Erst Ende Januar der nächste Teamwettbewerb terminiert
Nicht ohne meinen Trainer

Die Eisschnelllauf-Bundestrainer haben eine Lösung für das Teamrennen gefunden - Starläuferin Claudia Pechstein passt sie nicht.

BERLIN. Es dauert bei deutschen Eisschnellläuferinnen nur ein paar Tage, und ein in aller Harmonie geschlossenes Abkommen wird wieder kritisiert. Diesmal ging es um den neuen Wettbewerb, die Mannschaftsverfolgung. Dafür waren bislang die Bundestrainer Joachim Franke und Markus Eicher zuständig. Doch als Claudia Pechstein, Anni Friesinger, Sabine Völker und Daniela Anschütz vor zehn Tagen beim Weltcup in Berlin nicht mitmachen wollten, fiel eine Entscheidung: Cheftrainer Helmut Kraus übernimmt die Koordination. So haben es die Bundestrainer einvernehmlich beschlossen.

Vielleicht hätten sie auch noch Claudia Pechstein fragen sollen. Die Olympiasiegerin scheint nicht damit einverstanden, was ihr Trainer Franke mit entschieden hat. Dem Sender TV Berlin sagte sie: "Ich denke, dass sich Kraus sehr viel auf seine Kappe schreibt, was die Ideen von Eicher und Franke sind. Kraus sonnt sich gerne im Erfolg." Pechstein hat diesmal also nicht über ihre Rivalin Anni Friesinger gelästert, sondern über den Cheftrainer der Deutschen Eislauf-Gemeinschaft. Dann sagte sie noch: "Es ist natürlich so, wie es in den Medien steht: Franke entmachtet."

Natürlich? Es ist ein wenig rätselhaft, warum Pechstein von einer Entmachtung spricht. Der Mannschaftswettbewerb ist eine junge Disziplin, kein großer Herrschaftsbereich. Kraus selbst kann die Kritik daher auch nicht verstehen: "Es geht nicht um Macht und Kompetenz, sondern um Verantwortung." Franke und Eicher habe er nichts weggenommen. "Es ist wichtig, dass die Leute ihren Kopf frei haben, Sportler und Trainer. Erste Priorität hat für die Bundestrainer die Ausprägung der Individualleistung", sagt Kraus.

Im Moment sollte ohnehin Ruhe herrschen um den Mannschaftswettbewerb. Denn die nächste Gelegenheit zum gemeinsamen Laufen haben die deutschen Frauen erst Ende Januar beim Weltcup in Baselga di Piné. Es ist der letzte Wettkampf vor der WM in Inzell Mitte März.

In der Pause bis zum Weltcup will Kraus ein Konzept erarbeiten. Die praktische Vorbereitung wird er dann im nächsten Jahr wieder an die anderen Bundestrainer abgeben. An Joachim Franke etwa, Pechsteins Trainer, oder an Markus Eicher, Anni Friesingers Trainer. Vielleicht auch an Stephan Gneupel, der Anschütz und Völker trainiert. Es ist also nur ein kurzes Interregnum von Kraus, dennoch hat sich Pechstein gleich darüber aufgeregt. Vielleicht ist das ein Zeichen dafür, dass sie doch auf einmal mehr Wert legt auf den Mannschaftswettbewerb. In Berlin war er für sie nur ein Risiko für gute Leistungen auf den Einzelstrecken. Der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft liegt jedenfalls viel an der Mannschaft, und Kraus sagt: "Was in Berlin geschehen ist, darf nicht noch einmal passieren."

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