Erneute Auszählung in Florida
Florida-Stimmen entscheiden, wer US-Präsident wird

Der Wahlkrimi in den Vereinigten Staaten von Amerika ist noch nicht entschieden. Die Wahlbehörde im Bundesstaat Florida erklärte am Mittwoch im Fernsehen, die Stimmen müssen neu ausgezählt werden.

ap WASHINGTON. Zuvor hatte die für die Wahlen in Florida zuständige Regierungsbeamtin Katherine Harris bereits gesagt, der Abstand zwischen dem Republikaner George Bush und dem demokratischen Vizepräsidenten Al Gore betrage ungefähr 1 200 Stimmen. Es habe "Unregelmäßigkeiten" in fünf Wahllokalen gegeben. Die Gesetzeslage in Florida sieht bei diesem knappen Wahlergebnis eine erneute Auszählung der Stimmen vor.
Gore rief daraufhin seinen Rivalen Bush an und erklärte, er werden dessen zunächst bekannt gegebenen Sieg vorerst nicht anerkennen, wie der US-Nachrichtensender CNN berichtete. Bush erklärte sich ebenfalls vorerst nicht zum Sieger. Die Fernsehsender CBS, MSNBC und NBC nahmen Florida wieder aus ihren Berechnungen für die Wahlergebnisse heraus. In den übrigen Bundesstaaten hat Bush demzufolge insgesamt 246 Wahlmännerstimmen sicher, der Demokrat Gore 249. Für einen Wahlsieg sind 270 Stimmen notwendig.

Nach Auszählung von landesweit 96 Prozent der Stimmen liegt Gore vorn

Der schon geschlagen geglaubte US- Vizepräsident Al Gore hat seinen republikanischen Rivalen am frühen Mittwochmorgen bei den Wählerstimmen überholt. Nach Auszählung von 96 % kam Gore auf 47 368 827 Stimmen. Auf Bush entfielen demnach landesweit 47 266 032 Stimmen. Gore liegt damit um 102 795 Stimmen vor Bush.

Entscheidend für einen Sieg bei der Präsidentenwahl ist aber die Zahl der Wahlmänner, die ein Kandidat auf sich vereinen kann. Gore lag ohne Florida mit 249 zu 246 Wahlmännern oder-frauen vorn. In Florida werden die Stimmen noch einmal ausgezählt.

Vermutlich wird dies noch am Mittwoch geschehen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Auszählung der Stimmen der Briefwähler aus dem Ausland nach Angaben eines Mitgliedes der Wahlkommission bis zu zehn Tage dauern könnte. Der Kandidat, der in Florida gewinnt, kann auf 25 Wahlmänner und damit auf den Sieg rechnen.

Gore zog Glückwunsch an Bush zurück

Wenn sich das äußerst knappe Ergebnis in Florida für Bush bestätigen sollte, hätte der texanische Gouverneur die für den Gesamtsieg erforderliche Mindestzahl von 271 Wahlmännerstimmen erreicht. Falls doch noch Gore in Florida an Bush vorbeiziehen sollte, wäre das Rennen wieder offen und würde in den noch nicht ausgezählten Staaten entschieden. Nach den Siegesmeldungen der Fernsehsender für CNN, ABC und NBC für Bush hatte Gore seinem Rivalen bereits telefonisch gratuliert, zog das Eingeständnis der Niederlage dann aber wieder zurück.

Gouverneur Bush gewann unter anderem in Gores Heimatstaat Tennessee, in Ohio sowie in seinem eigenen Staat Texas. Zu den wichtigsten Einzelergebnissen Gores gehörten Siege in Michigan, Kalifornien und Pennsylvania.

Republikaner sichern sich vermutlich die Mehrheit der Parlamentskammern

Die Republikaner sicherten sich die Mehrheit in beiden Parlamentskammern. Nach Hochrechnungen können die Republikaner mit 224 Sitzen im Repräsentantenhaus rechnen, während die Demokraten vermutlich auf 209 Sitze kommen. Zwei Mandate entfallen demnach auf unabhängige Kandidaten. Damit bliebe die bisherige Mehrheit der Republikaner von 222 zu 209 Sitzen praktisch unverändert.

Im Senat konnten die Demokraten vermutlich drei Sitze hinzugewinnen - die seit sechs Jahren bestehende Dominanz der Republikaner damit aber nicht gefährden. Im bisherigen Senat gibt es 54 republikanische und 46 demokratische Abgeordnete; künftig wird das Verhältnis voraussichtlich bei 51 zu 49 liegen.

Hillary Clinton siegt in New York

Bei der Senatswahl jubelten die Demokraten vor allem über den Sieg von Hillary Clinton in New York, die als erste Frau eines US-Präsidenten eine eigene politische Laufbahn im Kongress startet. Die "First Lady" schlug nach vorläufigen Ergebnissen den republikanischen Kandidaten Rick Lazio mit deutlicher Mehrheit. Bei den Gouverneurswahlen in elf Staaten konnten die Demokraten in West Virginia einen Staat hinzugewinnen.

Die Wahlbeteiligung war nach ersten Berichten mit 52 bis 54 % höher als vor vier Jahren - damals hatten nur 49 % der Bürger von ihrem Stimmrecht Gebrauch gemacht. Wahlberechtigt waren rund 206 Mill. Amerikaner. Der neue Präsident tritt sein Amt am 20. Januar an.

Einige Links zur amerikanischen Präsidentschaftswahl

Noch mehr Informationen, Analysen über den Wahlausgang und Gegenüberstellungen der beiden Kandidaten finden Sie unter
www.voter.com: Umfrageergebnisse und erste Hochrechnungen
www.georgebush.com: Offizielle Homepage von George Bush
www.algore.com: Offizielle Homepage von Al Gore
www.clerkweb.house.gov: Informationen über 100 Jahre Präsidentschaftswahlen in den USA
www.usinfo.state.gov: Amtliche Analysen und Berichte des amerikanischen Außenministeriums

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