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Erneuter Anschlag in Nahost

In Jerusalem ist am Montag innerhalb einer neuen Frist zur Einhaltung einer Waffenruhe ein Bombenanschlag verübt worden.

Reuters JERUSALEM. Bei der heftigen Explosion einer Autobombe auf dem Parkplatz eines stark belebten Einkaufszentrums sei jedoch niemand verletzt worden, teilte die Polizei mit. Israel hatte am Vortag eine neue Frist von 48 Stunden zur Umsetzung der mit den Palästinensern vereinbarten Waffenruhe gesetzt. Beide Seiten werfen einander vor, sich nicht an die von Palästinenser-Präsident Jassir Arafat und Israels Außenminister Schimon Peres ausgehandelten Maßnahmen zur Umsetzung des Gewaltverzichts zu halten.

Die Explosion fand bei einem Einkaufszentrum an einer stark befahrenen Straße nach Bethlehem statt. Mehrere Autos seien von der Bombe in die Luft geschleudert sowie beschädigt worden, teilte die Polizei mit. Der Sprengsatz sei mittelgroß und mit der Munition von Maschinengewehren bestückt gewesen. Ein Augenzeuge sagte im Rundfunk: "Ich hörte eine mächtige Explosion, und dann stieg schwarzer Rauch auf." Sprengstoffexperten der Polizei durchsuchten die Gegend nach weiteren Bomben. Militante Palästinenser haben seit Beginn des Palästinenser-Aufstandes gegen die israelische Besatzung vor mehr als einem Jahr wiederholt Bombenattentate verübt.

Der Explosion war eine ungewöhnlich ruhige Nacht vorausgegangen, nachdem es trotz des Treffens von Arafat mit Peres vor fünf Tagen zu zahlreichen Zusammenstößen zwischen bewaffneten oder Steine werfenden Palästinensern und der israelischen Armee gekommen war. Dabei wurden 17 Palästinenser getötet. Die Armee marschierte am Sonntag Abend zudem erneut vorübergehend im Gaza-Streifen auf Gebiet ein, das nach den Vereinbarungen des Nahost-Friedensprozesses unter palästinensischer Verwaltung steht.

Die 1993 begonnenen Friedensverhandlungen liegen seit Beginn des Aufstandes brach. Nach den Anschlägen in New York und Washington am 11. September haben die USA jedoch ihren Druck auf die Konfliktparteien verstärkt, einen neuen Anlauf zu einer Lösung zu unternehmen und damit die Bildung einer internationalen Allianz in dem angekündigten Kampf gegen den Terrorismus zu erleichtern. Bundesaußenminister Joschka Fischer sollte am Montagabend zu entsprechenden Gesprächen über mögliche Maßnahmen gegen Terroristen nach Syrien und anschließend in den Libanon reisen. Die USA machen den moslemischen Extremisten Osama bin Laden für die Anschläge verantwortlich, bei denen vermutlich mehr als 6000 Menschen ums Leben gekommen sind.

Israel kündigte am Sonntag eine neuerliche Überprüfung der der Waffenruhe für am Dienstagabend an. Zugleich teilte die Armee mit, sie habe damit begonnen ihre Blockade palästinensischer Gebiete im Westjordanland und im Gaza-Streifen zu lockern. Palästinensische Augenzeugen sagten, davon sei nichts zu sehen. Die Lockerung der für die Palästinenser wirtschaftlich folgenreichen Blockade gehörte zu den Zusagen Peres' gegenüber Arafat. Israel warf zugleich der Palästinenser-Behörde vor, ihren Teil der Vereinbarungen nicht eingehalten und zehn militante Palästinenser nicht festgenommen zu haben, denen es die Vorbereitung neuer Anschläge vorwirft. Palästinenser-Vertreter sagten, die Sicherheitskräfte verhafteten nur Personen, die die Befehle Arafats zur Umsetzung der Waffenruhe nicht befolgten.

In Nordisrael bereiteten sich unterdessen israelische Araber auf eine Reihe von Gedenkmärschen und-feiern vor, um am Montag an die 13 Menschen zu erinnern, die vor einem Jahr bei Demonstrationen in Solidarität mit den Palästinensern von der israelischen Polizei getötet worden waren. Die Polizei sagte, sie werde alles tun, um neue Zusammenstöße zu vermeiden. Nach dem Tod der 13 Menschen hatten Vertreter der arabischen Gemeinden heftige Kritik an Israels Umgang mit der Minderheit im Land geübt. Seit Beginn des Aufstands am 28. September 2001 sind mehr als 770 Menschen ums Leben gekommen.

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