Archiv
Erneut Polizist bei Fahrzeugkontrolle erschossen

Ein 31 Jahre alter Polizist ist bei einer Fahrzeugkontrolle in Bubenreuth bei Erlangen von einem mehrmals vorbestrafen Mann erschossen worden. Wie Polizei und Staatsanwaltschaft in Nürnberg mitteilten, wurden ein gleichaltriger Kollege und der 40-jährige mutmaßliche Täter bei der Schießerei schwer verletzt.

Reuters BUBENREUTH. Die Tat ereignete sich in den frühen Morgenstunden in der Nähe eines jüdischen Friedhofs, den die beiden Streifenbeamten überprüfen sollten. Der Tatverdächtige war Ende Juli aus einem Krankenhaus geflohen, wo er wegen Drogenhandels eine sechsjährige Haftstrafe verbüßte.

Den Ermittlungen zufolge wollten die beiden Streifenbeamten den gestohlenen Ford Sierra kurz vor 1.30 Uhr auf einem Parkplatz in dem mittelfränkischen Ort überprüfen. Der Fahrer flüchtete jedoch und stoppte erst nach einer Verfolgungsfahrt an, bei der er mehrere Autos streifte. Wie Polizeipräsident Peter von der Grün weiter berichtete, stiegen die Beamten aus und näherten sich langsam dem silbergrauen Wagen. Der 40-jährige Mann habe die Türen des Autos mit der Begründung verriegelt, er müsse erst seinen Schäferhund beruhigen.

Nach den Angaben von der Grüns stieg der 40-Jährige dann plötzlich aus dem Wagen, sagte: "Schau mal, was ich hier habe" und schoss mit einer russischen Makarow-Pistole auf die Polizisten. Einer der 31-Jährigen wurde in der Lunge getroffen und starb wenig später. Der zweite Beamte wurde den Angaben der Polizei zufolge ebenfalls verletzt, konnte aber zurückschießen, sich zum Streifenwagen schleppen und Kollegen alarmieren. Der aus Forchheim stammende Mann schoss dann ein zweites Mal auf den zurückkehrenden Beamten und zog sich in den in den Ford zurück. Mit Hilfe herbeigeilter Kollegen sei es gelungen, den Schützen zu überwältigen. "Die Gewaltbereitschaft des Täters war unglaublich", sagte von der Grün, der den Tathergang sichtlich bedrückt schilderte.

31-jährige Polizist außer Lebensgefahr

Der schwer verletzte Polizist wurde mit einem Schulterschuss in ein Krankenhaus eingeliefert. Der 31-jährige ist nach Angaben der Polizei außer Lebensgefahr und konnte einem befreundeten Kollegen die Tat schildern. Der erschossene Beamte sei mit zwölf Dienstjahren ein erfahrener Polizist gewesen, sagte von der Grün. "Er hatte bei seiner Dienststelle seinen persönlichen Traumjob gefunden und war völlig glücklich."

Der Zustand des verletzten Täters war am Nachmittag nach mehreren Notoperationen unklar. Er sei fünfmal getroffen worden und habe unter anderem einen Blasendurchschuss erlitten, hieß es. Beide Streifenbeamte trugen nach Angaben der Polizei keine Schutzwesten. Sie hätten keine Zeit mehr gehabt, die Ausrüstung aus dem Kofferraum des Streifenwagens zu holen, sagte von der Grün.

Der Tatort liegt an einer wenig befahrenen Straße in der Nähe eines Wohngebiets. Polizisten sperrten die Zufahrtsstraßen weiträumig ab. Beamte der Spurensicherung suchten den Wagen ab, der noch am Vormittag mit erleuchteten Scheinwerfern und geöffneten Türen auf der Straße stand. In dem Ford entdeckten die Beamten einen völlig verstörten Schäferhund und einen Personalausweis.



Täter seit Juli auf der Flucht

Staatsanwalt Klaus Hubmann sagte, der aus Forchheim stammende Tatverdächtige sei 1998 wegen Rauschgifthandels vom Landgericht Bamberg zu sechs Jahren Haft und Unterbringung in einem Krankenhaus verurteilt worden. Er sei 29. Juli aus einem Bezirkskrankenhaus bei Plattlingen in Niederbayern ausgebrochen und seitdem flüchtig gewesen. Der Mann sei wegen schwerer Körperverletzung, Drogendelikten und Diebstahls mehrmals zu langen Haftstrafen verurteilt worden. "Er hat mehr als 18 Einträge im Strafregister", sagte Hubmann.

Im Ruhrgebiet waren erst im Juni drei Polizisten von einem Autofahrer in Dortmund und Waltrop erschossen worden. Politiker forderten danmals, Polizisten müssten besser ausgerüstet werden. Die Polizeigewerkschaften fordern, dass jeder Polizist eine persönliche Schutzwesten erhält.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%