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Erneut weniger Tote durch illegale Drogen

Die Zahl der Drogentoten ist voraussichtlich auch 2004 wieder gesunken. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse- Agentur (dpa) bei Suchtberatungen, Landeskriminalämtern und Drogenexperten. Auch die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marion Caspers-Merk, geht von einem weiteren Rückgang aus.

dpa BERLIN. Die Zahl der Drogentoten ist voraussichtlich auch 2004 wieder gesunken. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse- Agentur (dpa) bei Suchtberatungen, Landeskriminalämtern und Drogenexperten. Auch die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marion Caspers-Merk, geht von einem weiteren Rückgang aus.

"Nach bisherigen Zahlen setzt sich der Trend fort", sagte sie der dpa. Im Jahr 2003 waren in Deutschland 1 477 Menschen am Konsum illegaler Drogen gestorben. Das war die niedrigste Zahl seit 1989.

In Rheinland-Pfalz und im Saarland hat sich die Zahl der Rauschgifttoten bis zum Stand 30. November nahezu halbiert. Das niedersächsische Landeskriminalamt (LKA) geht von 100 Opfer bis zum Jahresende aus - 2003 waren es noch 130. Auch die Gesundheitsbehörde in Hamburg rechnet mit einem drastischen Rückgang (2003: 64 Tote).

Hessen liege mit bisher 100 Toten im Bereich des Vorjahres (2003: 109). Das LKA Schleswig-Holstein erwartet ein ähnliches Ergebnis wie 2003 mit 39 Drogentoten. Dagegen wurden in Berlin Ende Oktober ein Viertel mehr Todesopfer gezählt.

In Ostdeutschland existiert das Problem der Opfer harter Drogen weiter nur auf niedrigem Niveau. 2004 melden Sachsen-Anhalt und Thüringen Ende November acht Tote, Brandenburg 7, Mecklenburg-Vorpommern zählte drei. Für Sachsen liegen noch keine Zahlen vor.

Noch keine Aussagen wollten Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen treffen.

Die Zahl der Neueinstiege bei Heroin gehe ebenfalls weiter zurück, was die Entwicklung noch bestärke, sagte Caspers-Merk. Rauschgiftexperten der Landeskriminalämter (LKA) sehen für Heroin den Markt als gesättigt an. Immer mehr Konsumenten würden von Heroin auf synthetische Drogen wie Amphetamine und Ectasy umsteigen, sagte der Leiter der Abteilung Rauschgift des LKA Rheinland-Pfalz, Klaus Mohr.

Nach Behördenangaben von Berlin und Niedersachsen ist der Mischkonsum von Heroin vor allem mit Kokain, aber auch mit der Ersatzdroge Methadon oder Alkohol die häufigste Todesursache. Wolfgang Schmidt von der hessischen Landesstelle für Suchtfragen sieht den Konsum von Crack - chemisch verändertes Kokain - als neuen gefährlichen Trend an. Vor allem in den als Drogenhochburgen geltenden Städten Hamburg und Frankfurt habe Crack Heroin als "Leitdroge" abgelöst. Laut Caspers-Merk ist Crack ein auf die zwei genannten Städte begrenztes Problem.

Der Konsum von Cannabis und Alkohol ist nach Behördenangaben 2004 stark gestiegen. Auch in den neuen Ländern wird immer mehr Cannabis konsumiert. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung erklärte, dass infolge des Konsums der legalen Drogen Alkohol (2003 mehr als 40 000 Tote) und Tabak (110 000 Tote) eine weitaus größere Zahl an Todesfällen zu beklagen sei. "Hier sehen wir uns einer übermächtigen Werbung von Alkohol- und Tabakindustrie gegenüber", sagte die Direktorin der Bundeszentrale, Elisabeth Pott.

Caspers-Merk warnte davor, die Gefahren von Haschisch und Marihuana zu bagatellisieren. Ansatz müsse der Tabakkonsum sein. "60 Prozent der Jugendlichen die Cannabisprodukte konsumieren sind Raucher, nur vier Prozent sind Nichtraucher. Mit generell rauchfreien Schulen kann dem Einstieg zum Joint über die Zigarette ein deutlicher Riegel vorgeschoben werden."

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