Erst die Hälfte mittelständischer Unternehmem ist im Internet präsent
Der Mittelstand übt sich im E-Commerce in Zurückhaltung

Beim Thema E-Commerce denkt man an weltweit agierende Großunternehmen, die mit Branchenpartnern noch größere Handelsplattformen gründen. Auf der anderen Seite gibt es die so genannten Dotcoms der New Economy, die mit originellen Geschäftsideen Produkte und Dienstleistungen über das Internet an den Mann oder die Frau bringen. E-Commerce und Mittelstand gehen dagegen für die meisten Branchenkenner noch nicht zusammen.

Wer den traditionellen Vertreter des Mittelstandes auf Business-to-Business-Ebene für E-Commerce-Lösungen gewinnen will, muss gegen einige Vorbehalte kämpfen. Hans Gorgrewe, Vertriebsleiter von Infor Business Solutions , berichtet in seinem Vortrag "e-Commerce im Mittelstand" auf dem komm-Kongress vom 19. bis 21. Septeber in Düsseldorf über die Schwierigkeit seiner Aufgabe. Das Unternehmen von Gogrewe hat sich darauf spezialisiert, E-Commerce-Lösungen für den Mittelstand anzubieten. "Der Mittelstand ist eine schwierige Klientel für E-Commerce. Anders als die Gründer von Start-Ups sind die Inhaber mittelständischer Firmen keine Computer-Freaks. Oftmals ist ihre Kenntnis über das Internet rudimentär", weiß Gogrewe zu berichten.

Einer Empirica-Studie zufolge verfügen bisher 67 % der kleinen und mittelständischen Unternehmen (KUM) über einen Zugang zum Internet. Deutsche mittelständische Betriebe liegen demnach im europäischen Vergleich nur auf Platz Fünf. Einem stärkeren Engagement der Mittelständler in der Internet-Wirtschaft steht die "ernüchternde gegenwärtige Realität" gegenüber, so die Studie.

Die Argumente: Produkte ungeeignet, Kunden unaufgeschlossen

Warum sich der deutsche Mittelstand bisher nur verhalten im E-Commerce engagiert, führen Experten auf zwei Hauptgründe zurück: Zum einen glauben die meisten nicht an Wettbewerbsvorteile durch den Handel über das Internet, zum anderen schrecken viele Mittelständler vor den nicht unerheblichen Kosten für Implementierung und Pflege eines E-Commerce-Angebotes zurück.

Über die Hälfte der KUM glaubt nach Einschätzung von Gorgrewe, dass das elektronische Geschäft nicht zu ihrem Produkt passt. Ein Fünftel meint, die Akzeptanz bei ihren Kunden für E-Commerce-Geschäfte sei zu gering. Den einzigen Nutzen, den sich die meisten kleinen und mittelständischen Unternehmen von einer Webpräsenz erhoffen, ist ein besseres Firmenimage durch Werbung und Marketing über das Internet. Nur knapp die Hälfte der KUM ist daher mit einer eigenen Homepage im Internet vertreten. Davon nutzen aber nur 32 % das Internet für ihre Geschäfte.

Kein Know-how und keine finanziellen Mittel

Doch selbst diejenigen Unternehmen, die einen Online-Shop aufmachen wollen, haben es nicht leicht. Zum einen fehlt es am technischen Know how, zum anderen an der Bereitschaft, in E-Commerce zu investieren. Lars Lehmann von Hybris, dem Software-Anbieter von Komplett-Lösungen für Shop-Systeme, weiß aus Erfahrung, "dass Mittelständler oft hochfliegende Erwartungen haben, aber dann nicht bereit sind, dafür zu zahlen." Sein Unternehmen setzt deshalb auf modulare Shop-Systeme. So soll der Mittelstand an E-Commerce herangeführt werden. Hybris bietet für kleinere Unternehmen eine "Starter Edition", die bei Bedarf aufgestockt werden kann. "Bei einem Upgrade auf eine leistungsfähigere Version kann der bestehende Shop mit allen Daten weiter genutzt und erweitert werden", heißt es bei Hybris. Auch Infor bietet Lösungen von verschiedenem Umfang an, die sich e-Business small, medium und plus nennen.

Initiativen und Wettbewerbe für größeres Engagement im E-Commerce

Einfache Shop-Systeme bietet inzwischen auch der Bundesverband der mittelständischen Wirtschaft (BVMW) auf seiner Homepage an. Außerdem soll durch Initiativen und Wettbewerbe der Mittelstand an das Thema E-Commerce herangeführt werden. Der Zukunftswettbewerb für den Mittelstand oder die Initiative WLW.de: Mittelstand ans Netz sind nur zwei Reaktionen auf die Erkenntnis, dass "der Mittelstand aufpassen muss, dass der Zug nicht bald abgefahren ist", beendet Gogrewe seine Ausführungen.

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