Eröffnung kaum vor 2011
Durchbruch für Berliner Großflughafen in Sicht

Nach langen Querelen um den Ausbau des Flughafens Schönefeld zum Airport Berlin-Brandenburg bahnt sich eine Einigung an. Das milliardenschwere Projekt wird jedoch erst später umgesetzt.

BERLIN/DÜSSELDORF. Das umstrittene Milliardenprojekt des Großflughafens Berlin-Brandenburg International (BBI) hat offenbar eine wichtige Hürde genommen. Am Freitag will der Aufsichtsrat der Projektplanungsgesellschaft Schönefeld (PPS) entscheiden, ob er das Kauf- und Ausbauangebot des Industriekonsortiums um die Konzerne Hochtief und IVG annimmt. Eine Ablehnung gilt inzwischen als unwahrscheinlich, erfuhr das Handelsblatt aus Kreisen der Flughafen-Gesellschafter. Das Investitionsvolumen des Projekts liegt bei 2,7 Mrd. Euro.

"Wir bleiben mit Hochtief und IVG im Gespräch", hieß es. Damit könnten nach den bisherigen Vorgesprächen dann die offiziellen Verhandlungen mit dem Konsortium beginnen, unter welchen Bedingungen der ehemalige DDR-Staatsflughafen Schönefeld zum Großflughafen Berlin ausgebaut wird. Bisher soll der neue Großflughafen zum Winterflugplan 2007/2008 eröffnet werden. Das Konsortium hatte jedoch bereits letzten Herbst eine Airporteröffnung erst für 2011 favorisiert.

Nach den Terroranschlägen des 11. Septembers sei erst ab 2011 in Berlin mit jenen 20 Millionen Passagieren zu rechnen, die bislang als Grundlage für den Schönefeld-Ausbau galten. So ging das Passagieraufkommen an den Berliner Flughäfen von September bis Dezember 2001 um 15 % zurück. Insgesamt zählten die Airports Tegel, Tempelhof und Schönefeld 2001 rund 12,6 Millionen Passagiere bei 4 Mill. Euro Umsatz, 2,4 % weniger als im Vorjahr.

Nach monatelangen Auseinandersetzungen hinter verschlossenen Türen hatte Hochtief am Montag den Druck auf die Berlin-Brandenburger Politik verstärkt. Hochtief-Chef Hans-Peter Keitel sagte in Mexiko auf der Südamerika-Reise mit Bundeskanzler Schröder zur Nachrichtenagentur vwd: "Das ist für beide Seiten die letzte Chance." Weitere Nachbesserungen des Angebots schloss er aus.

Dem Aufsichtsrat der PPS liegen zwei Angebotsvarianten vor - ein Kaufangebot und ein Pachtangebot. Beide Offerten sehen eine kräftige staatliche Beteiligung an den Investitionen vor. Unklar ist, woher das öffentliche Geld kommen soll. So sind die ursprünglichen, stark umstrittenen Pläne Berlins und Brandenburgs zu einer neuartigen Passagiergebühr von jeweils 16,80 DM vom Tisch. Stattdessen soll die reguläre Flughafengebühr je Fluggast um 5 Euro erhöht werden. Über die Konzessionsdauer entsteht damit ein in die Millionen gehender Fehlbetrag.

Die sich anbahnende Entscheidung, mit Hochtief und IVG weiter zu verhandeln, würde Spekulationen beenden, dass die rot-rote Berliner Regierung aus einer Flughafen-Privatisierung aussteigen will. Im Konsortium heißt es, dass in einem solchen Fall Regress-Ansprüche in dreistelliger Millionenhöhe geltend gemacht würden.

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