Erneuter Stellenabbau
Philips steuert auf rote Zahlen zu

Mit einem drastischen Gewinneinbruch und einem erneuten Stellenabbau erschreckt Philips Electronics seine Aktionäre. Die Börse in Amsterdam reagierte mit zweistelligen Kursabschlägen auf düstere Prognosen. Analysten hingegen reagieren gelassen. Der Konzern habe mit den sich rasant verschlechternden Märkten einfach Pech.

HB AMSTERDAM. Mit einem zweistelligen Kursabschlag reagierte die Aktie der Philips Electronics N.V. an der Amsterdamer Börse auf die Quartalsergebnisse, die viel schlechter als erwartetet ausgefallen sind. Die Anleger erschraken insbesondere darüber, dass der Amsterdamer Elektronikkonzern im zweiten Quartal wohl in die roten Zahlen rutschen wird. "Die düsteren Aussichten kommen schlecht an", sagte Frits de Vries, Analyst bei Rabo Securities. Bisher hatten Analysten erwartet, dass Philips in der Gewinnzone bleibe.

Der Markt sei unerwartet schnell "entsetzlich schlecht" gewesen, wodurch sich "enorme" Vorräte gebildet hätten, begründete Finanzvorstand Jan Hommen die Lage. Der Reingewinn schmolz um 90 % auf 0,1 (1,1) Mrd. Euro. Das Betriebsergebnis halbierte sich auf 332 Mill. Euro. Der Gewinn pro Aktie betrug 0,08 (0,89) Euro statt der von Analysten erwarteten 0,18 bis 0,30 Euro. Der Cash-Flow war mit 1 Mrd. Euro negativ. Das sei bei der starken Bilanz aber kein Problem, so Hommen.

Der US-Konjunkturrückgang werde weiterhin eine starke Preiserosion auf manchen Philips-Märkten bewirken. Daher werde das Ergebnis des zweiten Quartals vor Sonderposten voraussichtlich negativ sein, sagte Hommen. "Wir müssen die Produktionskapazität zurückfahren und die Vorräte verringern." Dafür angepeilte Aufwendungen von 350 Mill. Euro werden Philips noch tiefer in die roten Zahlen drücken.

Der niederländische Konzern will bis zu 7 000 Stellen abbauen. Zudem spart der Bereich Bauelemente 1 300 Mitarbeiter bei Subunternehmen ein. Die Mobilfunktochter PCC hat bereits 1 300 Zeitverträge nicht verlängert. Das Investitionsvolumen stutzt Philips auf 2,5 (3,5) Mrd. Euro. Hommen betonte, Philips werde mittelfristig seine Ziele erreichen und unter anderem den Gewinn pro Aktie im Mehrjahresdurchschnitt um jährlich 15 % steigern. Um das sicherzustellen, werde Philips das Portfolio weiter durchkämmen.

Die Sanierung solle man nicht dramatisieren, urteilten Analysten. Philips sei in einer viel besseren Verfassung als vor Jahren und habe einfach Pech mit den sich unglaublich schnell verschlechternden Verbrauchermärkten. Dass der Konzern nicht mehr als 3 % seiner Stellen abbaue, deute darauf hin, das er mit einer relativ zügigen Markterholung rechne, meinte Steven Vrolijk, Analyst beim Investmenthaus ING Barings. Ein stärkerer Stellenabbau sei nicht sinnvoll, weil sonst bei auflebenden Märkten Personal fehlen würde. Zur Zeit habe Philips kaum Einfluss auf die Ergebnisverbesserung, urteilten manche Analysten. Sie hänge vor allem von der Erholung der Telekom - und PC-Märkte ab. Für das dritte Quartal schraubten sie ihre Prognosen herunter. Noch im zweiten Quartal will Philips Maßnahmen gegen strukturell schwache Bereiche in den Sparten Bauelemente und Verbraucherelektronik ankündigen, die wie erwartet in die Verlustzone rutschten. Dazu könnte der Verkauf der Mobilfunktochter PCC gehören, die mit 118 Mill. Euro im Minus ist. Philips erwägt auch den Börsengang der Navigationstechnologie zum Jahresende. Der Verbraucherelektronik-Bereich Massenprodukte werde sich im zweiten Halbjahr durch Kostensenkungen und einen guten Produktmix erholen, sagte Hommen.

Positiv beurteilten Analysten die Halbleitersparte, die 70 % des Ergebnisses lieferte. Ihr Resultat sank um nur 4 % statt der von Philips angekündigten 10 %. Die Preiserosion werde zwar zunehmen, aber Philips werde dieses Jahr fünf Prozentpunkte besser abschneiden als der Markt, sagte Hommen, ohne eine konkrete Prognose zu geben.

Philips sei in einem langfristigen Wachstumsmarkt aktiv und arbeite bei Halbleitern überdurchschnittlich gut, bestätigte Marco Schram von der Delta Lloyd Bank.



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