Erneut Gefechte in Ramallah
Israel schneidet Arafat von der Außenwelt ab

In der palästinensischen Verwaltungshauptstadt Ramallah ist es am Samstagnachmittag wieder zu Schießereien zwischen militanten Palästinensern und israelischen Besatzungssoldaten gekommen. Auch 36 Stunden nach ihrem Einmarsch belagerte die israelische Armee weiterhin das Büro von Palästinenserpräsident Jassir Arafat in dessen Amtssitz im Stadtteil Mukata und hielt ihn vollständig von der Außenwelt isoliert. Der Uno-Sicherheitsrat forderte Israel derweil zum Rückzug aus Ramallah und anderen palästinensischen Städten auf.

dpa/rtr/afp RAMALLAH/NEW YORK. Aus dem Zentrum der Stadt waren bereits am Morgen schweres Maschinengewehrfeuer und mindestens eine Granatenexplosion zu hören. Zudem stand ein sechsstöckiges Gebäude in der Stadtmitte in Flammen. Mehrere Dutzend Kampfpanzer und gepanzerte Truppentransporter der israelischen Armee kontrollierten weiterhin weite Teile Ramallahs. Augenzeugen zufolge lieferten sich bewaffnete Palästinenser und israelische Soldaten die ganze Nacht über Schusswechsel.

Nach israelischen Angaben nahmen Soldaten zwei seit längerem gesuchte Extremisten fest, die für eine Reihe von Terroranschlägen in Israel verantwortlich gemacht werden. Außerdem verhafteten sie nach israelischen Angaben ein führendes Gründungsmitglied der radikalen Hamas Hamas-Organisation. ist für zahlreiche Selbstmordanschläge in Israel in den vergangenen Monaten verantwortlich. Im israelisch-palästinensischen Grenzgebiet verhinderte ein israelischer Grenzpolizist am Nachmittag vermutlich einen neuen Selbstmordanschlag. Bei der Kontrolle eines palästinensischen Fahrzeugs bei Baka el Garbieh (Zentral-Israel) feuerte einer der Insassen auf die Beamten und tötete einen von ihnen. Bei der folgenden Schießerei wurde einer der Palästinenser erschossen, der andere löste eine Explosion aus, die das Fahrzeug völlig zerstörte.

Arafat von der Außenwelt abgeschnitten

Arafat bleibt derweil weiter von der Außenwelt abgeschnitten. Nach übereinstimmenden palästinensischen Berichten vom Samstag funktioniert inzwischen auch das Mobil-Telefon des Palästinenserführers nicht mehr, mit dem er am Freitag noch Kontakt zu ausländischen Regierungen und Medien aufnehmen konnte. Arafat habe in den beiden Büroräumen, die die israelische Armee bisher nicht besetzt habe, auch keinerlei Lebensmittel.

Die Armee hatte nach dem Sturm des Hauptquartiers am Karfreitag Strom, Wasser und normale Telefonverbindungen zu dem PLO-Chef gekappt. Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon hatte am Freitagmorgen zugesagt, dass er Arafat nicht angreifen werde. Nach wie vor befinden sich nach palästinensischen Angaben verletzte Palästinenser auf dem Gelände des Hauptquartiers. Sie könnten jedoch nicht geborgen werden, weil die Armee Krankenwagen den Zugang verwehre.

Im Zentrum Ramallahs ergaben sich am Samstagmorgen etwa 25 Palästinenser, darunter mehrere Polizisten, die zuvor stundenlang von israelischen Soldaten in einem großen Gebäude belagert worden waren. Israelische Panzer drangen am späten Freitagabend in die christliche Kleinstadt Beit Dschalla, südlich von Jerusalem, ein. Dort besetzten sie mehrere Häuser, von denen aus nach israelischen Angaben Häuser in der jüdischen Großsiedlung Gilo beschossen worden waren.

Uno fordert Israel zum Rückzug auf

Die Uno verabschiedete zugleich am Samstag ohne Gegenstimme eine Reoslution, in der Israel zum Rückzug aus den besetzten Palästinensergebieten aufgefordert wird. Der Sicherheitsrat drückte seine "schwere Besorgnis" über die jüngsten palästinensischen Selbstmordanschläge und die israelische Offensive gegen die Palästinenser-Regierung aus. Vorausgegangen war eine fünfstündige öffentliche Debatte des Sicherheitsrats über die Lage im Nahen Osten.

Auch die USA hatten der mit 14 zu null Stimmen angenommenen Resolution zugestimmt, Syrien boykottierte die Abstimmung. Die Resolution fordert beide Parteien ferner auf, sich sofort auf einen "bedeutsamen Waffenstillstand" zuzubewegen und mit dem US-Sondergesandten Anthony Zinni zusammenzuarbeiten, um Verhandlungen wieder aufzunehmen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%