Ernst&Young visiert Großunternehmen an
Prüfer über „Fusion unter Gleichen“ einig

Die Wirtschaftsprüfer Ernst & Young und Andersen wollen den Marktführern KPMG und PWC heftige Konkurrenz machen. Ihre Wunschkunden sind die im Dax-30 notierten Großunternehmen.

brb STUTTGART. In den Markt der großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften kommt Bewegung. Am Wochenende haben Ernst & Young und Andersen Deutschland den Zusammenschluss besiegelt. Andersen geht unter das Dach der Stuttgarter Ernst & Young, die zur Nummer drei im deutschen Prüfungsmarkt aufsteigt. Ernst & Young will künftig zu den Branchenführern KPMG und PWC stärker in Konkurrenz treten.

Herbert Müller , Chef von Ernst & Young, sprach am Montag bei der Fusionsbekanntgabe von einer " historischen Chance." "Wir sind jetzt annähernd gleich groß wie KPMG und PWC", erklärte er. Den großen Wachstumssprung will er dazu nutzen, neue Kunden vor allem unter den im Dax-notierten Unternehmen zu gewinnen.

Bisher sind Andersen wie auch Ernst & Young im gehobenen Mittelstand tätig. Andersen kann mit SAP bisher unter den Dax-30 nur einen Kunden vorweisen, Ernst & Young besitzt ein Teilmandat bei der Deutschen Telekom. Auch unter den im M-Dax notierten 70 Unternehmen sieht es kaum besser aus. Jeder der Fusionspartner kommt jeweils auf drei Mandate. Bisher teilen sich die großen Dax-Unternehmen fast ausschließlich KPMG und PWC.

In den vergangenen Tagen war allerdings auch Kritik an dem Zusammenschluss von Ernst & Young und Andersen laut geworden. Wolfgang Lück vom Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre der TU in München kritisierte, dass es nach der Fusion nicht mehr fünf sondern nur noch vier große Gesellschaften gebe und die Auswahl für Konzerne dadurch geringer werde.

Mit dem Zusammenschluss mit Ernst & Young ist nun das Schicksal der Andersen Deutschland entschieden. Nach der Enron-Pleite Ende 2001 geriet der Wirtschaftsprüfer Andersen mit ins Trudeln. Andersen-Mitarbeiter wird vorgeworfen, Beweismaterial für Bilanzfälschungen bei Enron vernichtet zu haben. Das weltweite Netzwerk der Andersen-Firmen zerbrach daraufhin.

"Die nationalen Gesellschaften müssen sich ein neues Netzwerk suchen", sagte Christoph Groß, Chef der Andersen Deutschland. Nachdem in den wichtigen Nachbarstaaten Frankreich und Schweiz die Andersen-Gesellschaften sich zu Gunsten Ernst & Young entschieden haben, zeichnete sich auch in Deutschland ein solche Lösung ab. "Zwischen diesen Ländern gibt es große Wechselwirkungen", sagte Groß.

Ernst & Young und Andersen planen zum 1. Juli 2002 eine Fusion unter Gleichen. Müller bleibt Chef von Ernst & Young, Groß wird sein Stellvertreter und Chief Operating Officer (COO). Beide Firmen kommen gemeinsam auf 931 Mill. Euro Umsatz und auf 7565 Mitarbeiter.

Die EU-Kommission muss der Fusion noch zustimmen. Müller rechnet mit keinem Hindernis, da sich die Andersen-Gesellschaften in Europa etwa gleichstark auf Ernst & Young und auf Deloitte & Touch (DTT) aufgeteilt haben.

Etwas mehr Sorgen machen sich die Fusionspartner zur Durchgriffshaftung auf Grund der Enron-Pleite auch auf die Andersen Deutschland. Obwohl es in den USA keinen Präzedenzfall gebe, sei Vorsorge getroffen worden, sagt Groß. "Die Andersen GmbH bleibt deshalb so lange bestehen, bis diese Frage geklärt ist", sagte Groß. Das operative Geschäft dagegen werde nach der Zustimmung aus Brüssel an Ernst & Young verpachtet.

Stolz sind Groß und Müller, dass die je 250 Partner fast einstimmig für die Fusion sind. Die Anwaltsfirmen der beiden Gesellschafter wollen in den nächsten vier Wochen über ein Zusammengehen entscheiden. Mit einem Ja wird gerechnet.

Quelle: Handelsblatt

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