Ersatzkassen wollen Beiträge nicht erhöhen
Krankenkassen-Defizit über zwei Milliarden Euro

Die gesetzliche Krankenversicherung hat im ersten Halbjahr 2002 ein Defizit von mehr als zwei Milliarden Euro erwirtschaftet und damit das Minus im Vergleich zum ersten Quartal mehr als verdoppelt.

Reuters/dpa BERLIN. In der gesetzlichen Krankenversicherung ist laut einem Zeitungsbericht in der ersten Hälfte dieses Jahres ein Defizit von mehr als zwei Milliarden Euro aufgelaufen. Nach Einschätzung des Bundesgesundheitsministeriums werden die Kassen Ende des Jahres aber ein ausgeglichenes Ergebnis vorlegen können. Im zweiten Halbjahr hätten die Kassen größere Einnahmen zu erwarten, sagte Ministeriumssprecherin Annelies Ilona Klug am Freitag in Berlin.

Die von der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ/Freitag) unter Berufung auf Berechnungen der Krankenversicherungen veröffentlichten Zahlen wollte Klug nicht bestätigen. Sie verwies darauf, dass Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) am Montag die offiziellen Zahlen über die Ausgabenentwicklung im ersten Halbjahr vorlegen werde.

In Kassenkreisen hieß es, die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) hätten von Januar bis Juli rund 850 Millionen Euro mehr ausgegeben als eingenommen. Ein Sprecher des Verbands der Angestellten-Krankenkassen bezifferte das Defizit der Ersatzkassen auf 1,08 Milliarden Euro. Die Arbeiter-Ersatzkassen hätten ein Minus von 45 Millionen Euro erwirtschaftet. Das Defizit der Innungskrankenkassen (IKK) liegt nach deren Angaben bei 55 Millionen Euro. Im ersten Quartal hatte das Minus rund 860 Millionen Euro betragen. Die Kassen beklagen, dass trotz Sparvorgaben des Bundesgesundheitsministeriums die Ausgaben für Arzneimittel weiter gestiegen sind.

Die großen Ersatzkassen wie Barmer, Techniker Krankenkasse, Deutsche Angestellten-Krankenkasse (DAK) hatten vergangene Woche erklärt, trotz des Defizits stünden keine weiteren Steigerungen der Beitragssätze an. Ähnlich äußerte sich auch die IKK. Durch Rückzahlungen aus dem Risikostrukturausgleich der Krankenkassen werde sich das Defizit zum Jahresende verringern oder ausgleichen, hieß es bei den Kassen. Die Krankenkassen setzen auch auf Zuflüsse aus den Einmalzahlungen wie Weihnachtsgeld. Wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage haben allerdings einige Unternehmen angekündigt, das Weihnachtsgeld zu streichen.

Die Gesamtzahlen aller gesetzlichen Kassen werden am kommenden Montag vom Bundesgesundheitsministerium veröffentlicht. Bei Vorlage der Zahlen des ersten Quartals im Juni hatte das Ministerium erklärt, die Kassen würden zum Jahresende wieder schwarze Zahlen schreiben. Die gesetzlichen Krankenkassen hatten im vergangenen Jahr zum ersten Mal seit fünf Jahren mit einem Defizit abgeschlossen.

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