Erst 60% der Anteilseigner befürworten Superbörse iX
Experten raten zu Absage der Börsenfusion London-Frankfurt

afp LONDON/FRANKFURT. Die Fusion der Börsen London und Frankfurt am Main zur größten Börse Europas gerät in immer schwereres Fahrwasser. Britische Finanzexperten nannten in einer Studie das geplante Zusammengehen der London Stock Exchange (LSE) und der Deutsche Börse AG zur Europabörse International Exchanges (iX) "schlecht geplant". Das Vorhaben sollte abgebrochen werden, zitierte die britische Zeitung "Daily Telegraph" am Montag aus einem Bericht der Denkfabrik Centre for the Study of Financial Innovation (CSFI).

Der erhoffte Hauptvorteil von iX - die Schaffung effizienterer Aktienmärkte - werde sich kaum realisieren lassen, urteilte das renommierte Forschungszentrum der Londoner City. Verschiedene Anteilseigner der Londoner Börsengesellschaft verlangen Presseberichten zufolge derweil eine Sonderdividende für ihre Zustimmung zur Fusion.

Sonderausschüttung als Bedingung für Zustimmung zur Fusion

Das CSFI betonte, dem Aktienmarkt sei besser gedient, wenn die beiden Börsen getrennt blieben. Die bisherigen Pläne versprächen nicht die benötigte einheitliche Infrastruktur für den Aktienhandel. Experten zitierten gegenüber dem "Handelsblatt" die Befürchtungen aus Londoner Finanzkreisen "vor dem Abstieg in eine Liga mit Frankfurt". Im Wirtschaftsblatt "Wall Street Journal Europe" hieß es, vor allem die kleineren Anteilseigner der LSE sähen ihre Gesellschaft in der fusionierten Börse unterbewertet.

Sie forderten für ihre Zustimmung eine Sonderausschüttung von zehn Pfund (32,32 Mark) je Anteilsschein. Sollte sich die Aktionärsgruppe durchsetzen, käme demnach eine Zusatzbelastung von fast 300 Millionen Pfund (fast 970 Millionen Mark) auf iX zu. Die Zeitung zitierte allerdings einen Sprecher der Londoner Börse, der Nachverhandlungen als nicht mehr machbar erachtete.

Mit dem Zwist wächst der Druck auf LSE-Chef Don Cruickshank. Er muss bis zum 14. September mindestens 75 % der Anteilseigner von der Fusion überzeugen, hat britischen Presseinformationen zufolge aber erst knapp 60 Prozent sicher. Anders als bei der Deutschen Börse AG befinden sich etwa ein Drittel der LSE-Anteile im Besitz kleinerer Börsenhändler. Zeitgleich zur LSE-Hauptversammlung werden Mitte September auch die Gesellschafter der Deutschen Börse AG um ihre Zustimmung zur Börsenfusion gebeten.

Kontrollmaßnahmen für Superbörse angekündigt

Unterdessen kündigten die zuständigen Börsenaufsichtsbehörden die Schaffung von sechs Arbeitsgruppen an, um im Zuge der Börsenfusion für einheitliche Kontrollregeln zu sorgen. Es gelte, gemeinsam gegen Insider-Handel und Marktmissbrauch vorzugehen und sich für Markttransparenz und Anlegerschutz einzusetzen, betonten das Hessische Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung, das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel und die britische Financial Services Authority.

Die Superbörse iX soll ihren Sitz in London haben und zusammen mit der amerikanischen Technologiebörse Nasdaq zudem in Frankfurt einen Markt für Wachstumswerte etablieren. Am Wochenende zeigte sich Nasdaq-Chef Frank Zarb entschlossen, auch bei einem Scheitern des iX-Vorhabens einen europäischen Nasdaq-Ableger zu gründen.

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