"Erschreckende Bilanz"
Schmidt-Bank vor hartem Sanierungskurs

Mit einem knallharten Sanierungskurs will der neue Schmidt-Bank-Chef Paul Wieandt das schwer angeschlagene Hofer Bankhaus retten.

dpa NÜRNBERG. Bis zu 850 der rund 2 000 Beschäftigten werden ihren Job verlieren. Die Hälfte der 120 Filialen soll geschlossen werden. Nahezu alle Beteiligungen und Immobilien stehen zum Verkauf. Die Bank habe Zukunft, müsse sich aber ganz auf das Kerngeschäft, den Vertrieb von Bankprodukten, konzentrieren, sagte Wieandt am Mittwoch in Nürnberg. "Die Bilanz ist erschreckend. Die Bank ist in einem weit schlechteren Zustand als gedacht."

Der Aufsichtsrat hat das Sanierungskonzept, das bis Ende 2003 umgesetzt werden soll, am vergangenen Freitag einstimmig gebilligt. Die in Bayern, Sachsen und Thüringen tätige Schmidt-Bank GmbH & Co. KGaA (Hof/Saale) war von den deutschen Großbanken durch die Gründung einer Auffanggesellschaft gerettet worden. Sie soll nun durch den Einlagensicherungsfonds der privaten Banken mit rund 1,2 Milliarden Euro wieder auf Kurs gebracht werden.

Kernpunkt der Sanierung ist die Neuausrichtung des Vertriebs auf attraktive Kundensegmente. Im Firmenkundengeschäft will die SchmidtBank eine «stringente Risikopolitik» betreiben und keine Einzelkredite über 20 Millionen Euro mehr vergeben.

"Der Erhalt des Kerngeschäfts ist möglich. Über den Erfolg entscheiden die Kunden", sagte Wieandt. Die Traditionsbank werde flächendeckend vertreten bleiben. Mit einer strikten Ausrichtung auf den Vertrieb solle das Kerngeschäft bis 2005 an eine "schwarze Null" herangeführt werden. Wieandt sprach von "schmerzlichen Einschnitten", die sozialverträglich gestaltet würden. Die Bank habe jedoch zu hohe laufende Kosten, die jährlich ein Defizit von 30 Millionen Euro brächten. Welche Filialen geschlossen werden, stehe noch nicht fest.

In nüchternen Worten zeichnete der nach dem Ausscheiden von Bankier Karl-Gerhard Schmidt als Sanierer geholte neue Vorstandschef das Desaster des oberfränkischen Geldinstitutes nach. Unabhängige Prüfer hatten das Institut in den vergangenen Monaten durchleuchtet. Ergebnis: Die Wertberichtigungen im Kreditgeschäft liegen bei 700 Millionen Euro und damit mehr als drei Mal höher als erwartet. Betroffen seien damit rund 40 Prozent des Kreditvolumens.

Der Verlust in 2001 werde bei etwa 1,2 Milliarden Euro liegen. "Das Grundkapital ist total verloren", sagte der Vorstandschef. Der Einlagensicherungsfonds stellt der Bank rund 900 Millionen Euro zur Verlustdeckung und bis zu 300 Millionen Euro zur Rekapitalisierung zur Verfügung. Die Restrukturierungskosten bezifferte Wieandt mit 200 Millionen Euro.

Nahezu alle Beteiligungen sollen abgestoßen werden. Für den Verkauf des Online-Brokers Consors, an dem die Bank 64,5 Prozent hält, sollte das Bieterverfahren bis Ende März abgeschlossen sein. Man erwarte durch die Verkaufserlöse aber keine nennenswerten Veränderungen der Verlustzahlen: "Die Bank hat die Bewertungsspielräume bei fast allen Wirtschaftsgütern nach oben extensiv ausgeschöpft."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%