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Erst gurten - dann in den Urlaub starten

Berlin (dpa) - Noch die letzte Reisetasche, den Proviant und den Kindersitz ins Auto - dann geht`s los. Nicht aber ohne das hörbare «Klick» der Sicherheitsgurte. So selbstverständlich werden sie heute angelegt.

Berlin (dpa) - Noch die letzte Reisetasche, den Proviant und den Kindersitz ins Auto - dann geht`s los. Nicht aber ohne das hörbare «Klick» der Sicherheitsgurte. So selbstverständlich werden sie heute angelegt.

Vor genau 20 Jahren, am 1. August 1984, musste der Staat dagegen noch mit einem Verwarnungsgeld nachhelfen, um die Anfang 1976 eingeführt Gurtpflicht für Fahrer und Beifahrer durchzusetzen.

Die Drohung im Nacken, bei der nächsten Polizeikontrolle 40 Mark (gut 20 Euro) abdrücken zu müssen, ließ den Anteil der Gurtanleger von 50 sprunghaft auf 90 Prozent ansteigen, wie die Bundesanstalt für Straßenwesen (Bast) zu berichten weiß. Auch wenn es anfangs Ausreden wie «Ohne Gurt passiert mir schon nichts im Stadtverkehr» genug gab. Den vorläufigen Höchststand der Sicherung bei erwachsenen Insassen von 95 (2002: 93) Prozent hatte die Anstalt für 2001 gemeldet.

Deutlich darunter war bisher immer der Anteil der «gurtwilligen» Fahrgäste auf den Rücksitzen. Aber auch er macht inzwischen bereits 86 Prozent (2002) aus. Für erwachsene Fondinsassen wurde die Anlegepflicht erst zum 1. August 1984 eingeführt. Aber erst seit Erhebung des Verwarnungsgeldes auch für diese Gruppe gut zwei Jahre später (1. Juli 1986) stieg der Gurtanleger-Anteil von unter 20 Prozent kontinuierlich an.

«Mit dem Bußgeld 1984 kamen die Erfolge», erinnert sich Thomas Hummel, Sicherheitsexperte des Verkehrstechnischen Instituts der Deutschen Versicherer. «Binnen eines Jahres hatten wir 1000 Tote weniger.» Gegen anfängliche Widerstände betonen die Arag-Versicherer, dass nur knapp 1 Prozent der Verletzungen angeschnallter Fahrer - wie Prellungen - auf den Gurt zurückzuführen seien. Die Fachleute wiesen schließlich nach, dass schwere und erhebliche Verletzungen durch das Gurtanlegen um 50 bis 70 Prozent verringert werden können. Crash- Tests mit Dummies simulierten das harte Aufprallen des Kopfes.

Längst gibt es den ausgereiften Dreiklang von Gurt, Kopfstütze und Airbag. «Gemeinsam reduzieren sie das Risiko, bei einem Autounfall schwer verletzt oder getötet zu werden, um 65 Prozent», heißt es beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Dennoch warnen die Arag-Experten: «Wer denkt, er kann einen Aufprall bei auch nur 10 Stundenkilometern mit den Armen auffangen, irrt gewaltig. Beim plötzlichen Bremsen bei dieser Geschwindigkeit werden Energien frei, die das Zehnfache des Körpergewichts betragen. So müsste ein 60 Kilogramm schwerer Mensch eine Kraft von 600 Kilogramm abstützen.»

Wer als Gurtmuffel erwischt wird, muss inzwischen ein Bußgeld von 30 Euro zahlen. Bleibt ein Kind völlig ungesichert, sind mindestens 40 Euro und ein Punkt in der Flensburger Sünderkartei fällig. Viel teurer kann die Sache werden, wenn Mitfahrer von Gerichten mitschuldig gesprochen werden, weil sie den Gurt nicht angelegt hatten. Dann mussten in manchen Fällen bereits erhebliche Abschläge von Entschädigungen oder Schmerzensgeld hingenommen werden.

Gurt oder die hochelektronische Notbremse ist das eine - das individuelle Fahrverhalten das andere, um Unfallrisiken zu vermeiden. Das jüngste Raser-Urteil könnte alle etwas auf die Bremse treten lassen - falls dies nicht schon durch Urlaubsstaus erzwungen wird.

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