Sport. Das ist die Bilanz von Verbraucherschutzministerin Renate Künast (Grüne) zum Ernährungsbericht 2004, den die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) in Berlin vorlegte.

dpa BERLIN. Die Deutschen essen zu viel, zu süß und zu fett. Obendrein sitzen sie zu lange vor dem Fernseher und treiben zu wenig Sport. Das ist die Bilanz von Verbraucherschutzministerin Renate Künast (Grüne) zum Ernährungsbericht 2004, den die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) in Berlin vorlegte.

So hohe Energiezufuhr bräuchten sonst nur Halbmarathon-Läufer, sagte Künast. Sie kündigte ein Gespräch mit den Intendanten an, um das Fernsehen als Aufklärungsmedium für gesunde Ernährung zu nutzen.

Die Folgen des unausgewogenen Ernährungsverhaltens seien häufig Übergewicht und Herz-Kreislauf-Probleme. Das wiederum führe oft nicht nur zu körperlichen, sondern auch zu seelischen Problemen und treibe die Kosten der Krankenkassen in die Höhe. 68 Prozent der Todesfälle seien auf ernährungsbedingte chronische Krankheiten zurückzuführen.

Positiv vermerkt der Bericht, dass die Deutschen sich mit 1,43 Stunden pro Tag 21 Minuten mehr Zeit für das Essen nehmen als vor zehn Jahren. Auch der Verzehr von Obst und Gemüse sei auf täglich durchschnittlich 150 Gramm gestiegen. Die DGE empfiehlt allerdings einen Verbrauch von 650 Gramm an Obst und Gemüse pro Tag. "Mit dieser Menge könnte das Krebsrisiko bei Frauen um 20 Prozent und bei Männern sogar um 30 Prozent gesenkt werden", sagte Künast.

Die einheimischen Obst- und Gemüsesorten sind inzwischen weniger mit Rückständen von Pflanzenschutz- und Vorratsschutzmitteln belastet. Bei Gemüse enthalten etwa zwei Drittel keine bestimmbaren Rückstände mehr, bei einheimischem Obst war ein Drittel aller Proben ohne bestimmbare Rückstände.

Distanziert äußerte sich Künast zu Nahrungsergänzungsmitteln sowie Lebensmitteln, denen Vitamine, Mineralstoffe, Amino- und Fettsäuren sowie andere Stoffe zugesetzt werden. Diese machten die Ernährung nicht unbedingt besser. Es bestehe auch die Möglichkeit der Überdosierung einzelner Nährstoffe.

DGE-Präsident Helmut Ebersdobler sagte, ein großer Teil der Bevölkerung ernähre sich deutlich gesünder als noch vor einigen Jahren. Der andere Teil aber lebe immer mehr von "fast food". Der Ernährungsbericht 2004 ist der zehnte seit 1969. Er soll Defizite und Fehlentwicklungen aufzeigen.

Künast und Ebersdobler erklärten, auch das Massenmedium Fernsehen trage zu falscher Ernährung bei. Einerseits verstelle Werbung für Süßigkeiten, Fertiggerichte und Alkohol den Blick für bewusste und gesunde Ernährung. Andererseits verbrächten viele Menschen mehr Zeit vor dem Fernseher als beim Kochen. Sie schlug Beiträge nach dem Vorbild der Verkehrssendung "Der 7. Sinn" vor.

Die Ministerin forderte erneut alle gesellschaftlichen Bereiche zur Aufklärung über gesunde Ernährung auf. Hier seien Eltern, Kindergärten, Schulen, Sportverbände, Unternehmen und die Krankenkassen gefragt.

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