Erneut Plünderungen in irakischer Hauptstadt
Irakische Polizisten in Bagdad wieder im Dienst

Mit der Rückkehr mehrerer hundert Polizisten zum Verkehrsdienst in Bagdad ist am Sonntag ein Stück weit Normalität im Nachkriegs-Irak eingekehrt. Bereits am Vortag hatten die Schulen erstmals seit Beginn des von den USA angeführten Krieges am 20. März wieder geöffnet. Allerdings gab es auch erneut Plünderungen in Bagdad.

Reuters BAGDAD. Auf einem Acker nahe der für die schiitischen Moslems heiligen Stadt Nadschaf gruben Iraker am Sonntag aus einem Massengrab Leichenteile aus. Vermutlich handelt es sich um Opfer des von Präsident Saddam Hussein blutig niedergeschlagenen Aufstandes der Schiiten von 1991. Nahe dem historischen Babylon, südlich von Bagdad war bereits am Samstag im Beisein von US-Marines ein zweites Massengrab freigelegt worden.

USA wollen rasche Wiederherstellung öffentlicher Ordnung

In den für die Iraker gewohnten Uniformen - blaue Hosen, weiße Hemden - aber unbewaffnet, regelten die irakischen Polizisten am Sonntag unter Aufsicht von US-Truppen den Verkehr auf den wie immer verstopften Kreuzungen der Hauptstadt. Auch Streifenwagen waren wieder im Einsatz. Nach US-Militärangaben haben insgesamt inzwischen rund 3000 irakische Polizeibeamte ihren Dienst wieder aufgenommen.

Allerdings unternahmen auch Plünderer wieder Streifzüge. Sie drangen in einen Präsidenten-Palast in Bagdad ein, um dort mitzunehmen, was von früheren Plünderungen noch übrig geblieben war. Der Mob schleppte Lampen, Gemälde, Kühlschränke und sogar einen beschädigten Oldtimer aus dem Palast.

Die von den USA geführte Übergangsveraltung will möglichst schnell die öffentliche Ordnung im Irak wieder herstellen. Seit dem Sturz Saddam Husseins durch US-Truppen am 9. April herrscht in vielen irakischen Städten noch immer Chaos; Plünderungen gehören ebenfalls noch immer zum Alltag.

Um die öffentliche Ordnung im ganzen Land wieder herzustellen, soll bis Ende Mai eine von den USA, Großbritannien und Polen geführte internationale Stabilisierungstruppe ihre Arbeit aufnehmen. Der Irak soll dazu in drei Sektoren aufgeteilt werden, die von jeweils einem der drei Staaten kontrolliert würden, wie aus US-Regierungskreisen verlautete.

Im Rahmen der Vorbereitungen für die Bildung einer Übergangsregierung für den Irak hat die US-Zivilverwaltung nach Angaben aus Kreisen des irakischen Ölministeriums den erfahrenen irakischen Öltechnokraten Thamir Abbas Ghadhban zum Interims-Ölminister bestimmt. Zum Chef seines Beraterstabes wurde der ehemalige Chef der US-Aktivitäten des Ölkonzerns Royal Dutch/Shell, Phillip Carroll ernannt.

Bush: Wir finden schon noch Massenvernichtungswaffen

Der amerikanische Präsident George W. Bush lenkte am Wochenende erneut die Aufmerksamkeit auf die angeblich im Irak versteckten Massenvernichtungswaffen. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis US-Truppen diese aufspüren würden, sagte Bush auf seiner Ranch im texanischen Crawford.

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