Erneute US-Angriffe
Bush droht Irak mit militärischen Konsequenzen

Reuters WASHINGTON. US-Präsident George W. Bush hat dem Irak mit militärischen Konsequenzen gedroht, sollte er Massenvernichtungswaffen entwickeln.

Auf seiner ersten Pressekonferenz nach der Amtseinführung sagte Bush am Donnerstag in Washington, er erwarte, dass der irakische Präsident Saddam Hussein ein friedlicher Nachbar in der Region sei und keine Massenvernichtungswaffen entwickle. Zuvor hatten am Donnerstag US-Kampfflugzeuge erstmals nach den Luftangriffen nahe Bagdad in der vergangenen Woche den Irak angegriffen. Es seien Ziele in der nördlichen Flugverbotszone getroffen worden, teilte das US-Militärkommando für Europa mit.

Es sei vorrangiges Ziel der USA, Saddam klar zu machen, dass er keine Massenvernichtungswaffen entwickeln dürfe, sagte Bush. Falls Saddam sich nicht daran halte, werde das Konsequenzen haben.

Bei dem Angriff vom Donnerstag habe es sich um Vergeltung für irakisches Flugabwehrfeuer und Radarerfassungen nahe Mosul gehandelt, teilte das US-Militär mit. Großbritannien sei nicht an dem erneuten Angriff beteiligt gewesen, verlautete aus britischen Militärkreisen. Die USA und Großbritannien haben in den vergangenen Jahren wiederholt Ziele in den Flugverbotszonen des Irak angegriffen. Die Zonen waren nach dem Golfkrieg 1991 von den Kriegssiegern im Süden und Norden eingerichtet worden. Der Irak erkennt sie nicht an. Ein irakischer Militärsprecher sagte der irakischen Nachrichtenagentur INA zufolge, westliche Kampfflugzeuge hätten den Luftraum seines Landes verletzt. Von Angriffen sprach der Irak nicht.

Ein ranghoher russischer Militärvertreter nannte die erneuten Angriffe barbarisch und unmenschlich. Sollten die USA so weitermachen, sei in Zukunft kein Staat vor US-Präsident Bush sicher, zitierte die Nachrichtenagentur Interfax Generaloberst Leonid Iwaschow. Die Vereinten Nationen (UNO) dürften solche Militäraktionen nicht durchgehen lassen.

Die weltweite Verurteilung der Luftangriffe vom vergangenen Freitag zeige, dass die US-Politik gegenüber dem Irak verfehlt sei und die Amerikaner mit ihrer Haltung zunehmend isoliert seien, sagte der stellvertretende irakische Ministerpräsident Tarik Asis am Donnerstag nach einem Gespräch mit dem russischen Nationalisten Wladimir Schirinowski in Bagdad. Asis äußerte die Hoffnung, die Sanktionen würden ausgehöhlt. Die UNO hatte 1990 nach dem Einmarsch des Irak in Kuwait Wirtschaftssanktionen gegen Irak verhängt.

Am vergangenen Freitag hatten amerikanische und britische Kampfflugzeuge erstmals seit 1998 Ziele nahe der irakischen Hauptstadt Bagdad und damit außerhalb der Flugverbotszonen angegriffen. Die Militäraktion war bei Russland, China, arabischen Staaten und dem NATO-Verbündeten Frankreich auf Kritik gestoßen. Nach irakischen Angaben starben bei dem Angriff zwei Menschen, mehr als 20 wurden verletzt. Die USA und Großbritannien hatten die Angriffe damit begründet, der Irak entwickle Massenvernichtungswaffen.

In Kreisen des US-Verteidigungsministerium und der Marine wurde unterdessen ein Bericht der "Washington Post" bestätigt, nach dem beim Angriff vom vergangenen Freitag viele Bomben ihr Ziel verfehlt hätten. Schuld sei unter anderem eine Funktionsstörung im Computersystem gewesen.

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