Erreger wurden weltweit verkauft
Verdacht: Milzbranderreger aus US-Militärlabor

Die in den USA aufgetauchten tödlichen Milzbranderreger stammen nach Angaben einer französischen Wissenschaftlerin aus US-Labors. Genetische Analysen deuteten darauf hin, dass es sich bei den gefundenen Sporen um den 1950 in US-Militärlabors isolierten "Ames"-Stamm handele, sagte Michèle Mock vom Pariser Pasteur-Institut der Zeitung "Le Parisien".

afp PARIS/WASHINGTON. Die Bakterien seien jahrelang in alle Welt verkauft worden. Nach Angaben Mocks entwickelte das Pasteur-Institut an Mäusen einen Impfstoff gegen Milzbrand. Dessen Ungefährlichkeit für Menschen müsse aber noch erforscht werden. US-Präsident George W. Bush zeigte sich trotz der bislang erfolglosen Fahndung nach den Tätern zuversichtlich, dass diese gefasst würden. In Pakistan erhielt die größte Tageszeitung nach eigenen Angaben einen Milzbrand-Brief.

Mock berief sich bei ihren Angaben auf informelle Gespräche mit US-Wissenschaftlern. So habe das Seuchenkontrollzentrum in Atlanta im US-Bundesstaat Georgia herausgefunden, dass das erste Milzbrandopfer Anfang Oktober in Florida an Sporen des "Ames"-Stammes gestorben sei, sagte die französische Milzbrandexpertin. Die Sporen, die bei den anderen Opfern gefunden wurden, seien vom selben Stamm, fügte sie unter Berufung auf andere US-Mikrobiologen hinzu.

Der "Ames"-Bakterienstamm gehört Mock zufolge zu den weltweit gefährlichsten. Er sei erstmals 1950 in einer Forschungseinrichtung in Ames im US-Bundesstaat Iowa isoliert worden. Das US-Militärlabor habe den Anthrax-Stamm jahrelang an "zahlreiche staatliche und private Labors in aller Welt" verkauft. Viele Labors in Asien, Afrika und aus dem Mittelmeerraum hätten die Sporen gekauft, um ein Gegenmittel für den bei Tieren verbreiteten Milzbrand zu entwickeln. Auch US-Labors gehörten zu den Kunden. Laut Mock wirkt das "Ames"-Bakterium schnell tödlich, sobald es in den Organismus eingedrungen ist. Allerdings könne es mit klassischen Antibiotika behandelt werden. Der am Pariser Pasteur-Institut entwickelte Impfstoff wirke bei Mäusen, die mit dem Milzbranderreger kontaminiert wurden. Für Menschen gibt es bislang keinen Impfstoff gegen Milzbrand.

Verseuchter Brief

Der Verleger der pakistanischen Zeitung "Jang" bestätigte den Eingang eines verseuchten Briefes. Ein Reporter in Karachi habe in der vergangenen Woche einen Umschlag mit positiv getestetem Pulver erhalten. Keiner der Mitarbeiter habe sich infiziert. Sicherheitshalber würden aber alle mit Antibiotika behandelt. In der vergangenen Woche war in Karachi auch ein Bankangestellter mit Verdacht auf eine mögliche Anthrax-Infektion in ein Krankenhaus eingeliefert worden. Sein Zustand war am Freitag nach Angaben seines Arztes nicht lebensbedrohlich.

Milzbranderreger waren in den vergangenen Wochen in den USA unter anderem in Medienhäusern, Postgebäuden, dem Kongress in Washington und den Poststellen von Regierungseinrichtungen aufgetaucht. Insgesamt wurden seit Anfang Oktober in fünf US-Bundesstaaten 16 Fälle von Milzbrand-Erkrankungen festgestellt, vier Menschen starben.

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