Erst wenige Unternehmen haben sich verpflichtet
Nemax-50-Firmen wollen sich Transparenzregeln geben

Eine Gruppe von Gesellschaften aus dem Nemax-50-Index will nach Angaben aus Unternehmenskreisen eine Selbstverpflichtungserklärung auf den Deutschen Corporate Governance Kodex vorlegen und damit den angeschlagenen Ruf des Neuen Marktes aufbessern helfen.

Reuters FRANKFURT. Unterstützt von der Deutschen Börse AG plane ein Arbeitskreis aus Nemax-50-Unternehmen derzeit für Ende Oktober oder Anfang November 2002 die so genannte "Frankfurter Erklärung", mit der sich die Unterzeichner auf alle "Soll-Vorschriften" aus dem Kodex verpflichten, hieß es am Montag. Bislang hätten sich aber nur sehr wenige der Gesellschaften tatsächlich zu einem solchen Schritt bereit erklärt. Ziel sei es, "deutlich zu machen, dass das Segment ein Gutes ist", sagte der Sprecher eines Nemax-50-Unternehmens, der namentlich nicht genannt werden wollte. "Diejenigen, die diesen Arbeitskreis aktiv mitgestalten, hoffen, dass da möglichst viele mitmachen", fügte er hinzu. Aktionärsschützer begrüßten dies.

Der von einer Kommission um den Aufsichtsratschef von Thyssen-Krupp, Gerhard Cromme, im Februar 2002 verabschiedete Kodex für gute und verantwortliche Unternehmensführung, sieht als Empfehlung eine ganze Reihe von Transparenzregeln vor. So sollen unter anderem die Vergütungen der Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder detailliert in den Konzernberichten veröffentlicht und Anleger bei der Weitergabe von Informationen genauso behandelt werden wie Finanzanalysten. Weiter soll die "Frankfurter Erklärung" den Angaben zufolge die Verpflichtung enthalten, alle Geschäfte von Vorständen mit ihren Aktien des eigenen Unternehmens von der ersten Aktie an zu publizieren. Damit würde man deutlich über die aktuelle gesetzliche Regelung hinaus gehen, die eine so genannte Bagatellgrenze von 25 000 Euro für die Meldepflicht vorsieht.

DSW begrüßt Initiative

Derzeit hätten sich unter den Nemax-50-Gesellschaften jedoch sehr erst wenige Unternehmen zu einer Unterschrift durchringen können, hieß es in den Kreisen. Einigen gingen die Pläne wohl offenbar zu weit.

Marc Tüngler, Sprecher der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW) sagte: "Wir würden eine solche Initiative begrüßen." Schließlich würden die Unternehmen damit eine ähnliche, gesetzliche Regelung selbst vorziehen. Das Transparenz- und Publizitätsgesetz sieht bereits vor, dass sich Gesellschaften im Geschäftsbericht 2003 dazu erklären müssen, in welchen Punkten sie den Corporate Governance Kodex erfüllen und in welchen sie es nicht tun. "Wir werden schon in diesem Jahr auf den Hauptversammlungen danach fragen, wie weit man den Kodex schon umgesetzt hat", sagte Tüngler.

Eine Sprecherin der Börse sagte zu dem Sachverhalt lediglich, eine solche Erklärung könne durchaus sinnvoll sein. An eine von der Börse eingeforderten Verpflichtung sei jedoch nicht gedacht.

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