Erneut läuft eine Haltefrist ab
Telekom stellt sich auf Milliarden-Verlust ein

Die Aktie der Deutschen Telekom hat nach Vorlage von Quartalszahlen deutlich nachgegeben. Zusätzlicher Druck könnte bald entstehen: Die Haltefrist für Großaktionäre läuft aus.

slo/tmo DÜSSELDORF. Zum ersten Mal seit ihrem Börsengang in 1996 wird die Deutsche Telekom ihr Geschäftsjahr voraussichtlich mit Verlusten abschließen. Bereits in den ersten drei Quartalen hat der Konzern ein Defizit von 1 Mrd. Euro eingefahren, teilte das Unternehmen mit und bestätigte damit vorläufige Zahlen. Für das Gesamtjahr erwarten Analysten bei der Telekom ein Minus von 2 bis 2,3 Mrd. Euro. Der Verlust resultiert in erster Linie aus Abschreibungen und Kosten für den Mobilfunkstandard UMTS.

Die Telekom bekräftigte ihre operativen Ziele. Das Unternehmen will den Umsatz und das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) zum Jahresende deutlich verbessern. Nach Ansicht von Analysten ist die Telekom auf einem guten Weg, dies zu schaffen. "Das Management hält seine Versprechen, das Unternehmen wird langsam aber sicher profitabler", sagt Andrew Moffat, Analyst bei ABN Amro. Auch Joeri Sels, Telekom-Analyst der Privatbank Julius Bär, betont: "Die Zahlen sind gut, trotz des Nettoverlustes." Das mit dem Vorjahr vergleichbare Ebitda stieg zwischen Januar und September um 15 % auf 11,3 Mrd. Euro. Den Umsatz steigerte der Konzern um 20 % auf 35 Mrd. Euro. Vor allem der Mobilfunk hat zum guten Betriebsergebnis beigetragen.

Die Finanzmärkte quittierten die Ergebnisse mit einem Kursabschlag. Die T-Aktie verlor im Tagesverlauf mehr als 3 % und fiel auf 18,25 Euro. Analysten führten dies vor allem auf zwei Gründe zurück: Morgan Stanley Capital International (MSCI), einer der weltgrößten Anbieter von Aktienindizes (Kursbarometern), verändert die Gewichtung seiner Indizes zum 30. November. MSCI will Unternehmen mit niedrigem Streubesitzanteil, wie etwa die Telekom, künftig schwächer gewichten. Investoren, die lediglich einen Index nachbilden, berücksichtigen solche Unternehmen dann entsprechend weniger.

Hinzu kommt ein noch größerer Risikofaktor: Zum 1. Dezember läuft abermals eine Haltefrist der Telekom-Großaktionäre aus. Sie hatten die T-Aktien bei der Übernahme des US-Mobilfunkers Voicestream bekommen. Rund 289 Millionen Telekom-Titel unterliegen diesem Abkommen. Anleger fürchten, dass der kurzfristige Verkauf großer Aktienpakete einen Kurssturz auslöst. Als wahrscheinliche Verkäufer gelten der Hongkonger Mischkonzern Hutchison Whampoa und die finnische Telekomgesellschaft Sonera. Beide Unternehmen besitzen zusammen noch etwa 200 Millionen T-Aktien.

Der überraschende Verkauf von Telekom-Titeln durch Hutchison hatte Anfang August zu einer Talfahrt der T-Aktie geführt. Analysten gehen davon aus, dass sich dies nicht wiederholt und die Voicestream-Altaktionäre ihre Telekom-Papiere jetzt in kleinen Tranchen auf den Markt bringen werden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%