Erneut Zwischenfälle mit Verletzten
Däubler-Gmelin fordert schärfere Gesetze gegen Kampfhunde

Nach der tödlichen Kampfhundattacke auf einen sechsjährigen Jungen in Hamburg haben Politiker und Verbände schnell schärfere Gesetze verlangt. Bundesjustizministerin Hertha Däubler-Gmelin (SPD) stellte am Dienstag ein Bundesgesetz in Aussicht. Der Kinderschutzbund forderte ein Verbot von Kampfhunden. Unterdessen ereigneten sich in Nordrhein-Westfalen zwei weitere Vorfälle mit Kamfhunden.

Reuters HAMBURG.Durch Hamburg-Wilhelmsburg, wo der sechsjährige Schüler Volkan auf dem Gelände einer Grund- und Hauptschule von zwei Kampfhunden zu Tode gebissen worden war, zogen am Montagabend mehrere hundert Menschen in einem Trauermarsch. Auf Plakaten forderten sie unter anderem ein Verbot von Kampfhunden. Gegen den festgenommenen Halter des Pitbulls und Staffordshire Terriers ermittelt die Staatsanwantschaft wegen fahrlässiger Tötung. Der Hundehalter hatte die Tiere entgegen einer Auflage der Behörden ohne Maulkorb laufen lassen.

Däubler-Gmelin sagte im Deutschlandfunk, durch zahlreiche Hundeangriffe in der Vergangenheit sei der Zeitpunkt für Konsequenzen schon lange gekommen. Sie sei der Auffassung, dass derartige Tiere in einer Stadt nicht artgerecht gehalten werden könnten. "Es darf einfach nicht sein, dass man Tiere so missbraucht, so überzüchtet oder Kampfhunde einführt und dann herumlaufen lässt", sagte die Ministerin. Leichter wäre der Weg, klare Ländergesetze zu erlassen. Wenn dies nicht gehe, müsse der Bund "ganz schnell" Gesetze machen.

Der Kinderschutzbund forderte, durch Bundesgesetze Zucht und Einfuhr von Kampfhunden generell zu verbieten und verhandene Tiere zu sterilisieren. Die Länder müssten dann im Rahmen der konkurrierenden Gesetzgebung Hundeverordnungen für Leinen- und Maulkorbzwang erlassen, forderte der Geschäftsführer des Deutschen Kinderschutzbundes, Walter Wilken, im ZDF-Morgenmagazin. Wilken warf Politikern und Gerichten Fehlverhalten vor. Strengere Hundeverordnungen und Gesetze würden auf die lange Bank geschoben, oder, wenn sie gemacht wurden, von Gerichten wieder kassiert.

Von einem solchen Fall berichtete Hamburgs Erster Bürgermeister Ortwin Runde (SPD), der nach eigenen Angaben 1992 als Ordnungsdezernent der Hansestadt eine Hundeverordnung erlassen hatte. Die sei durch Klagen von Hundeverbänden vor dem Verwaltungsgerichtzu Fall gebracht worden, berichtete Runde. In Köln wurde ein 73-jähriger von einem Kampfhund im Gesicht schwer verletzt. Der Rentner hatte versucht, den Halter des nicht angeleiten Pitbull-Terriers auf die Gefährlichkeit des frei laufenden Tieres und auf die Tötung eines Kindes durch einen Kampfhund in Hamburg anzusprechen. Daraufhin habe der Hundehalter auf den Rentner eingeschlagen, der hingefallen sei. Auf den am Boden liegenden fiel der Hund den Angaben der Polizei her und verbiss sich in seinem Gesicht.

In Krefeld-Uerdingen erschoss ein Polizist einen Kampfhund, der ihn bedrohte. Der Beamte war zusammen mit einem Kollegen wegen Ruhestörung in ein Mehrfamilienhaus gerufen worden. In der Wohnung trafen die Beamten nach Angaben eines Polizeisprechers auch einen Kampfhund an, der plötzlich zähnefletschend vor ihnen stand. Daraufhin erschoss ein Polizist das Tier.

Der brandenburgische Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) sprach sich dafür aus, dass Polizisten gegen Kampfhunde im Zweifelsfall von der Waffe Gebrauch machten.

Psychiater wiesen darauf hin, dass die Kinder, die bei der Kampfhundattacke auf den sechsjährigen Schüler dabei waren, wahrscheinlich eine schwere psychische Traumatisierung erlitten haben. Die Kinder hätten erlebt, dass die Erwachsenen sie nicht schützen konnten. Das führe zu lang anhaltender Verunsicherung. Für diese Kinder müssten deshalb Angebote gemacht werden, das Erlebte in Spielen zu verarbeiten, forderte der Leiter der Kinder- und Jugendpsychiatrie des Universitätskrankenhauses Eppendorf in Hamburg, Peter Riedesser, im NRD.

Die Bissattacke der beiden Kampfhunde auf den Schüler in Hamburg hatten etwa zehn Schüler miterlebt, die zu dem Zeitpunkt auf den Sportunterricht warteten. Mehrere von ihnen erlitten dabei einen schweren Schock.

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