Erneuerbare Energie-Gesetz löst Branchenboom aus
Solarindustrie steht unter Strom

Strom aus Sonnenlicht - aus der Idee ist längst eine Wachstumbranche geworden. Seit 1996 ist der Markt für Solarprodukte weltweit jährlich um über 30 % gewachsen, in Deutschland boomt das Geschäft, so dass die deutschen Produzenten inzwischen die US-Konkurrenz überrundet haben und nach Japan zweitgrößter Produzent geworden sind.

BERLIN. Der Wachstumstrend ist ungebrochen: "Wir werden unserere Produktion in den kommenden Jahren verdreifachen", sagt Hubert Aulich, Chef der des thüringischen Sonnenstromwerks PV Silicon in Erfurt. Geht es nach Aulich, wird sein Unternehmen, das mehrheitlich der Schweizer Pbt gehört, noch in diesem Jahr zum weltgrößten Produzenten von Solarzellen werden.

Dann hätte Erfurt seine Stellung als Metropole der Photovoltaik endgültig gesichert. Hier, zu DDR-Zeiten noch ein Zentrum der ostdeutschen Computerindustrie, werden nun statt Computerchips Solarzellen gefertigt - wobei die Technik sehr verwandt ist. Denn die Basis der heutigen Solarzellen, die derzeit etwa 85 % der Weltproduktion ausmachen, sind die so genannten Wafer auf Siliziumbasis- aus denen auch Computerchips gearbeitet werden.

Längst ist die Nachfrage nach den Stromzellen so stark, dass die Produzenten überhaupt nicht mehr nachkommen. "Der Markt ist ein reiner Käufer-Markt, die Kapazitäten der Hersteller reichen hinten und vorne nicht", sagte ein Branchenvertreter am Rande der Messe Solar World, die noch bis zum Samstag in Berlin läuft.

Dass die Solar-Industrie derart auf Hochtouren läuft, hat sie in Deutschland vor allem der Politik zu verdanken. Denn entscheidender Katalysator des Solar-Aufschwungs war das Erneuerbare Energie-Gesez (EEG) der rot-grünen Bundesregierung. Seit April 2000 steigt der Marktanteil des Sonnenstroms nun steil nach oben, denn die Besitzer der Anlagen bekommen eine Vergütung für die Einspeisung des Stroms ins Netz von zunächst 50 Cent je Kilowattstunde auf 20 Jahre. Bei später installierten Anlagen verringert sich die Subvention, für die die Gesamtheit der Verbraucher gerade stehen muss, leicht.

Da die Kosten des Stroms aus Solarzellen heute laut EU-Kommission zwischen 0,25 und 0,5 Euro je Kilowattstunde liegen, kann der Solarstrom auch für private Haushalte lukrativ sein. Dabei stecken noch enorme Potenziale in der Technologie, Ziel der Branche ist es, die die Kosten bis 2012 auf 0,1 Euro zu senken.

Nicht nur deshalb prophezeit die Umweltorganisation Greenpeace der Branche rosige Zeiten. Bereits in diesem Jahr soll die Jahresproduktion aus Solarstrom hierzulande um fast zwei Drittel auf 172 800 Megawattstunden zulegen. Der Markt für Solarstrom dürfte dabei von 220 auf 263 Mill. $ wachsen, schätzungsweise 2 200 Menschen dürften in diesem Jahr in der deutschen Solarbranche arbeiten. Doch soll der Markt nach Schätzungen von Greenpeace schon im Jahr 2013 zehn Mal so groß sein. Für den Weltmarkt ist Greenpeace noch optimistischer. Bereits 2020 könnten eine Milliarde Menschen von Photovoltaik-Anlagen mit Strom versorgt werden, das Marktvolumen würde dann auf 75 Mrd. $ zulegen, 2,3 Mill. Jobs in der ganzen Welt hätten mit Solarstrom zu tun. Überdies könnten 160 Mill. Tonnen Kohlendioxid eingespart werden.

20 Porzent der Zellen kommt aus Deutschland

Noch ist die Realität eine andere, derzeit trägt Sonnenstrom deutlich weniger als 1 % zum gesamten deutschen Stromaufkommen bei. Zudem ist der Ausbau der Produktion teuer und kostet laut Experten etwa eine Mill. Euro je produzierter Megawattstunde Spitzenleistung (MW/p) pro Jahr. Diese in der Industrie wichtige Größe misst die Stromerzeugung einer Solaranlage.Weltweit hat die Branche 2001 Solarzellen bis zu 400 MW/p verkauft - ein Umsatz von 980 Mill. Euro. Rund ein Fünftel der weltweit hergestellten Zellen kommt aus Deutschland. Die leistungsstärksten Produkte bieten Sharp und Kyocera aus Japan. Deutsche Firmen dürften 2005 aufschließen.

Sehr viel schneller wollen die deutschen Hersteller bei der Wafer-Produktion an die Spitze. Gas gibt die Deutsche Solar AG. Das Werk im sächsischen Freiberg sollen in diesem Jahr Siliziumscheiben mit rund 70 MW/p verlassen. In drei Jahren sollen es 200 MW/p sein, sagt Geschäftsführer Ekhard von Dewitz. Doch die Konkurrenz drängt: Aus dem Werk von PV Silicon in Erfurt kamen 2001 schon 58 MW. Für 2005 peilen die Thüringer eine Jahresproduktion von 180 MW an. Anders als PV Silicon will die Deutsche Solar AG neben dem Grundmaterial auch die fertigen Zellen produzieren. In Freiberg entsteht zur Zeit eine Fertigung, die mit einer Jahreskapazität von 25 bis 30 MW/p anlaufen soll. Investitionen: Mindestens 40 Mill. Euro allein bis Ende dieses Jahres. 2003 oder 2004 soll noch einmal eine solche Linie in Betrieb geben.

In einer ganz anderen Liga spielt die noch kleine, junge Konstanzer Sunways AG, die es derzeit auf eine Fertigungskapazität von gerade einmal 5 MWp bringt. Größter Hersteller fertiger Solarzellen ist RWE Solar mit einem Marktanteil von etwa 33 %. RWE Solar produziert in Alzenau 20 MW/p - Tendenz stark steigend. "2005 werden es dann 80 MW/p sein", sagt eine Sprecherin. Trotz des Solar-Booms konnten die börsennotierten Sunways und Deutsche Solar jedoch das Vertrauen der Anleger noch nicht gewinnen.

Quelle: Handelsblatt

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