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Erst drittes „Ost-Gastspiel“ der DFB-Elf

Die Schüssel in der Schüssel wird erstmals voll sein. Wenn Kapitän Michael Ballack die Fußball- Nationalmannschaft ins neue Leipziger Zentralstadion führt, kocht auch ein Stückchen deutsch-deutsche Historie mit hoch.

dpa LEIPZIG. Die Schüssel in der Schüssel wird erstmals voll sein. Wenn Kapitän Michael Ballack die Fußball- Nationalmannschaft ins neue Leipziger Zentralstadion führt, kocht auch ein Stückchen deutsch-deutsche Historie mit hoch.

"Das ist mehr als selbstverständlich. Wir wollen, dass die Leute ein großes Erlebnis haben. Das ist vielleicht auch ein kleiner Motivationsschub bei allen Problemen, die sie haben", erklärte Bundestrainer Jürgen Klinsmann zum erst dritten "Ost-Gastspiel" einer DFB-Elf nach der Wiedervereinigung.

Am 14. Oktober 1992 traf das Team in Dresden auf Mexiko (1:1). Nach dieser Premiere rollte der Länderspielfußball wegen maroder Stadien und fehlender Infrastrukturen an den neuen Ländern vorbei. Nur eine Partie am 27. März 2002 in Rostock gegen die USA (4:2) bildete die Ausnahme. Eine geplante Vereinigungspartie DDR gegen BRD war 1990 nach dem Tod eines Fans in Leipzig wegen Sicherheitsbedenken abgesagt worden.

Erst mit der Bewerbung und dem Zuschlag für die WM 2006 kam die "Heldenstadt" Leipzig wieder ins Spiel, wo sich im Herbst 1990 der DFB und der Deutsche Fußball-Verband (DFV) der DDR ohne Spiel vereinigt hatten. Der ehemalige Verbandspräsident Egidius Braun hatte die deutschen WM-Ambitionen von einem Spielort im Osten abhängig gemacht - dafür müsste Leipzig dem Aachener noch heute ein Denkmal errichten. Denn Leipzig bekam aus Steuermitteln eine 90 Mill. Euro teure neue Arena, obwohl der große Fußball seit 1994 um die Stadt einen Bogen macht.

Damals stieg der VfB Leipzig, 1903 der erste deutsche Meister, aus der Bundesliga ab. Der VfB ist nach Insolvenz inzwischen ganz verschwunden, der FC Sachsen (ehemals Chemie) dümpelt in der Oberliga dahin. Und der ehemalige Europacup-Finalist 1. FC Lok hat gerade in der 3. Kreisklasse seine Wiedergeburt erlebt. "Es ist ganz wichtig, dass es im Osten neben Berlin einen weiteren WM-Standort gibt", sagte der Sachse Ballack vor seinem Heimauftritt.

Leipzig präsentiert bei der Partie gegen Kamerun ein modernes Stadion mit 44 200 Plätzen, das manche Bundesliga-Stadt neidisch werden lässt. Und während Traditions-Standorte wie Bremen oder Mönchengladbach die kommende WM nicht erleben dürfen, ist Leipzig mittendrin. In vier Jahren Bauzeit wurde das neue Stadion in die riesige Schüssel der alten Arena, die 100 000 Fans Platz geboten hatte, hinein gesetzt.

Bis zum Conferderations Cup im kommenden Jahr müssen nach Fifa-Richtlinien Nachbesserungen vor allem in Sachen Sicherheit und Kommunikation für rund 26 Mill. Euro erbracht werden. Betreiber Michael Kölmel will davon 17 Mill. Euro, die Stadt die restlichen neun Mill. Euro übernehmen. Derzeit wird über einen Verkauf der Arena an einen Investor verhandelt.

Das alte Zentralstadion war 1956 nach 500 Arbeitstagen mit der Partie von Wismut Karl-Marx-Stadt gegen den ungarischen Meister Honved Budapest eingeweiht worden. Zwischen 1957 und 1989 absolvierte die DDR in Leipzig 46 Länderspiele. Nun bittet Klinsmann zum Rasentanz: Beim letzten Leipzig-Gastspiel der DFB-Elf am 1. September 1940 wurde Finnland mit 13:0 bezwungen.

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