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Erneut schweres Zugunglück in der Türkei

Knapp drei Wochen nach der Entgleisung eines Schnellzugs auf der Strecke Istanbul-Ankara ist die Türkei am Mittwoch von einem neuen schweren Bahnunglück heimgesucht worden.

dpa ISTANBUL. Knapp drei Wochen nach der Entgleisung eines Schnellzugs auf der Strecke Istanbul-Ankara ist die Türkei am Mittwoch von einem neuen schweren Bahnunglück heimgesucht worden.

Mindestens vier Menschen starben, weitere 55 wurden nach offiziellen Angaben verletzt, als zwei Personenzüge kurz hinter dem Bahnhof von Tavsancil am Marmara-Meer bei Istanbul frontal zusammenstießen. Fernsehsender hatten zuvor von mindestens sechs Toten berichtet. Einer der beiden Triebwagen stürzte auf die Seite, als sich die Züge ineinander verkeilten, und blieb nur wenige Meter vom Ufer liegen. Mehrere Passagiere wurden eingeklemmt.

"Überall lagen Leichenteile, es ist unbeschreiblich", schilderte einer der Passagiere, der sich wie durch ein Wunder durch ein Oberfenster des umgestürzten Waggons befreien konnte. "Der Wagen war besonders voll, weil dort geraucht werden durfte", erzählt der Mann. Er saß in dem aus Richtung Istanbul kommenden Zug, der auf dem Weg in die westtürkische Stadt Adapazari war.

"Es gab einen Riesenknall, dann waren wir von einer Staubwolke eingehüllt", beschreibt ein anderer Passagier das Erlebte. Er saß im dritten Wagen des Adapazari-Express und kam mit einem Stoß gegen die Schulter davon. Er habe gesehen, wie sich Passagiere aus dem Zug fallen ließen und das Ufer hinabrollten. Einigen seien Arme oder Beine abgerissen.

Wie viele Passagiere in dem Adapazari-Zug saßen, war auch Stunden nach dem Unglück noch unklar. In dem entgegenkommenden Zug, der auf dem Weg von Ankara nach Istanbul war, befanden sich den Berichten zufolge 153 Passagiere und neun Bahnangestellte. Zahlreiche Kranken- und Rettungswagen machten sich aus den Städten Istanbul und Izmit auf den Weg zur Unglücksstelle. Sie standen aufgereiht auf einer parallel zur Bahnstrecke verlaufenden Straße.

Als wahrscheinlichste Ursache wiesen Nachrichtensender auf menschliches Versagen hin. Entweder habe einer der beiden Zugführer ein Rotlicht missachtet oder die Signale waren falsch gestellt. Gleich neben den ineinander verkeilten Zügen war in Fernsehbildern ein leeres Gleis zu sehen. Der Zug in Richtung Adapazari hatte gerade den Bahnhof von Tavsancil verlassen. Der Zug sei noch sehr langsam gefahren, berichteten Passagiere.

Erst vor knapp drei Wochen war auf der Strecke Istanbul-Ankara ein Schnellzug entgleist. Dabei waren 38 Menschen getötet und mehr als 80 verletzt worden. Das Unglück hatte in der Türkei heftige Kritik hervorgerufen, weil die Strecke erst wenige Wochen zuvor für Schnellzüge eröffnet worden war.

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