"Erpressung" und "Daumenschrauben"
Hitzige Internet-Diskussion bei den Grünen

"Bin Ladens Dank", "Machtgeile Parteispitze" und vorsorglich eine "Grabesrede": auf der Diskussionsseite der Grünen im Internet regiert seit ein paar Tagen Hohn, Spott und Zynismus. Die virtuellen Kritiker nehmen auch Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) ins Visier.

dpa BERLIN. "Er presst das letzte Quäntchen Glaubwürdigkeit aus den Grünen heraus", heißt es zur Vertrauensfrage Schröders an diesem Freitag. Schröder - das sei ein "brutaler Brachialpolitiker", meint einer der Schreiber.



"Die Eingänge sind in den letzten Wochen deutlich angestiegen", sagt Peter Kühnlein von der Internet-Redaktion der Grünen am Donnerstag. Das Forum "Konsequenzen aus dem Terror" sei jenes, in dem sich gegenwärtig die größten Diskussionen abspielten. Ein erster Anstieg habe allerdings schon mit dem 11. September und den Terroranschlägen in den USA begonnen.



Der Zorn vieler Schreiber richtet sich auf die jüngste Entwicklung der Grünen. Bei der Gründung der Grünen habe es Leute gegeben, die mit der "Philosophie" und den Themen der "althergebrachten" Parteien nicht einverstanden waren, beklagt einer der Diskutanten. "Mittlerweile geht es um nichts anderes mehr, als um das Mitregieren, den Machterhalt ums Verrecken - im wahrsten Sinne des Wortes."



Andere wenden sich "mit Grausen vom erbärmlichen Schauspiel grünen Gezappels ab", wie Rolf Tybl. Im Schlusssatz seiner mit "In Schröders Hintern ist gut überwintern" überschriebenen Mitteilung kündigt er seinen Parteiaustritt an. Außenminister Joschka Fischer sowie die Fraktionschefs Rezzo Schlauch und Kerstin Müller seien "sooooooo machtgeil, dass sie alles machen würden, "um noch ein paar Monate am Geruch des großen politischen Einflusses schnüffeln zu können", stellt Alexander Schratt fest.



Etlichen Teilnehmern an der Internet-Diskussion geht es aber offensichtlich nicht nur darum, ihren Frust loszuwerden. Viele fordern mit Blick auf die mögliche Teilnahme der Bundeswehr am Anti- Terror-Kampf mehr Realitätssinn der Grünen: "Werdet endlich erwachsen." Und: "Was ihr da macht ist politisches Harakiri!" Terroristenführer Osama bin Laden und seine Hintermänner würden den Grünen und der PDS für ihre Bemühungen danken und sie als wertvolle Helfer für die Ziele seiner Terrororganisation El Kaida schätzen, meint ein Schreiber.

Schröders Vertrauensfrage ist dagegen für einige "Erpressung" oder eine "Daumenschraube". Dennoch herrscht bei der Vertrauensfrage und der damit verbundenen Bereitstellung deutscher Soldaten keine Einigkeit. Manche fordern, mögliche Abweichler aus der Partei zu werfen, andere stärken ihnen den Rücken: "Mut zum Nein!" Für einige hat der Untergang der Grünen schon begonnen. Jürgen Wolther etwa schloss seine Mitteilung mit den Worten: "Ruhet in Frieden Grüne."

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