Erneute Intervention der EZB möglich
Euro bei unentschiedener US-Wahl in enger Spanne

Der Euro hat sich am Mittwoch vor dem Hintergrund der noch immer unentschiedenen Präsidentenwahl in den USA in engen Kursspannen zwischen 0,8560 bis 0,8670 $ bewegt. Das Resultat soll nun möglicherweise erst am Donnerstagabend bekannt gegeben werden.

Reuters FRANKFURT. Der Euro war am Morgen zunächst auf ein Tagestief von 0,8538 $ abgesackt, nachdem die Hochrechnungen einen Wahlsieg George W. Bushs ergaben. Als der Wahlausgang wegen des knappen Stimmenvorsprungs von Bush im US-Bundesstaat Florida jedoch wieder offen war, erholte sich die Gemeinschaftswährung im Verlauf etwas.

Am Abend wurde der Euro mit 0,8550/55 $ gehandelt, nachdem die Europäische Zentralbank (EZB) in Frankfurt den Referenzkurs mit 0,8559 $ ermittelt hatte. Im Referenzkursverfahren öffentlicher Banken war der Euro auf 0,8558 von 0,8599 $ am Vortag gefallen. Damit kostete ein Dollar 2,2854 (2,2745) DM.

Angesichts der wieder schwächeren Verfassung des Euro schlossen Marktteilnehmer eine erneute Intervention der EZB nicht aus. Bereits am vergangenen Montag und Freitag war die Notenbank im Alleingang dem Euro mit Stützungskäufen zu Hilfe gekommen. Diese hatten den Euro aber nur kurzfristig gestützt.

Ein möglicher Wahlsieg Bushs dürfte nach Einschätzung von Händlern den Kurs des Euro belasten, weil dessen Steuersenkungspläne der Wirtschaft und damit den Aktienmärkten helfen würden. Dadurch würde auch der Dollar zu Lasten des Euro erneuten Auftrieb erhalten.

Im asiatischen Handel hatte der Euro nach ersten Meldungen, wonach der Demokrat Al Gore bei den Präsidentenwahlen in Führung lag, ein vorläufiges Hoch von 0,8690 $ markiert. Händler gehen davon aus, dass der Euro sich bis zum Vorliegen des endgültigen Wahlergebnisses, möglicherweise erst am Donnerstagnachmittag, wegen der Unsicherheit am Markt weiterhin in engen Spannen zwischen 0,8550 und 0,8600 $ bewegt. Wahlleiter Clay Roberts hatte zuvor in Tallahassee, der Hauptstadt Floridas gesagt, die Neuauszählung der Stimmen sei notwendig geworden, weil nach der ersten Auszählung der Republikaner George W. Bush nur mit 1784 Stimmen vor dem Demokraten Al Gore gelegen habe. Damit lag sein Vorsprung innerhalb der 0,5-Prozent-Marke, die nach dem Wahlgesetz in Florida eine erneute Auszählung erfordert.

Wenn Gore die Wahl doch noch gewinnen sollte, sei eine Beteiligung der USA an Devisenmarkt-Eingriffen nicht ausgeschlossen, hieß es im Handel. Von Bush versprechen sich die Finanzmärkte deutliche Steuersenkungen und eine unternehmerfreundliche Politik, was als positives Signal für die Aktienmärkte und den Dollar gewertet wird. "Wegen der von Bush angekündigten Steuersenkungen gehe ich davon aus, dass sich die Wachstumsaussichten in den USA verbessern werden, was den Eurokurs weiter dämpfen wird", sagte Patrick Franke von der Commerzbank. Sollte die Konjunktur erneut an Fahrt gewinnen, wären weitere Leitzinserhöhungen der US-Notenbank möglich. Die Wachstums- und Zinsdifferenz zwischen der Euro-Zone und den USA und die damit verbundenen Kapitalströme an die US-Finanzmärkte sind der wichtigste Grund für die anhaltende Euro-Schwäche.

Eine Bush-Administration würde den Euro außerdem schwächen, weil dann die Beteiligung der USA an Interventionen zu Gunsten des Euro unwahrscheinlich sei. Die amerikanische Notenbank hatte gemeinsam mit den anderen Notenbanken der sieben führenden Industrienationen (G-7) an der Stützungsaktion vom 22. September teilgenommen. Die jüngsten Eingriffe hatte die EZB ohne ihre Partner ausgeführt. Lawrence Lindsey, wirtschaftspolitischer Berater von Bush und möglicher neuer Finanzminister, hatte die Beteiligung der USA an der Intervention im September kritisiert. Er vertritt noch stärker als der amtierende demokratische Finanzminister Lawrence Summers eine Politik des starken Dollar.

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