"Ernsthafte Bedrohung des Weltfriedens": Nordkorea hat Atomreaktor angefahren

"Ernsthafte Bedrohung des Weltfriedens"
Nordkorea hat Atomreaktor angefahren

Der umstrittene Reaktor sowjetischer Bauart in Yongbyon ist Medienberichten zufolge wieder am Netz. Die US-Regierung spricht von einer Provokation.

dpa SEOUL/WASHINGTON. Nordkorea hat nach US-Medienberichten seinen umstrittenen Atomreaktor in Yongbyon wieder angefahren. Das amerikanische Außenministerium bestätigte diese Information zunächst nicht. Sollte der Reaktor wieder am Netz sein, sei dies "ein weiterer Schritt in einer Serie provokativer Gesten Nordkoreas", sagte der Sprecher des US-Außenministeriums, Lou Fintor. Die südkoreanische Regierung versuchte am Donnerstag herauszufinden, ob die Berichte über die Wiederinbetriebnahme des Reaktors stimmen.

Nordkoreas Ankündigung im Dezember, seine seit acht Jahren ausgeschalteten Atomanlagen zur Stromerzeugung wieder anfahren zu wollen, hatte international große Besorgnis ausgelöst. In Südkorea und den USA besteht der Verdacht, die alten Anlagen sowjetischer Bauart könnten dem nordkoreanischen Atomwaffenprogramm dienen. Der Fünf-Megawatt-Versuchsreaktor in Yongbyon ist nach Ansicht südkoreanischer und US-Experten zur Gewinnung bedeutsamer Strommengen viel zu klein. Der nordkoreanische Reaktortyp kann kernwaffentaugliches Plutonium produzieren.

Im Atomzentrum in Yongbyon nördlich von Pjöngjang lagern außerdem 8000 abgebrannte Brennstäbe, aus denen nach Ansicht von Experten innerhalb kurzer Zeit Plutonium für bis zu sechs Atombomben gewonnen werden könnte. Den Berichten aus den USA zufolge wurde jedoch eine Wiederaufarbeitungsanlage in Yongbyon bisher nicht wieder in Betrieb genommen.

Er könne die Berichte aus den USA bisher nicht bestätigen, sagte der neue südkoreanische Ministerpräsident Goh Kun am Donnerstag in Seoul. "Nordkoreas Atomprogramm stellt eine ernsthafte Bedrohung des Weltfriedens dar", sagte Goh kurz nach seinem Amtsantritt am selben Tag. Es werde eine vorrangige Aufgabe der neuen Regierung sein, die nordkoreanische Nuklearfrage in enger Zusammenarbeit mit den USA zu lösen. Südkoreas neuer Präsident Roh Moo Hyun, der erst am Dienstag seinen Amtseid abgelegt hatte, wollte noch im Verlauf des Tags in Absprache mit Goh die Minister seines ersten Kabinetts berufen.

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