Erneut mit „erheblichen“ Fehlbetrag zu rechnen
Telekom-Dividende steht auf dem Spiel

Die Deutsche Telekom AG hat erstmals eingeräumt, zum Schuldenabbau auch eine erneute Kappung oder einen völligen Ausfall der Dividende für 2002 in Betracht zu ziehen.

vwd BONN. Es sei im Moment in der Diskussion, ob die Ausschüttung ganz gestrichen oder noch weiter gekürzt werden müsse, sagte der Leiter der Abteilung Investor Relations, Thilo Kusch, am Mittwochabend auf einer Veranstaltung in Düsseldorf. Als weitere zusätzliche Maßnahme zur Verringerung der hohen Verbindlichkeiten wolle die Telekom in den nächsten anderthalb Jahren ihre Beteiligungen an Satelliten und an den Mobilfunkgesellschaften in Asien verkaufen.

Nach dem jetzigen Stand werde es bis 2005 dauern, bis der Konzern wieder ein positives Nettoergebnis ausweise, sagte Kusch auf dem "Aktienforum" der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Mit Blick auf das laufende Jahr erläuterte er, der in den ersten sechs Monaten ausgewiesene Verlust von 3,9 Mrd Euro werde sich "nicht verdoppeln". Allerdings sei erneut mit einem "erheblichen" Fehlbetrag zu rechnen. Ob bei der Telekom zusätzlich noch Sonderabschreibungen anfallen, wie gemutmaßt wird, ließ Kusch offen. Im Rahmen der laufenden Strategieüberprüfung werde aber untersucht, inwieweit die in den Büchern ausgewiesenen Werte "langfristig haltbar" seien.

Analysten rechnen für das dritte Quartal mit Wertberichtigungen im unteren zweistelligen Milliardenbereich auf Beteiligungen wie VoiceStream, hinzu kommen möglicherweise auch Abschreibungen auf Mobilfunklizenzen. Im vorigen Jahr hatte die Telekom einen Fehlbetrag von 3,5 Mrd Euro eingefahren und die Dividende auf 0,37 von 0,62 Euro gekürzt. Die Entscheidung, wie mit der Ausschüttung für 2002 verfahren wird, werde am 14. November bekannt gegeben, wenn die Telekom Eckdaten zum dritten Quartal und Ergebnisse ihrer Strategieüberprüfung vorstellt. Dann wird nach Kuschs Worten auch aufgezeigt, wie die "Lücke" im Schuldenabbauplan geschlossen werden soll.

Der Konzern will seine Nettofinanzverbindlichkeiten bis Ende 2003 von aktuell rund 66 Mrd Euro auf rund 50 Mrd Euro reduzieren. Mit den derzeit offiziell bekannt gegebenen Maßnahmen kommt er aber nur auf 54 bis 57 Mrd Euro. Zur Begleichung der Differenz wurde bereits seit längerem unter anderem über eine weitere Zusammenstreichung der Dividende sowie über weitere Desinvestments spekuliert. Jetzt bestätigte Kusch, dass diese Maßnahmen tatsächlich erwogen werden. Die Beteiligungen an Satellitenfirmen wie Eutelsat oder Inmarsat gehörten nicht zum Kerngeschäft. "Wenn wir sie jetzt verkaufen, ist es nichts, was wir in Zukunft bereuen werden", sagte Kusch.

Am 14. November könne die Telekom auch mehr zur Zukunft ihrer US-Mobilfunktochter VoiceStream sagen. Hier kommt unter anderem ein Zusammengehen mit einem US-Wettbewerber in Betracht. Die entsprechenden Überlegungen seien "in Arbeit", sagte der Finanzfachmann. Er fügte hinzu, die Position als Nummer Sechs im US-Markt mit 8,5 Millionen Kunden als T USA-Mobile firmierende Unternehmen "keine zufriedenstellende Situation". Allerdings habe sich der voriges Jahr übernommene Mobilfunkbetreiber in den letzten Quartalen "sehr gut" entwickelt und deutlich an Marktanteilen gewonnen. "Dieser Trend setzt sich auch fort", sagte Kusch.

Eventuell steht nach seinen Worten bis zur Bekanntgabe des Resultats der Stategieüberprüfung auch schon der künftige Konzernlenker fest. "Es kann sein, dass am 14. November ein neuer Vorstandsvorsitzender da ist", sagte der IR-Leiter. Die Entscheidung über die Besetzung des Amtes liege in erster Linie beim Übergangsvorsitzenden Helmut Sihler. Dieser sei "entscheidend dafür verantwortlich". Sihler werde bei der Auswahl des Nachfolgers von Ron Sommer "eine weise Entscheidung treffen". Der Aufsichtsratsvorsitzende Hans-Dietrich Winkhaus hatte allerdings kürzlich in einem Zeitungsinterview gesagt, der neue CEO werde im November noch nicht präsentiert.

In der Gewinn- und Verlustrechnung des dritten Quartals schlägt sich laut Kusch auch die Übernahme der restlichen Anteile am niederländischen Mobilfunker Ben für 2,1 Mrd Euro (inklusive Schulden) nieder. Derzeit erwirtschafte das Unternehmen einen negativen Cash-Flow. Die Telekom werde noch weitere rund 200 Mio Euro in die Gesellschaft stecken müssen, bis sie profitabel sei. In der gesamten Mobilkfunksparte halte das Wachstum unvermindert an. Im dritten Quartal habe sich der Bereich "sehr stark" weiter entwickelt. Und auch im Festnetz sehe die Telekom dank nachlassenden Preisdrucks eine "Trendwende" und für die Zukunft ein "positives Bild".

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