Erneut Proteste von Globalisierungsgegnern
IWF und Weltbank beenden Jahrestagung vorzeitig

Der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Weltbank haben ihre Jahrestagung am Mittwoch überraschend einen Tag früher beendet als geplant. Ein IWF-Sprecher sagte, die vorgesehenen Redebeiträge bei der Tagung seien kürzer ausgefallen als erwartet. Mit den teilweise gewaltsamen Massenprotesten gegen die Veranstaltung habe die Entscheidung nichts zu tun.

afp/dpa/vwd PRAG. IWF-Chef Horst Köhler und Weltbank-Präsident James Wolfensohn zogen am Abend ihre eigentlich für Donnerstag geplanten Abschlusserklärungen vor. Am Donnerstag wollen sie nach Angaben eines Sprechers noch eine Abschlusspressekonferenz abhalten.
Am Mittwoch demonstrierten erneut Tausende Globalisierungsgegner gegen die Politik beider Organisationen. Die tschechische Polizei kündigte an, 60 Demonstranten auszuweisen, unter ihnen auch 18 Deutsche.

Insgesamt nahmen die Sicherheitskräfte nach eigenen Angaben 490 Globalisierungsgegner vorläufig fest. Am Mittwochmittag kesselte die Polizei rund 500 Demonstranten auf dem Friedensplatz in der tschechischen Hauptstadt ein, um ähnliche Ausschreitungen wie am Dienstag zu verhindern, als Hunderte Demonstranten versuchten, gewaltsam in das Tagungsgebäude vorzudringen. 157 Menschen wurden nach offiziellen Angaben bei den Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten verletzt.

Mehr Marktzutritt für Entwicklungsländer gefordert

Köhler und Wolfensohn äußerten in ihren Abschlussreden Bedauern, dass die Veranstaltung von gewaltsamen Protesten begleitet worden war. IWF-Chef Köhler betonte zur Tagung selbst, diese habe gezeigt, dass Entwicklungsländer ein besserer Zugang zu den Märkten der Industrienationen gewährt werden müsse, um das Wachstum der aufstrebenden Staaten zu fördern. Mit Blick auf die angestrebte Reform des IWF sagte Köhler, die Organisation müsse in ihrer Arbeit die Verhinderung von Finanzkrisen an erste Stelle setzen.

Weltbank-Chef Wolfensohn appellierte an die reichen Staaten der Welt, mehr direkte Entwicklungshilfe zu leisten. Er verwies zudem auf die Auswirkungen der Immunschwäche Aids auf viele arme Länder der Welt. Der Kampf gegen Aids gehe über ein Gesundheitsproblem hinaus und könne die Entwicklung vieler Staaten vor allem in Afrika beeinträchtigen, sagte Wolfensohn.

Der Entwicklung von Rohstoffpreisen soll die Weltgemeinschaft Wolfensohn zufolge verstärkte Aufmerksamkeit schenken. Der Weltbank-Präsident hob auch die gemeinsame Verpflichtung von IWF und Weltbank hervor, alles zu versuchen, um möglichst viele Länder bis zum Jahresende zum Punkt der Entscheidungsreife für die Teilnahme am Entschuldungsprogramm für hochverschuldete arme Staaten (HIPC) zu bringen.

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